Hat er sich verändert? André Hofschneider, seit dem 5. Dezember Chefcoach des immer noch aufstiegsambitionierten 1. FC Union, zuckte kurz. Eigentlich glaubt er sich treugeblieben zu sein. Aber natürlich weiß er, dass nicht mehr alles beim Alten ist, jetzt, wo er einen der 36 begehrtesten Jobs in Fußball-Deutschland innehat.

In Spanien bekam er das zu spüren. „Ich habe ja schon den ein oder anderen Fanabend mitgemacht“, verwies der 47-Jährige auf seine langjährige Co-Trainerzeit. „Die Anrede ist jetzt anders. Da war schon bei dem ein oder anderen vergessen, dass wir beim Du waren. Die musste ich ein oder zweimal ermahnen, beim Du zu bleiben, weil ich ja auch geduzt habe“, verriet Hofschneider.

Ihn selber verwundert sein Karrieresprung weniger. Seit sechs, sieben Jahren habe er ja daraufhin gearbeitet. „Ich hätte den Fußballlehrer ja schon viel früher machen sollen. Dirk Zingler hat immer betont, dass seine Mitarbeiter die bestmögliche Qualifikation bekommen sollten.“ Und er hätte diesen Job auch nicht überall gemacht, nur um Chef zu werden. „Für mich ist das nicht einer von 36 Arbeitsplätzen, sondern gehört zu den Top-10 in Deutschland“, so Hofschneider.

Trainingsrückstand bei Fabian Schönheim

Natürlich hat er jetzt mehr Verantwortung. Dessen ist er sich bewusst. Und es drängen Entscheidungen. So wie die in der Torwartfrage. Da soll bis Mittwoch beim finalen Test in Luckenwalde (17.30 Uhr) gegen Ingolstadt alles klar sein. Tendenz derzeit: Daniel Mesenhöler wird Jakob Busk überflügeln. Letztlich könnte dem Dänen die Handwurzelstauchung aus dem Training doch zum Verhängnis werden.

Auch das primäre – drauf legt er Wert – System wird geändert. Hofschneider will auf ein 4-4-2 mit Raute switchen, weil das Personal dafür die meiste Qualität mitbringe.

In der Abwehr wird es kaum Veränderungen geben. Die stellt sich nach wie vor von allein auf. Fabian Schönheim hat noch Trainingsrückstand, Lars Dietz kann einen Christopher Trimmel nicht ersetzen, Peter Kurzweg kommt an Kristian Pedersen nicht vorbei und Christoph Schösswendter ist nie ein Thema, wenn von Alternativen gesprochen wird. Es wird also auf das Vorjahresquartett um Toni Leistner und Marc Torrejon hinauslaufen.

Treugeblieben ist er sich im Umgang mit den Kickern. „Für die Spieler war es etwas gewöhnungsbedürftig, den Trainer zu duzen. Aber soll ich da zurückrudern und von einem Steven Skrzybski das Sie verlangen? Der kennt mich seit zehn Jahren. Nein, Respekt bekommt man nicht über die Anrede, sondern über die Arbeit und seine Art.“

Thema Ballbesitzfußball wird überstrapaziert

Zumindest hat er weiter die Ruhe weg. Aus einem angesetzten Viertelstundengespräch können schnell mal 30 Minuten und mehr werden. Hofschneider erweist sich ans angenehm-unaufgeregter Gesprächspartner, der auf den Gegenüber eingeht und sich nicht über die Fragesteller qua seines Amtes erhebt. Herabsetzende Floskeln wie „Wer schon einmal Fußball gespielt hat, der ...“ sind da weniger zu erwarten.

Von der kurzen Vorbereitungszeit lässt er sich nicht beirren. Er weiß, dass nicht alles gleich klappt, wenn man den Stil einer Mannschaft umkrempelt. Beziehungsweise: ergänzt. Denn alles wird nicht anders. „Das Thema Ballbesitzfußball wird mir überstrapaziert. Das ist kein Dogma. Ich bin ein großer Freund von Angriffspressing. Aber das hält keiner über 90 Minuten durch. Man muss sich auch Zeit nehmen und Kraft sparen, wenn man den Ball in den eigenen Reihen hält. Wir wollen variabel sein. Es gibt nicht nur ein Allheilmittel, der Mix macht’s“, sagte der bekennende Dartsfan. „Von diesem Sport kann man viel lernen. Mental vor allem. Man muss selber treffen, um zu gewinnen.“

Dass seine Elf in knapp einer Woche beim Überraschungszweiten Kiel unter Zugzwang steht, weiß er. Aber es bringt ihn nicht aus der Fassung, er verspürt keinen zusätzlichen Druck und macht seinen Profis auch keinen. „Endspielcharakter? Wir sind hier nicht der Außenseiter und freuen uns auf die Underdog-rolle. Wir wissen, wie wichtig es ist, gut ins neue Jahr zu starten. Deshalb haben wir die Wichtigkeit des Kiel-Spiels betont. Es ist ja für uns ein neuer Anfang“, so Hofschneider.