Es gibt viele erste Male in dieser Saison für den 1.FC Union. Einiges ist schon abgehakt. Die erste Niederlage zum Beispiel und damit das erste Gegentor. Es folgte das erste Auswärtsspiel, der erste Punkt und – dadurch ist der Zähler beim 1:1 in Augsburg ja erst möglich geworden – das erste Tor.

Präziser kann ein Konter nicht abgeschlossen werden und kollektiver herausgespielt auch nicht. Das zeigt einerseits die homogene Stimmung in der Mannschaft und ganz besonders, dass es zwischen den Angreifern stimmt. Der eine, Anthony Ujah, zermürbt die gegnerische Abwehr, dann kommen die Sebastian-Stürmer Polter und Andersson und vollenden das Werk. Das Phrasenschwein darf grunzen. Es bekommt hiermit haufenweise Futter, aber wichtig ist nun einmal nicht, wer die Tore erzielt, sondern dass sie überhaupt fallen. Und zwar in erster Linie in den richtigen Kasten.

Viele Treffer sind wichtig und auch schön, aber der von Sebastian Andersson ist besonders. Dieses Tor behält seine Magie. Es ist nunmehr in Stein gemeißelt und in der eisernen Historie als jenes verewigt, das es ja auch ist: das erste Tor der neuen Zeitrechnung. Für manche Fans ist es wahrscheinlich der erste Treffer eines neuen Lebens.

Die Lunge aus dem Leib geschrien hat Andersson sich, damit Polter ihn, den besser Postierten, auch ja nicht übersieht. Man soll miteinander reden auf dem Platz, sich helfen, Zurufe sind wichtig in den fix wechselnden Situationen dieses immer schneller werdenden Spiels. Es hat prima geklappt, auch wenn Polter durchaus zugetraut werden kann, dass er den Überblick behalten hat in dieser durchaus kribbeligen Lage. Wie sagt man so schön, der eine ist zwar der Schütze, aber der andere der Vater des Tores.

Ein Moment, der sich einbrennt

Es wäre nur zu fair, würde in Wochen, Monaten, Jahren, selbst in Jahrzehnten bei der Erzählung über dieses erste Mal, als der Ball in einem Bundesligaspiel im Tor des eisernen Gegners gelandet ist, nicht nur der Name des Schweden, sondern auch der Name seines Assistenten genannt.

Ein erstes Tor ist für alle ein Meilenstein. Besonders für den Schützen. Sebastian Andersson wird es nie vergessen. So etwas brennt sich ein in die Synapsen des Lebens. Es ist immer abrufbereit, da bin ich mir sicher. Aus eigenem Erleben nämlich.

Es war meine erste Saison nach dem 1. FC Union. Mit Rotation Berlin wollte ich die DDR-Liga rocken, obwohl das damals viel schlichter so hieß: bloß ja den Abstieg vermeiden. Die Zweitliga-Aufsteiger aus Berlin wurden nie ganz ernst genommen, weil sie, wie sie auch hießen, immer wieder gleich abgeschmiert sind. So wie von einigen Bundesligisten wohl auch die Eisernen gesehen werden. Doch da kommt unser erstes Auswärtsspiel, es ist das, heute wissen damit nur Damalige etwas anzufangen, bei Stahl Finow.

Der Trainer dort aber ist eine eiserne Legende, Werner Schwenzfeier nämlich, der die 1968er-Helden zum Pokaltriumph geführt hat. Wir liegen, wie jetzt die Eisernen in Augsburg, nach einem Gegentor Mitte der zweiten Halbzeit 0:1 zurück. Aber ich treffe, wenn auch nicht in der 80., so in der 83. Minute, zum Ausgleich. Ins rechte untere Eck, wie Sebastian Andersson.

Rotation Berlin lässt grüßen

Nur fliegt bei meinem Schuss der Ball vom Innenpfosten ins Netz. Es ist mein erstes Tor in der Zweiten Liga und wir holen, noch eine Parallele, mit einem 1:1 unseren ersten Auswärtspunkt. Aber, und das zur Magie, diesen Treffer werde ich, so lange ich klar denken kann, nicht vergessen. Dabei ist er, ehrlich, heute genau vor 43 Jahren gefallen und bei mir noch immer auf dem Schirm.

Noch eine Sache, die hoffentlich auch zur Parallele wird: Wir haben damals allen Unkenrufen zum Trotz die Klasse tatsächlich gehalten!