André Hofschneider, Fußballlehrer in Diensten des Zweitligisten 1. FC Union, hat sicher schon angenehmere Frühstücksmomente erlebt als diese Woche. Ob ihm die Schrippe aus der Hand gefallen ist oder der Kaffee kalt wurde, ist nicht überliefert. Aber die präsidialen Interview-Worte von Dirk Zingler zum „State of the Union“ können ihm seine ohnehin nicht einfache Aufgabe schwerer gemacht haben. Eine Jobgarantie für den Fall einer Niederlage gegen den aufstiegsambitionierten Aufsteiger aus Regensburg am Sonnabend (13 Uhr/Alte Försterei) bekam er zwar frei Haus mitgeliefert, einen Persilschein aber über den Sommer hinaus als Chefübungsleiter nicht.

Und nun stand Hofschneider, von langjährigen Wegbegleitern stets nur Hofi gerufen, im Presseraum der Eisernen. Schwarze Trainingsjacke, kurzes Beinkleid. Ab und zu kratzte er sich am Kopf, blieb aber die Ruhe selbst und ließ auch die bohrenden Fragesteller an sich abperlen. „Der Präsident ist der Präsident. Er muss nicht Dinge vorher bekanntgeben“, wehrte er Versuche ab, ihm Unmutsäußerungen zu seiner Situation zu entlocken.

Dies gelang ihm leichter, als seine Jungs in den letzten Wochen Punkte holten. Neun Zähler aus zehn Spielen sind in der Formtabelle seit seinem Amtsantritt im Dezember nur Rang 17. Dass der Jahn im gleichen Zeitraum auf Rang drei logiert, macht die Schwere der heutigen Aufgabe noch deutlicher. Nicht umsonst hatte Dirk Zingler in der Berliner Zeitung den Abstiegskampf ausgerufen und all denen, die sich womöglich jetzt schon mit ihrer Zukunft im Sommer gar zu sehr beschäftigen, eine Menge Ärger angedroht.

„Mir steht es nicht groß zu, das Interview des Präsidenten hier zu bewerten. Aber wenn ich eins verstanden habe, geht es darum, im Jetzt und Hier zu denken. Und da wollen wir das Spiel, das jetzt für uns ist, als das wichtigste ansehen und dieses Spiel mit aller Macht gewinnen“, kickte Hofschneider den verbal zugespielten Ball weg vom tosenden Umfeld wieder zurück auf den Rasen. Selbst die Tatsache, dass er ja eigentlich mit einem verkappten Ultimatum konfrontiert worden war, nahm er gelassen auf. „Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, die kommentiere ich auch nicht. Für mich ist das Wichtigste das Spiel jetzt. Alles andere ist Zukunft“, so seine Aussage. Druck gehöre zum Profisport. Dem müsse man sich stellen. Und er würde das tun. „Wenn ich damit nicht umgehen kann, wäre ich hier falsch. Mich interessiert nur die Arbeit mit der Mannschaft“, sagte Hofschneider. Wohl wissend, dass die bei einer Pleite nicht einfacher wird.

Denn das Schneckenrennen Aufstiegskampf bringt es mit sich, dass auch im Tabellenkeller fleißig gepunktet wird. Wenn oben Zähler liegen bleiben, müssen die sich ja woanders ansammeln. So könnte sich das Kuriosum ergeben, dass erstmals seit der Spielzeit 2008/09 – also der Saison, als mit der Gründung der Dritten Liga die Zahl der Absteiger von vier auf zwei reduziert wurden und für den 16. der Hoffnungslauf Relegation eingeführt wurde – die obligatorische 40-Punkte-Marke erforderlich ist, um das rettende Ufer zu erreichen. Bislang waren dafür trotz dieses ungeschriebenen Gesetzes nur 37 Punkte nötig gewesen.

Die könnte Union schon mal übertreffen mit einem Sieg. Vom Negativfall wollte André Hofschneider wenig hören, natürlich wissend, was dann ins Haus steht. „Wir gehen auf eine Länderspielpause zu. Das wären zwei Wochen, in denen du viel Zeit hast nachzudenken.“