Urs Fischer will auch bei der aktuellen Hitze trockene Füße bewahren.
Foto: Matthias Koch

BerlinBeim Gang in die Halbzeitpause gingen im Cottbuser Stadion der Freundschaft die Rasensprenger an. Manche Spieler des Viertligisten Energie Cottbus und des Bundesligisten 1. FC Union nahmen die Abkühlung angesichts der brütenden Hitze beim Testspiel dankbar an, das die Hauptstädter standesgemäß mit 3:1 gewannen. Union-Trainer Urs Fischer wollte aber nicht nass werden. Der Schweizer lief extra ein Stück zurück, um die im Boden verankerte Wasserquelle trockenen Fußes überqueren zu können.

In diesem Moment schien es so, als ob der Erfolgscoach übers Wasser laufen könne. Mancher Beobachter erwartet ähnliche Fähigkeiten von Fischer im Umgang mit Stürmer Max Kruse. Unions neuer Frontmann fehlte in Cottbus bei den Toren von Neven Subotic (26.), Berkan Taz (59.) und Mittelfeldmann Marius Bülter (77./Foulelfmeter) sowie dem Energie-Ehrentreffer durch Marcel Hoppe (86.). Aber der aktuell noch eine Sprunggelenksverletzung auskurierende ehemalige Nationalspieler war dennoch großes Gesprächsthema. Auch viele der 523 Zuschauer, die ihre erste Begegnung seit März sahen, diskutierten Unions spektakulärste Verpflichtung.

Fischer freut sich auf Kruses Talent

Fischer tat so, als ob auf ihn im Fall Kruse keine besondere Aufgabe zukäme. „Ich verstehe die Frage nicht. Am Schluss geht es um Fußball. Max will wie ich Spiele gewinnen. Dass Max polarisiert, mag so sein. Für mich ist entscheidend, was er für die Mannschaft macht“, meinte Fischer. „Es ist ein Spieler, der vorneweg geht und Verantwortung übernimmt. Ich möchte noch dazu sagen: Ich gehe angeln, er geht zwischendurch mal pokern. Was ist da der Unterschied?“

Auf den ersten Blick darf man Fischer beipflichten. „Catch and release“ (fangen und freilassen) heißt das vorgeschriebene Motto beim Fliegenfischen, das Fischer und sein Assistenztrainer Markus Hoffmann in den Sommerferien praktizierten. Gewinnen und verlieren, das funktioniert auch beim Pokern. Allerdings ist es gerade bei einem eher verschlossenen Verein wie Union gewöhnungsbedürftig, wenn sich ein Profi regelmäßig in den sozialen Netzwerken beim Pokern zeigt. Am Sonnabend tat dies Kruse erstmals nach seiner Unterschrift bei den Eisernen auf Instagram.

Der Angler Fischer verteidigte das extrovertierte Pokerface Kruse, bevor der überhaupt einmal das neue Trikot bei einem Spiel übergezogen hat. „Das, was er verkörpert und im Fußball zeigt, kommt mir zu kurz. Es geht immer um irgendwelche Geschichten. Aber man kann ja auch mal die Dinge hervorheben, die er wirklich gut macht“, erklärte Fischer. „Und da hat er einige davon – und auf die freue ich mich. Und Urs Fischer kann auch mit solchen Spielern umgehen.“

Fischer lobte Sportchef Oliver Ruhnert für dessen Hartnäckigkeit im Ringen um Kruse. Der trainierte am Sonnabend individuell in Berlin. Welches Pensum Kruse in der kommenden Woche absolvieren kann, sei noch offen. Hinsichtlich der Spielgenehmigung für Kruse zeigte sich Ruhnert trotz des Rechtsstreits des Spielers mit seinem alten Arbeitgeber Fenerbahce Istanbul zuversichtlich.

Offen scheint dagegen weiter der Verbleib von Torjäger Sebastian Andersson, der ebenfalls in Cottbus fehlte. Hinter den Kulissen scheint sich Union zu wappnen, falls der begehrte Schwede noch weggekauft wird. Für diesen Fall soll der Karlsruher Stoßstürmer Philipp Hofmann auf der Einkaufsliste stehen.