Es tat sich Ungewöhnliches am Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestags. Und es blieb weithin unbemerkt. Letzteres dürfen die Abgeordneten des Gremiums ruhig ihrem Frust-Entschluss ankreiden, nach bösen Schlagzeilen über dämmernde und daddelnde Ausschussmitglieder nicht mehr öffentlich zu tagen. So verkündeten einige Medien nun lediglich, der Antrag der Grünen, der klammen Nationalen Antidoping-Agentur durch die Umleitung von fünf Prozent des Bundeszuschusses für zentrale Sport-Maßnahmen zu helfen, sei aufgeschoben worden.

Das stimmt, war aber nicht des Pudels Kern. CDU-Vertreter und Bundesinnenministerium signalisierten ihre Bereitschaft, im Etat-Entwurf die Million, die der Nada fehlt, um 2013 wenigstens ihr jetziges Dopingtest-Regiment aufrechterhalten zu können, aus dem Sporthaushalt abzuzweigen. Das kommt nach monatelangem Mauern einer Revolution gleich. Auch anderweitig konnten zur Wahrung der Nada-Geschäfte ein paar neue Quellen angezapft werden. Dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern etwa ist die Retterpose ( anschnallen!) 7500 Euro wert. So viel guter Wille auf einmal bedeutet, die gerade für tot erklärte Bonner Stiftung kann im nächsten Jahr so weiterwerkeln wie bisher. Also mehr schlecht als recht.

Die Not-Operation, die sich ankündigt, dient vor allem dem Zweck, den von den Grünen angestrebten Richtungswechsel zu torpedieren. Deren Antrag zielt auf einen verlässlich staatlich finanzierten und damit nachhaltigen Antidoping-Kampf. Doch den wollen weder die Regierenden noch die Bosse des deutschen Sports. Warum? Weil die vergangenen Jahre gezeigt haben, dass die Wirtschaft nicht willens ist, ausreichende Mittel bereitzustellen. Und das macht die Nada, die sich als Stiftung konstituierte, um unabhängig zu sein, zur zahnlosen Bittstellerin. Für die Manager des deutschen Sports und ihre treuen Gefährten in der Bundespolitik ist das schlicht eine Traumkonstellation.