Marko Briesemeister in Verl beim Pokal – sein Spiel Nr.24 mit Union in dieser Saison.
Foto: Matthias Koch

Berlin - Marko Briesemeister ist wütend. Sein 1. FC Union sollte eigentlich an diesem Sonnabend gegen den großen FC Bayern spielen. Doch daraus wird nun nichts. Worüber er nicht mal groß böse ist. Doch dazu später mehr.

1985 sah er erstmals seine Eisernen, ein 3:2 im Heimspiel gegen Hansa Rostock. Von da an hatte er sein Herz verloren. Sein Spitzname leitet sich von damals ab: Anno85. Den vererbte er sogar seinem Filius: Marco jr., der folgerichtig Anno jr gerufen wird. Als Marko kennt den Senior kaum einer in der rot-weißen Szene, in der er mit dem Fanclub „Die Eisernen“ via Facebook auch mal einen Liveticker von schlecht besuchten Freundschaftsspielen macht oder mit der Fußballtruppe seines Fanclubs in der Fanliga mitmischt.  Durch dick und dünn folgte der gelernte Einzelhandelskaufmann Union. Auch in der Oberliga.

Am liebsten wäre Briesemeister  am Sonnabend über den Zaun geklettert, um beim Geisterspiel gegen die Bayern dabei zu sein. Jetzt würde dem 48-Jährigen selbst das nichts nutzen. Die Bundesliga wird ab sofort ausgesetzt.  

29 Spiele in Folge sah Anno die Eisernen

Für Briesemeister platzt damit ein Traum. In den hat er viel Zeit, Mühe und Geld gesteckt. Der Traum vom clean sheet, einer weißen Weste, der Traum alle Saisonspiele besucht zu haben. Ein Plan, der geboren wurde Ende Mai 2019, als die Eisernen sich in der Relegation gegen den VfB Stuttgart durchsetzten und für Union das gelobte Land namens Bundesliga Wirklichkeit wurde.

Das schafft Anno85 nun nicht mehr. Er hat 29 Pflichtspiele bisher besucht, 38 hätten es am Ende sein sollen. Alles andere als ein leichtes Unterfangen. „Ich hab ja keine Auswärtsdauerkarte. Aber irgendwie bin ich immer an Tickets gekommen“, sagt Briesemeister.

Nun bricht die Serie. Zumindest ist sie unterbrochen. Offen, ob jetzt alles nochma wieder ins Lot kommt. „Wer weiß, ob so eine Chance wiederkommt“, grummelt der 48-Jährige bei allem Verständnis für die Gefahren, die diese Pandemie mit sich bringt, und für die Maßnahmen, die daraus resultieren.

Vom Geld will er gar nicht großartig anfangen, das er in sein Unterfangen gesteckt hat. „Ich glaube, ich habe bislang rund 1 300 Euro ausgegeben. Ich versuche ja immer, so günstig wie möglich zu den Spielen und zurück zu kommen“, meint Briesemeister, der bis vor kurzem als Security-Mitarbeiter tätig war und ab April beim Technischen Jugendverein als Bundesfreiwilliger anfangen und mit Jugendlichen arbeiten will.

„Ich hatte meinem Arbeitgeber sogar mit Kündigung gedroht, wenn ich zu den Union-Spielen nicht frei bekomme“, berichtet der altgediente Fan über manche Widrigkeiten bei seinem großen Vorhaben. Der Arbeitgeber spielte irgendwie mit.

Kleines Budget, große Pläne

Seltsamerweise waren es ganz andere Probleme, die sich ihm in den Weg stellten. „Beim Pokalspiel in Verl wusste ich gar nicht, wie ich da zurückkommen soll. Da fuhr ja keine Bahn. Und viele Unionfans durften da auch nicht hin, weil das Stadion so klein war“, erinnert sich Anno. Am Ende musste eine Übernachtung in Gütersloh herhalten. Tat dem schmalen Budget auch nicht sonderlich gut. Aber hey, Fan muss auch mal Opfer bringen. Der Scheck heiligt die Mittel, sozusagen.

Bahn, Bus, Mitfahrgelegenheiten – Marko Briesemeister nahm alles mit. Außer Trampen. Die DFL mit ihren zerstückelten Ansetzungen machten es ihm als Fan ja auch nicht einfach irgendwelche Pläne ins Auge zu fassen. Improvisation war alles. Er meisterte das. Mit Bravour. Doch dann kam Corona.