Er kennt beide Seiten – hat den Aufstieg mit dem 1. FC Magdeburg in die 3. Liga erlebt, aber auch das Scheitern in der Relegation mit Lok Leipzig. Von daher war es kein Wunder, dass Matthias Steinborn der erste Spieler des BFC Dynamo war, der im Mannschaftskreis nach dem 0:2 im Relegationshinspiel gegen den VfB Oldenburg einen flammenden Appell an die Kollegen losließ.

Der Glaube an das Wunder vom Marschweg ist in den Köpfen der Dynamo-Kicker fest verankert. Was genau Steinborn seinen Jungs mit auf den Weg gegeben hat, wollte der Stürmer nicht verraten. Nur so viel: „Es waren Emotionen pur. Wichtig ist, dass wir jetzt noch enger zusammenrücken und sich jeder Einzelne im letzten Spiel für den Erfolg zerreißt. Jeder muss an seine Grenzen gehen.“ Um das Rückspiel am Sonnabend in Oldenburg (14 Uhr, RBB und NDR) nicht nur zu gewinnen, sondern auch den Aufstieg in die Dritte Liga feiern zu können.

BFC-Trainer Christian Benbennek hält sich bedeckt

Was der BFC dafür in Vorbereitung auf diese Partie anders gemacht hat, dazu hielt sich Trainer Christian Benbennek bedeckt. Er wolle doch nicht dem Gegner verraten, was auf den zukommt. So die klare Aussage des 49-Jährigen. Doch im Grunde ist es ja ganz einfach. Nach einer krachenden Niederlage – und als solches darf das 0:2 gegen den VfB Oldenburg gewertet werden – gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man schmeißt alles um, um noch ein paar Körner rauszukitzeln. Oder aber man handelt bewusst weiter so wie immer.

Der Glaube an das „kleine Fußball-Wunder“ (O-Ton Benbennek) nährt sich auch aus dem Saisonverlauf und dem Wissen um die eigenen Möglichkeiten. „Wir haben es nur in ganz wenigen Spielen in dieser Saison nicht geschafft, ein Tor zu erzielen. Von daher bin ich mir sicher, dass wir mit der geballten Offensivpower in die Partie gehen werden“, sagt Steinborn.

Auf einen Mannschaftsabend, an dem das Team sich noch einmal eingeschworen hat oder andere teambildende Maßnahmen hat man in dieser Woche verzichtet, zumindest ist darüber nichts bekannt. Auch der freie Tag ist dem Team nicht gestrichen worden. Also deutet vieles daraufhin, dass man sich in Hohenschönhausen bewusst für die Variante entschieden hat, nichts zu ändern. Weil ja nicht alles schlecht gewesen sein kann, was den BFC zum Meistertitel in der Regionalliga Nordost geführt hat.

Auf Biegen und Brechen etwas zu ändern, kann eher zu einer Verunsicherung führen. Hektischer Aktionismus ist eher selten zielführend. In der Ruhe liegt die Kraft. Benbennek ließ nicht mal von seinem gewohnten Tischtennis-Spielchen mit dem Zeugwart des BFC.

Matthias Steinborn spürt eine „Jetzt erst recht“-Stimmung

Eine Andeutung, was auf die Oldenburger zukommen wird, machte Steinborn dann doch noch. „Innerhalb der Mannschaft ist eine ‚Jetzt erst recht‘-Stimmung zu verspüren“, so der 33-Jährige und dürfte damit insbesondere Dmitri Stajila meinen. Der Torwart war in der Saison ein so sicherer Rückhalt für die Dynamos, patzte aber im Hinspiel schwer. Nun brennt der in Tiraspol geborene Stajila natürlich darauf, das alles wieder gutzumachen. 15-mal ist er in der Saison ohne Gegentreffer geblieben, ein weiteres Mal in Oldenburg wäre die Basis auf dem Weg in Richtung Liga drei.

Dort hat Matthias Steinborn trotz seiner insgesamt 213 Regionalligaspiele noch nie einen Fuß hinsetzen dürfen. Denn: Als der FCM dorthin aufstieg, musste er in Babelsberg weiterspielen. Jetzt möchte er diesen Weg mit dem BFC bis zum Ende gehen.