Wenn es nach den Beflockungen der Fan-Trikots geht, ist Sven Felski immer noch Regierender Bürgermeister der Eisbären. Gefühlt auf jedem zweiten Rücken ist der Berliner Rekordtorschütze (225 DEL-Tore) verewigt. Besonders gefragt ist aber auch das Jersey mit der Nummer 24. André Rankel, 30, ist mittlerweile die unangefochtene Identifikationsfigur. Was er am Donnerstagabend mal wieder untermauerte. Das 1:0 nach 37 Sekunden war Rankels 200. Eisbären-Tor.

Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, knackt er in naher Zukunft Felskis Marke. „Im Spiel habe ich darüber nicht nachgedacht“, sagte Rankel, „aber es war natürlich ein schöner Beitrag zu dem Sieg.“ Das 4:1 gegen die Haie bedeutet, dass die Eisbären am Sonnabend in Köln (17.30 Uhr, live auf Servus TV) ins Halbfinale einziehen können. In der Serie steht es 3:2.

Florian Busch überrascht

In diesen Playoffs zeigt sich mal wieder, wie wichtig der Geburtsjahrgang 1985 für den Berliner Erfolg ist. Neben Dauertorjäger Rankel, der in der Hauptrunde am häufigsten traf, ist Florian Busch vielleicht die größte Überraschung der bisherigen Serie. Der Bayer mit dem wilden Gesichtspelz hat wie sein Kapitän zwei Tore erzielt. Zwei Mal bereitete er zudem vor und ist damit bester Scorer der Berliner. Und auch Frank Hördler ist in der Abwehr ein wesentlicher Faktor.

Als Eisbären-Sympathisant durfte man hoffen, dass die gereiften Herren in eine solche Rolle schlüpfen. In der Vergangenheit haben gerade diese Spieler schon oft bewiesen, dass sie in den Playoffs am besten sind. Dass sie im Vergleich zur Hauptrunde immer noch was drauflegen können. Aber zuletzt wuchsen auch die Zweifel, ob das Niveau noch reicht, um es mit teuer zusammengestellten Kadern, wozu der Kölner ohne Frage zählt, aufnehmen zu können. Immer wieder sorgten verschiedene Verletzungen in den letzten Jahren für teils lange Ausfälle. Hördler machte in dieser Hauptrunde überhaupt nur 23 Spiele, zuletzt plagte ihn eine Handgelenksverletzung.

Aktuell spielt das alles keine Rolle. Ganz im Gegenteil: Während die Haie am Donnerstag schon Ermüdungserscheinungen erkennen ließen und am Ende die Energie fehlte, weil ihnen auch noch die Pre-Playoffs in den Muskeln und Knochen stecken, präsentierten die Berliner im Schlussdrittel noch erfrischendes Eishockey. „In den Playoffs gibt es keine Müdigkeit“, sagte Busch nach dem dritten Spiel der Serie, „wir werden kein bisschen nachlassen.“ Das harte Sommertraining scheint sich auszuzahlen. Die Mannschaft und speziell die älteren Spieler wirken fit wie lange nicht.

Uwe Krupp brachte das Selbstvertrauen zurück

Nicht weniger wichtig als Gesundheit und Fitness ist die Rückkehr des Eisbären-Selbstverständnisses. Geschäftsführer Peter John Lee und sein Sportlicher Leiter Stefan Ustorf wurden selbst in Krisenzeiten nie müde, ihre Helden von einst starkzureden − weil es natürlich auch zu ihrem Jobprofil gehört. Aber es hat offensichtlich das Wirken von Trainer Uwe Krupp gebraucht, um Anspruch und Wirklichkeit zusammenzubringen. Rankel sagt: „Uwe hat uns das Gefühl zurückgegeben, dass wir gute Eishockeyspieler sind.“

Mit etwas Verzögerung geht momentan genau das auf, was sich Krupp bei seiner Ankunft in Berlin vor eineinhalb Jahren so ausgemalt hat: „Rankel, Busch und Hördler sollen das Team führen“, forderte er damals. Um sie herum hat sich mittlerweile ein ganzer Führungszirkel gebildet. Auch Constantin Braun, Micki DuPont oder der Verletzte Bruno Gervais dürfen Anspruch auf das Prädikat Führungsspieler erheben. Das sorgt für Entlastung bei der Verantwortung. „Ich mag den Charakter dieser Mannschaft“, sagt Krupp gerne. Gerade jetzt, wo die älteren Herren ihren zweiten Frühling erleben.