Budapest - Anna Elendt ist plötzlich wer und genießt es. Zumindest weiß die Fachwelt mit ihrem Namen etwas anzufangen und auch die internationale Konkurrenz hat sie seit diesem Jahr auf dem Radar.

Die Schwimmerin der SG Frankfurt hat die deutschen Rekorde über 50, 100 und 200 Meter Brust pulverisiert.

„Es wurde gefragt, wer dieses Mädchen aus Texas eigentlich ist“, erzählte Elendt und freute sich diebisch darüber, dass man sie noch nicht als Deutsche wahrgenommen hatte. Eine Folge ihres Studiums in den USA und ihrer Zugehörigkeit zur bärenstarken Trainingsgruppe von Headcoach Carol Capitani an der University of Texas.

Elendt: „Finde cool, jetzt wahrgenommen zu werden“

Nun aber ist sie bekannt. „Einige Stars der Szene, die vorher nicht mal Hallo zu mir gesagt haben, sprechen jetzt ganz normal mit mir“, sagte Elendt und ergänzte: „Ich finde es cool, dass ich jetzt wahrgenommen werde.“

Damit das auch in Deutschland passiert, muss die 20-Jährige nun in Budapest bei den Weltmeisterschaften liefern. Von 2019 steht ein siebter Platz über 50 Meter Brust als bestes WM-Ergebnis. „Diesmal sind die 100 Meter für mich im Fokus. Ich will sehen, wie ich mich weiterentwickelt habe, was ich da im direkten Vergleich mit der Weltspitze erreichen kann“, sagte Elendt. Dafür legte sie in den vergangenen Wochen noch die Grundlagen daheim in Frankfurt, mit Trainingsplänen aus den USA.

Es gebe noch einige Baustellen, an denen gearbeitet werden müsste, berichtete die Athletin, die ihren Leistungssprung auch am Training unter Capitani festmacht. „Die Bedingungen in Deutschland waren nicht schlecht, aber in den USA ist die Betreuung deutlich anders. Alles, was du brauchst, wird möglich gemacht. Und du trainierst mit 25 Mädels, die alle die gleichen Ziele haben. Das ist sehr professionell“, sagte Elendt.

Berkhahn: „Gute Ausbildung in Deutschland“

Langstrecken-Bundestrainer Bernd Berkhahn freut sich über Elendts Entwicklung, sieht deren Weg über das Ausland aber nicht als generell zukunftsweisend für den Deutschen Schwimm-Verband. „Grundsätzlich gibt es in Deutschland eine gute Ausbildung. Es mangelt aber daran, die Athleten dann in die absolute Weltspitze zu führen“, sagte Berkhahn.

Auf konkrete Ziele in Budapest will sich Elendt nicht festlegen. „Ich will locker rangehen, da sind selbstformulierte Platzierungsziele nicht so gut“, sagte sie. „Ich will so nahe wie möglich an meine Bestzeiten kommen und meine Form bestätigen. Wozu das dann reicht, wird man sehen.“

Sichtbar wird Elendt auf jeden Fall wegen ihrer extravaganten Fingernagel-Lackierungen sein, für die sie in der Szene schon bekannt ist. „In Budapest werden sie wohl blau leuchten. Da passen sie zu meinem pinken Anzug“, sagte Elendt vor ihrem ersten Start an diesem Sonntag.