Es trägt sich eher selten zu, dass gestandene, internationale Fußballstars zu einem vermeintlich kleinen Bundesliga-Klub wechseln, um beim Klassenerhalt mitzuhelfen. Hansa Rostock versuchte das in der Saison 2004/05 mal erfolglos mit der finnischen Ikone Jari Litmanen. Vereine wie der FC Schalke 04 oder der Hamburger SV peilten indes mit nicht weniger prestigeträchtigen Spielern wie Raúl (2010 bis 2012) und Ruud van Nistelrooy (2010 bis 2011) eher höhere Ziele als den Klassenverbleib an.

Nichts anderes als den dürfte aber der FC Augsburg im Sinne gehabt haben, als man sich zu Wochenbeginn für eine Verpflichtung des 35 Jahre alten Stephan Lichtsteiner entschied. Der Schweizer ist in seiner Heimat nach 105 Länderspielen und sage und schreibe 16 italienischen Titeln mit Juventus Turin und Lazio Rom eine echte Legende, die sich in der vergangenen Saison beim nicht minder hochkarätigen FC Arsenal verdingte. Kein Wunder also, dass Lichtsteiner, der in seiner Karriere ausschließlich für namhafte Klubs aufgelaufen ist, den Wechsel zum kleinen FC Augsburg entsprechend trocken kommentierte: „So etwas habe ich noch nie gemacht.“

Auch Urs Fischer, Trainer des 1. FC Union und Landsmann von Lichtsteiner lobte die Verpflichtung: „Er war jahrelang Stammspieler bei einem Klub wie Juventus − da muss er schon vieles in seiner Karriere richtig gemacht haben.“

Stephan Lichtsteiner: Nicht eine Rote Karte

Dass Fischers Mannschaft am Sonnabend Freude an dem namhaften Außenverteidiger haben wird − so er denn bereits sein Debüt feiert − ist allerdings unwahrscheinlich. Lichtsteiner gilt seit jeher als ebenso technisch begnadet, wie unangenehm zu bespielen. Einer, der die Grenze des Erlaubten im Spiel immer wieder bis aufs letzte Quäntchen ausdehnt, sie allerdings − und das ist seine besondere Qualität − nie überschreitet. In 601 Einsätzen als Profi sah der gebürtige Luzerner nicht eine einzige Rote Karte, wurde nur dreimal mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Grund genug für den FC Augsburg zu glauben, dass Lichtsteiner zum X-Faktor für die zuletzt arg löchrige Defensive wird, die im Pokal in Verl (1:2) und beim Liga-Auftakt in Dortmund (1:5) zusammengenommen sieben Gegentreffer kassierte. Und wer weiß: Vielleicht nimmt Lichtsteiners Geschichte in Augsburg dann auch ein besseres Ende als die von Jari Litmanen in Rostock.