Der 1. FC Köln lockt: Hat Sebastian Andersson seine Sachen schon gepackt?
Foto: Matthias Koch

KarlsruheAls die Fragen beantwortet waren, die die Journalisten nach dem 1:0-Sieg in Karlsruhe umtrieben, hatte Union-Trainer Urs Fischer noch Redebedarf. „Ich wollte eigentlich auch noch Christian und seiner Truppe ein Kompliment machen. Echt tolles Spiel. Macht weiter so, bleibt eklig.“

Natürlich war das Lob für einen kämpferisch wie spielerisch starken KSC vollauf gerechtfertigt. Es lenkte den Blick allerdings auch ein wenig von den Defiziten ab, die die Köpenicker beim Weiterkommen im Pokal gezeigt hatten. Schließlich war es schon verwunderlich, wie defensiv ein an sich ja physisch wie mental starkes Team das Spiel anging.

Bei gegnerischem Ballbesitz (also sehr oft), kaprizierte sich der Erstligist stoisch auf einer Linie stehende Fünferkette, in die gerne auch mal ein sechster Akteur einrückte. Das Spiel nach vorne blieb hingegen Stückwerk, was KSC-Trainer Eichner – in Sachen Gegnerbeobachtung hier deutlich unhöflicher als sein Schweizer Pendant – auch deutlich ansprach: „Jeder Trainer hat seine eigene Sichtweise aufs Spiel, aber ich habe nach 25 Minuten eigentlich nur noch eine Mannschaft gesehen, die den Ball wollte und die das Spiel aufs gegnerische Tor fabrizieren wollte.“

Zur Ehrenrettung der Berliner, die sich – wie Eichner noch ergänzte – tatsächlich „immer tiefer fallen ließen“, muss allerdings angemerkt werden, dass die Union-Offensive derzeit arg gerupft ist. Max Kruse, Anthony Ujah und Keita Endo mussten passen, stattdessen spielten Marcus Ingvartsen und Marius Bülter. Cedric Teuchert versuchte sich im Zentrum an vorderster Front und fiel dabei nur selten positiv auf. Nach einer Stunde kam Sheraldo Becker für den ehemaligen Schalker, was sich als sinnvolle Maßnahme erwies.

Andersson will weg vom 1. FC Union

Bliebe noch die weitaus prominentere Personalie Sebastian Andersson. Die Stammkraft im Sturm hat beim 1. FC Köln Begehrlichkeiten geweckt, die offenbar so konkret sind, dass Fischer ihn lieber gleich zu Hause ließ. „Übers Wochenende steht ein Transferwunsch im Raum“, erläuterte er nach dem Spiel. „Das war der Grund, dass er nicht im Aufgebot war.“ Dass Fischer beim Wort „Transferwunsch“ ein wenig sarkastisch lachte, könnte man so interpretieren, dass er ihn nur ungerne ziehen lässt. Dass Andersson nicht mit ins Badische gereist war, deutet hingegen darauf hin, dass es zu spät ist, einen Reisenden aufzuhalten. Zumal der Schwede am Rhein offenbar als Ersatz für Jhon Cordoba eingeplant ist, den es für angeblich 15 Millionen Euro zu Hertha ins Westend ziehen soll. Bei der Aussicht, dass ein großer Teil dieser Summe wieder an der Spree landen könnte, dürfte es wenige Argumente geben, sich dem Werben der Kölner komplett zu verschließen.

Es bleibt also spannend rund um die Alte Försterei, wo man sich im Hinblick auf den nahenden Ligastart immerhin mit der Erkenntnis trösten kann, dass die massierte Defensive in Karlsruhe wenig störungsanfällig war. Denn auch wenn der KSC zumindest im zweiten Durchgang optisch überlegen war, lief der Abend für Union-Keeper Andreas Luthe auch dank der Arbeit seiner Vorderleute recht entspannt ab.

Überhaupt ist es ja am Sonnabend nicht zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte vorgekommen, dass ein favorisierter Erstligist im Pokal Mühe hatte, beim rangniedrigeren Team weiterzukommen. Wer wollte es den Köpenickern da verdenken, dass sie nach dem in der 118. Minute erzielten Tor von Nico Schlotterbeck eine „Ende-gut-alles-gut“-Rhetorik an den Tag legten und ihren Twitter-Dienst unter das ehrliche Motto „Hauptsache weiter“ stellten? Was dann fast wieder nach sympathischem Understatement klang. Denn das Tor, das der jüngere Bruder des zum SC Freiburg zurückgekehrten Keven Schlotterbeck geschossen hat, war ja durchaus ein Highlight des vergangenen Wochenendes: Einen gar nicht mal so toll getretenen Freistoß von Niko Gießelmann, der kurz vor ihm noch mal aufprallte, versenkte er per Seitfallzieher zum Siegtreffer. Damit lieferte der 20-Jährige in drei, vier wachen Sekunden alles, damit den Union-Fans der Siegtreffer länger im kollektiven Gedächtnis bleiben dürfte als der mühsame Pflichtsieg ihrer Mannschaft.