Angel Trinidad: Berlin Volleys gegen Friedrichshafen ist wie Real gegen Barca

Der neue Zuspieler und Kapitän des deutschen Meisters kommt aus Spanien. Er hat nicht nur ein Gespür für seine Teamkameraden, sondern auch für die Fotografie.

Kam aus Warschau zu den BR Volleys: Berlins neuer Zuspieler Angel Trinidad.
Kam aus Warschau zu den BR Volleys: Berlins neuer Zuspieler Angel Trinidad.imago/Vladimir Astapkovich

Angel Trinidad de Haro weiß, dass beim ersten Heimspiel am Sonntag jetzt alle auf ihn schauen. Auf ihn, den neuen Zuspieler, den Mann in der Schlüsselposition. Auf ihn, den neuen Kapitän des deutschen Meisters BR Volleys. Auf ihn, den Nachfolger von Sergej Grankin. So ist das auch schon beim ersten Turnier der Volleyball-Bundesligisten vor zwei Wochen gewesen, beim Bounce House Cup. Dort besiegten die BR Volleys im Finale den VfB Friedrichshafen. Dort revidierte so mancher seine Meinung, der gedacht hatte: Na, Berlin hat ja gehörig an Qualität verloren.

Trinidad, 29, sagt, er achte nicht auf all die Diskussionen um die Qualität der BR Volleys 2.0. „Ich mache einfach meine Arbeit.“ Seine Erfahrung sei es ohnehin, dass die Menschen das glauben, was sie glauben wollen. Am Ende des Bounce House Cups bekam Kapitän Trinidad die gelaserte Holztrophäe für den Turniersieg überreicht. Offenbar hatte er Marek Sotola zudem so brauchbar angespielt, dass der Diagonalangreifer als wertvollster Spieler ausgezeichnet wurde.

Trinidad sorgt gerne dafür, dass andere sich wohlfühlen

Und so ist das Foto von Trinidad mit der Trophäe vielleicht die beste Antwort auf die Frage, ob Grankins goldene Hände, die er – auch wegen der aktuellen politischen Situation – nun nicht mehr für die Berliner, sondern für Fakel Nowy Urengoi in der russischen Superliga einsetzt, überhaupt irgendwie zu ersetzen seien.

Volleys-Manager Niroomand war froh, nach Grankins später Entscheidung, Berlin zu verlassen, einen Spieler von Trinidads Format holen zu können, der nicht nur über Erfahrung in der spanischen, belgischen, französischen und polnischen Liga verfügt, sondern auch von seiner Saison 2014/15 in Bühl die Bundesliga kennt. „Er kann schnell spielen, bringt einen guten Aufschlag mit und ist stark im Block“, urteilt Trainer Cedric Enard. Dass der Kapitän des spanischen Nationalteams in Berlin Führungsaufgaben übernehmen will, habe er in der Vorbereitung schnell gezeigt, sagt Niroomand: „Er kann analysieren. Er weiß, wo man ansetzen muss.“

In seinem Auftreten, vielleicht auch seiner Spielweise, erinnert Trinidad ein bisschen an den früheren Volleys-Zuspieler Kawika Shoji. „Ich bin sehr extrovertiert, ich beschäftige mich gerne mit Menschen, knüpfe Beziehungen. Mir gefällt es, wenn ich dafür sorgen kann, dass sich andere wohlfühlen“, sagt der 1,95-Meter-Mann.

Sport nahm in seiner Welt von Anfang an eine große Rolle ein. Mit seinen Brüdern spielte er in Südspanien Tennis, Basketball, Volleyball. Sein älterer Bruder ist als Athletiktrainer mit dem Tennisprofi Alejandro Davidovich auf der ATP-Tour unterwegs. Sein jüngerer Bruder, erzählt Angel, sei Koch in einem der besten spanischen Hotels: „Bei ihm zu sein, ist immer gefährlich, man legt schnell zu.“

Eine Geschichte von Liebe und Hass

Trinidad, der an der Fernuniversität von La Rioja, Rechnungswesen und Finanzen studiert, liebt nicht nur gutes Essen und Popcorn zu Kinofilmen, sondern auch die Fotografie. Auf seiner Instagram-Seite hat er kürzlich das Bild von Roger Federer und Rafael Nadal gepostet, das beim Abschied des Schweizers vom Tennissport um die Welt ging: zwei Sport-Ikonen Hand in Hand, mit Tränen in den Augen. „Es steckt harte Arbeit darin, zu den besten der Welt zu gehören. Rafa und Roger gehören zu den besten der Welt. Bei all den Interessen, die auf diesem Level involviert sind, so gute Freunde zu sein, wie diese beiden, ist außergewöhnlich“, findet Trinidad. „Für mich zeigt dieses Foto die Essenz des Sports.“

Die Passion des Volleyballers schließt auch den Motorsport ein. Formel 1, Moto GP, kürzlich produzierte er einen Vlog vom ADAC GT Masters auf dem Lausitzring. In Berlin war er viel mit der Kamera unterwegs. Aber jetzt, sagt Trinidad, gelte sein Fokus der Volleyball-Saison. Das Duell am Sonntag zwischen den BR Volleys und Friedrichshafen (16 Uhr, twitch.tv/spontent) sei vergleichbar mit einer Partie zwischen Real und Barca, findet er. „Seit so vielen Jahren wird der Titel immer zwischen diesen Teams ausgespielt. Es ist eine große Geschichte von Liebe und Hass. Wir sind zwar noch am Anfang der Saison, aber ich erwarte eine volle Max-Schmeling-Halle. Es wird einen großen Kampf geben“, sagt Trinidad. „Er wird uns helfen, als Team zu wachsen.“