Wie die Potsdam Royals in ihrem ersten German Bowl bestehen wollen

Die Footballer aus Brandenburg haben in dieser Saison kein Spiel verloren. Ihre Gegner aus Schwäbisch Hall auch nicht. Das verspricht ein spannendes Finale.

Am Sonnabend stehen die Footballer der Potsdam Royals zum ersten Mal in ihrer Geschichte im German Bowl.
Am Sonnabend stehen die Footballer der Potsdam Royals zum ersten Mal in ihrer Geschichte im German Bowl.imago/Nicol Marschall

Am Teamabend im Bowlingcenter, ein paar Tage vor dem großen Finale am Sonnabend (18 Uhr, Sport1+) in Frankfurt/M., bekamen die Footballer der Potsdam Royals Besuch: Fuad Merdanovic, der Präsident des American Football und Cheerleading Verbandes Berlin-Brandenburg, hatte Geschäftsstellenleiterin Susanne Erdmann mitgebracht. Die 17-malige deutsche Meisterin, fand er, könne den Jungs Tipps geben, wie das mit den Titeln so funktioniert. „Der letzte deutsche Meister im Männer-Football aus Berlin oder Brandenburg waren 2009 die Adler“, sagt Merdanovic. Dafür gewannen Erdmann und die Berlin Kobra Ladies zuletzt Titel in Serie. Nun stehen die Potsdamer gegen die Schwäbisch Hall Unicorns im German Bowl. 

Potsdam Royals zum ersten Mal im German Bowl

Die Unicorns sind Favorit, stehen zum zehnten Mal im Finale. „Aber im vorigen Jahr hat Dresden gezeigt, dass man gegen Hall gewinnen kann. Es wäre schön für den Football im Osten, wenn es Potsdam jetzt auch gelingen würde“, findet Merdanovic. Die Royals haben das Meisterschaftsfinale der German Football League (GFL) zum ersten Mal erreicht. Sie sind noch ein junger Klub. Einer, der nach der Auflösung ihrer Sparte beim SC Potsdam 2012 von ganz unten anfangen musste: in der Landesliga Ost.

Doch dann ging es schnell nach oben, dreimal hintereinander ungeschlagen: Regionalliga, GFL2, 2017 dann in Liga eins. Nach einem schwierigen Jahr 2019, in dem die Royals fünf Quarterbacks verloren, und einer Strukturreform während der Corona-Zeit legten die Potsdamer eine perfekte Saison hin: zehn Siege in zehn Spielen. Wie ist so eine Entwicklung möglich?

„Das liegt vor allem an unserem Team hinter dem Team“, sagt Royals-Präsident Jens Torsten Müller. „Und an unserem Headcoach Michael Vogt, der seinen Job mit Leidenschaft, Kompetenz und Liebe macht.“ Müller musste lachen, als er nach dem Sieg gegen Köln in einer Zeitung las, die Potsdam Royals seien das Bayern München des American Football. „Wir haben keinen einzigen Angestellten im Verein. Wir machen das alles komplett im Ehrenamt – mit vielen Stunden, Herz und Entschlossenheit“, sagt er. Schließlich seien viele der Royals-Akteure auch im normalen Leben Manager, die organisieren können. 

Zum Beispiel ein Trainingsgelände für die Footballer. Spielflächen sind in Potsdam für viele Vereine rar. „Es fehlen mindestens 13 Plätze, ganz offenbar war man überrascht, dass die Stadt so schnell wächst“, sagt Müller. Seine zweite Mannschaft musste er wegen Platzmangels vom Spielbetrieb abmelden. Und noch immer ist nicht ganz klar, wo die Royals, deren A-Jugend gerade in die Bundesliga aufgestiegen ist, kommende Saison spielen. „Wir wachsen extrem als Verein“, sagt Müller. Das Konzept, aus den Heimspielen ein Familienevent zu machen, funktioniert. Was auch funktioniert, ist die Rekrutierung von Spielern, die zwar nicht viel mehr als eine Aufwandsentschädigung bekämen, dafür aber wissen: „Wir kümmern uns.“

Begrenztes Spielerpotenzial für vier Topteams

Die Konkurrenz um ein begrenztes Spielerpotenzial ist mit den Berlin Adlern und Rebels in der GFL 1 sowie Berlin Thunder aus der European League of Football (ELF) groß. „Unsere Jungs bekommen Angebote, die sich gewaschen haben.“ Aber Konkurrenz belebt das Geschäft, findet Müller. Das, was die ELF mit den sozialen Medien erreiche, zwinge auch die GFL, professioneller zu werden. 

Am Sonnabend tritt Müllers Team mit einer explosiven und enorm schnellen Offense gegen Hall an, das ebenfalls zehn Spiele gewonnen hat. Er schätzt die Chance der Royals auf 50:50 und erzählt, Verbandspräsident Merdanovic habe beim Teamabend gesagt: „Jungs, wir drücken euch die Daumen. Bringt uns den Pott mit.“