André Rankel verabschiedet sich von den Eisbären Berlin.
Foto: Florian Pohl/City-Press

BerlinAls die Fans der Eisbären am 8.März mit der Mannschaft ein 4:3 gegen Bremerhaven und eine gelungene Hauptrunde feierten, wussten sie noch nicht, dass es das letzte Treffen in dieser Saison war, zwei Tage später folgte ja die Absage der Play-offs. Die Anhänger konnten auch nicht erahnen, dass sie Kapitän André Rankel, 34, zum letzten Mal im EHC-Trikot zu sehen bekommen.   Am Mittwoch verkündete der Verein die Trennung von dem siebenfachen Deutschen Meister.

„Es war eine Entscheidung des Vereins, mir keinen neuen Vertrag zu geben“, sagte Rankel am Telefon, „ich   hätte die Eisbären nicht freiwillig verlassen, sondern wollte die Karriere hier beenden.“ Für ihn hatte sich aber schon länger angebahnt, dass die Zeit im Klub langsam zu Ende geht. „Ich hatte als Kapitän eine Führungsrolle in der Mannschaft. Meine sportliche Rolle war aber nicht mehr zufriedenstellend. Wahrscheinlich ist es gut, dass diese Entscheidung gefallen ist.“

Rankel ist Rekordtorschütze der Eisbären

2003 schloss sich Rankel, der ausgerechnet bei den Preussen in Westberlin ausgebildet wurde, den Eisbären an. In seiner ersten DEL-Saison stand er bereits 56-mal im Aufgebot. In 865 Spielen erzielte er 247 Tore. Damit ist Rankel mit Abstand Rekordtorschütze des Klubs. „Es ist für mich unmöglich all das in Worte zu fassen, was André für die Eisbären geleistet hat“, sagt Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee. „Wir haben André Rankel zu den Eisbären geholt, als er noch 17 Jahre jung war. Er hat inzwischen sein halbes Leben lang für unsere Organisation die Schlittschuhe geschnürt, Checks gefahren und vor allem Tore geschossen. Dafür und für sein vorbildliches Verhalten auf dem Eis und außerhalb gebührt ihm ein ganz großes Dankeschön.“

Zwei der insgesamt sieben Titel sind Rankel in besonderer Erinnerung geblieben. „Der erste war natürlich eine Befreiung für diesen Klub mit dieser besonderen Tradition.“ Als die Berliner 2013 ihren bis dato letzten Triumph feierten, reckte er den Pokal erstmals als Kapitän in die Höhe. „Das war eine der schwierigsten Saisons“, erinnert er sich.   „Aber wir sind aus dem Schatten getreten.“

Mit wir meint er sich und die Kollegen des 1985er-Jahrgangs. Unter Vereinsidolen wie Sven Felski, Steve Walker und Denis Pederson sind sie gereift. In besagter Saison hatten sie, auch dank der Hilfe der NHL-Gastspieler Daniel Briére und Claude Giroux, die Erfolgsserie fortgesetzt.

Der neue Kader nimm Konturen an

Allerdings hatte sich bereits in dieser Saison angedeutet, dass die Dominanz enden würde. Zweimal in Serie scheiterten die Eisbären daraufhin in den Pre-Play-offs. Es zeigte sich fortan eben auch, dass diese Generation um Rankel, Jens Baxmann, Frank Hördler und Florian Busch den Abschwung nicht aufhalten kann.   Auch bei den Fans waren die Helden früherer Jahre immer häufiger das Ziel von Kritik. Für Teamkollege Marcel Noebels, der 2014 nach Berlin kam, stand Rankel nie infrage: „Er war für mich persönlich einer der besten Mitspieler, die ich je hatte. Wir haben viel von ihm lernen können. André war nicht nur ein besonderer Spieler, sondern ist auch ein Freund neben dem Eis.“

Er war für mich persönlich einer der besten Mitspieler, die ich je hatte. Wir haben viel von ihm lernen können. André war nicht nur ein besonderer Spieler, sondern ist auch ein Freund neben dem Eis.“

Marcel Noebels

Nach Jens Baxmann, von dem sich der Verein nach der letzten Saison trennte, ist Rankel der zweite deutsche Langzeitprofi des 85er-Jahrgangs, der keinen Vertrag mehr erhält. Florian Busch wird seine Karriere beenden. „Ich hätte mir niemals vorstellen können, nicht für diesen Verein und diese Fans zu spielen“, sagt er, „ich hätte mich sehr gerne mit einer Meisterschaft verabschiedet.“ Nun wird er wohl woanders die letzten Profijahre bestreiten.

Unterdessen nimmt der Kader für die kommende Saison Konturen an. Neben Torwart Mathias Niederberger sollen laut dem Fachmagazin Eishockeynews Mark Zengerle und Stefan Espeland aus Bremerhaven nach Berlin wechseln. Mit Rankel werden sie sich nicht mehr die Kabine teilen.