Angelique Kerber hatte vor allem im ersten Satz keine Chance.
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New YorkAngelique Kerber warf sich mit finsterem Blick ihre Schlägertasche über die Schulter und stapfte dann bitter enttäuscht aus dem Louis-Armstrong-Stadion. Der Traum vom Überraschungscoup bei den US Open ist vorbei, im Achtelfinale war für die dreimalige Majorsiegerin Endstation. Kerber unterlag der furios auftrumpfenden US-Amerikanerin Jennifer Brady (25) in 1:28 Stunden mit 1:6, 4:6 und verpasste erstmals seit ihrem Wimbledonsieg 2018 das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

„Angie konnte von Anfang an nicht dagegenhalten“, sagte Barbara Rittner, Head of Women's Tennis im Deutschen Tennis Bund (DTB), bei Eurosport: „Ihre paar Chancen konnte sie nicht nutzen, weil Brady wirklich immer entschlossen aufs Gas gegangen ist und das Spiel eigentlich bis zum Ende kontrolliert hat.“ Brady lobte, Kerber sei „eine tolle Spielerin und man muss so sehr gegen sie kämpfen“.

Kerber hatte anfangs Probleme mit ihrem Service

Kerber, die als letzte Deutsche im Dameneinzel von New York ausschied, hatte sich mit ihren vorangegangenen drei Matches in Flushing Meadows durchaus in den Kreis der Mitfavoritinnen gespielt. Die deutsche Nummer eins, Turniersiegerin von 2016, hatte nacheinander Alja Tomljanovic (Australien), Anna-Lena Friedsam (Neuwied) und Ann Li (USA) überzeugend ausgeschaltet. „Es ist immer noch ein langer Weg. Ich bin ihn zwar schon mal gegangen, aber es ist immer noch eine große Herausforderung“, sagte Kerber vor ihrem Achtelfinale.

Gegen die formstarke Brady spürte sie sofort, dass sie eine ganz harte Nuss knacken muss. Ihre Gegnerin war von ihrem deutschen Trainer Michael Geserer minutiös auf die Partie vorbereitet worden und legte beeindruckend los. Kerber sah sich stark in die Defensive gedrängt und fand zunächst keine Antwort auf die knallharten Aufschläge und die peitschende Vorhand der US-Amerikanerin.

Nach einer Viertelstunde Spielzeit stand es aus Sicht der früheren Weltranglistenersten bereits 1:4. Ihr Coach Torben Beltz versuchte seine Athletin von der Tribüne aus aufzumuntern, rief „Angie go!“. Doch schon nach 22 Minuten war der erste Satz verloren.

Kerber, an Nummer 17 gesetzt, hatte Probleme mit ihrem Service und geriet auch im zweiten Durchgang direkt ins Hintertreffen, schaffte dann aber ein Break zum 1:1. Ein Hoffnungsschimmer? Zunächst nur kurz. Brady nahm Kerber ihr darauffolgendes Aufschlagspiel zu Null ab und erhöhte damit enorm den Druck.

„Sie hat schon oft genug solche Matches in ihrer Karriere gedreht“, kommentierte Rittner. Aber es deutete kaum etwas auf eine Wende hin, zu stark und fehlerfrei trumpfte Brady auf. Kerber kämpfte und erhielt beim Stand von 2:3 noch einmal die Chance zur Neujustierung, denn ihre Gegnerin musste sich am Oberschenkel behandeln lassen.

Kerber kämpfte leidenschaftlich um jeden Punkt und hatte auch noch Breakchancen. Doch die US-Amerikanerin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und sicherte sich verdient den Einzug ins Viertelfinale.