Andreas Luthe wechselt vom FC Augsburg zum 1. FC Union.  
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BerlinErklären kann man das nicht, um den guten alten Werbeslogan der Neuköllner Gropius-Passagen zu bemühen. Zumindest auf den ersten Blick. Union schlägt auf dem Transfermarkt zu, hat mit Andreas Luthe einen neuen Keeper. Der ist ein Jahr älter als Rafal Gikiewicz, hat drei Bundesligaspiele weniger Erfahrung in einem Erstligator als der polnische Schlussmann (35 Partien für Union und Freiburg) und käme - Trommelwirbel, Tusch! - ausgerechnet vom FC Augsburg. Also von dort, wohin der eiserne Aufstiegsheld hingewechselt ist, nachdem Manager Oliver Ruhnert ihm den Aufstieg zum Gehaltsmillionär verwehrt hatte. 

Aber versuchen wir es doch einmal mit einer Erklärung für diesen wie ein Tauschgeschäft anmutenden Transfer. Natürlich hat er mit Geld zu tun. Der Zuschlag konnte nicht an den 25-jährigen Julian Pollersbeck gehen. Der stand lange Zeit auf dem Favoritenzettel der Köpenicker und wurde von einigen Medien schon vorschnell als Zugang verkündet. Weil der Hamburger SV den aus Lauterns Fußballschule stammenden Pollersbeck zwar gerne loswerden wollte, aber mit einer Ablöseforderung von rund zwei Millionen Euro die Verhandlungen reichlich vorbelastet hatte, musste sich Manager Oliver Ruhnert eben umorientieren. Welchen Sinn würde es ergeben, eine Ablösesumme im siebenstelligen Bereich zu löhnen, wenn man für rund ein Viertel des geforderten Geldes die Gehaltsansprüche von Gikiewicz vollumfänglich hätte erfüllen können? 

Der zweite Punkt, der in Ruhnerts Überlegungen eine Rolle spielt, ist die Zukunft von Moritz Nicolas. Mönchengladbachs Manager Max Eberl hatte zwar die Rückholoption für den mehrfachen U-Nationalspieler verstreichen lassen, aber es war ein offenes Geheimnis, dass Nicolas nicht mehr in Berlin sein Glück versuchen sollte. Mit einem Drittligisten war er sich schon handelseinig, um ordentlich Spielpraxis zu sammeln, was ihm in der Vorsaison bei den Eisernen ja verwehrt geblieben war. Zu mehr als einem Auftritt beim 0:4 in Hoffenheim hatte es für den hochtalentierten 22-Jährigen nicht gelangt. Im Duell mit Osnabrücks Philipp Kühn rechnet sich Nicolas deutlich mehr Chancen aus als bei einem Verbleib bei den Eisernen. Da die Niedersachsen ja auch die Vorbereitung bestimmt nicht ohne einen künftigen Stammkeeper angehen wollen, drängte langsam die Zeit. 

Für Luthe spricht vor allem der Punkt Ablösefreiheit. Und eben auch Erfahrung, die im Abstiegskampf vonnöten sein wird. Denn zuvor hatte der aus Velbert stammende Schlussmann jahrelang den Kasten des VfL Bochum sauber gehalten und für den Revierklub stattliche 169 Partien - darunter drei in der Bundesliga - absolviert. Und dass er immer noch in der Lage ist, seinen Mann zu stehen, zeigte die Tatsache, dass er in der Rückrunde in Augsburg Tomas Koubek – mit 7,5 Millionen Euro des Rekordeinkauf bei den bayerischen Schwaben – aus der Puppenkiste verdrängt hatte. Doch die Entscheidung, sich von ihm zu trennen, war bei FCA-Manager Stefan Reuter schon vorher gereift, weil er sich seit 2016 mit seinem Wechsel aus Bochum nie auf Dauer hatte etablieren können. 

Luthe trägt zwar künftig die Rückennummer 1 bei den Köpenickern. Aber das muss nicht heißen, dass er damit automatisch gesetzt wäre. Jakob Busk spielte in der kurzen Phase, als er bei Union Stammkeeper in Liga zwei war, auch mit der Nummer 12, obwohl er die 1 hätte haben können. Nummern sind mehr Schall und Rauch bei solchen Überlegungen. Billiger als Gikiewicz wäre er dem Vernehmen nach auch. Und auch wenn es kaum Informationen zur Vertragslaufzeit gibt, kann man davon ausgehen, dass es sich bei Luthe um kein längerfristiges Beschäftigungsverhältnis handeln wird. 

Was aber ein Indikator dafür sein könnte, dass es wohl nicht nur bei dem Luthe-Transfer bleiben wird, ist eben dessen Alter. Mit seinen 33 Lenzen ist er keine Zukunftsoption. Da fahndet man in Köpenick nach einem jüngeren Mann, der auf den 1,95 Meter großen Luthe mehr als nur Druck ausüben soll. Einen, dem man im Abstiegsfall auch den Neuaufbau in Liga zwei anvertrauen würde. Was  natürlich gegen Ron-Robert Zieler spricht. Hannover würde den Weltmeister von Rio zwar ablösefrei ziehen lassen und auch noch einen Teil seines Gehalts – kolportiert sind 700.000 Euro im Jahr – übernehmen. Aber erstens will Zieler die Leinestädter nicht wirklich verlassen. Und zweitens ist er als 31-Jähriger trotz seiner unbestrittenen sportlichen Klasse alles andere alles eine wirklich dauerhafte Lösung für die Zukunft. 

Luthe selber äußerte sich naturgemäß sehr optimistisch zu dem Wechsel. „Union ist ein Verein, den ich schon lange kenne und dessen positive Entwicklung ich in den letzten Jahren sehr aufmerksam verfolgt habe. Nach guten Gesprächen mit den Verantwortlichen des Clubs war mir schnell klar, dass ich gerne nach Berlin wechseln möchte", meinte der 33-Jährige.

Ruhnert hat sich mit dieser Personalie wohl vor allem Zeit verschafft, um auf dem derzeit nicht wirklich anspringenden Torhütermarkt in Ruhe weiter sondieren zu können.