BerlinDer Knock-out für Kubrat Pulev kam in Runde neun: eine Serie von Aufwärtshaken, ein Taumeln, ein Sinken. Der bulgarische Schwergewichtsboxer wurde angezählt, er stand noch mal auf, fing sich aber, kaum dass er Weltmeister Anthony Joshua wieder gegenüberstand, sofort eine wuchtige Rechte ein und landete in der Londoner Wembley-Arena erneut am Boden. Das wars. Der Ringrichter kreuzte die Arme, winkte ab. Joshua hob da schon die Fäuste, die in weißen Boxhandschuhen steckten und verbeugte sich vor den 1000 Zuschauern in der Halle. Der 31 Jahre alte Brite kann seine vier Weltmeister-Gürtel der Verbände WBO, IBF, WBA und IBO behalten. Nach dem verlorenen WM-Duell gegen Wladimir Klitschko 2014 verpasste Pulev dagegen auch seine zweite Titelchance.

Sein Trainer Ulli Wegner, der nicht in London in der Ecke stand, sondern daheim in Berlin vor dem Fernseher saß, sah einen spannenden, teilweise spektakulären Kampf. „Er hat taktisch hervorragend angefangen. Auf die Aufwärtshaken hatten wir uns vorbereitet. Ich war erstaunt, dass er die nicht abdecken konnte. Aber er hat seine Persönlichkeit herausgestellt und sich in einer schwierigen Situation gut verkauft“, sagte Wegner am Sonntag.

„Ich liebe Herausforderungen, egal wie schwierig sie sind. So bin ich. Vielen Dank für die Unterstützung aller, die den Sieg wollten und daran geglaubt haben“, schrieb Pulev nach der Niederlage im sozialen Netzwerk.

Schon in Runde drei wurde er von Joshuas Aufwärtshaken hart getroffen und zweimal angezählt. Doch wo andere längst im Krankenhaus gelandet wären, stand der 39-Jährige wieder auf und grinste Joshua herausfordernd an. Der ließ sich tatsächlich aus dem Konzept bringen. Runde sechs übernahm Pulev, brachte den Briten mit Links-rechts-Kombinationen in Bedrängnis. Der fing sich aber – und schickte Pulev final zu Boden.

Tyson Fury schickt Ansage im Weihnachtspulli

Für Joshua soll 2021 nun der Kampf gegen seinen populären Landsmann Tyson Fury steigen, der den noch fehlenden WM-Titel der WBC hält. Die Aussicht auf dieses Duell elektrisiert die Briten. Joshuas Promoter Eddie Hearn standen am Sonnabend die Pfund-Sterling-Zeichen in den Augen, als er ankündigte: „Ab morgen nehmen wir den Kampf gegen Tyson Fury in Angriff. Es ist der größte Kampf in der britischen Boxgeschichte.“ Und Fury, der vertraglich vorher eigentlich an einen dritten Kampf mit Deontay Wilder gebunden ist, meldete sich sofort: „Ich will den Kampf, ich will ihn als Nächstes. Ich werde ihn in den ersten drei Runden ausknocken“, blökte er Joshua im Weihnachtspulli per Videobotschaft aus seinem Wohnzimmer entgegen.

Wie es mit Pulevs Karriere weitergeht? „Ich lasse ihn jetzt erst mal in Ruhe. Dann setzen wir uns zusammen und überlegen“, meint Ulli Wegner. An Ideen abseits des Boxrings mangelt es Pulev jedenfalls nicht. Der Boxer aus Sofia liebt Berlin. Er hat Kontakte hier, Freunde, Bekannte. Lange Zeit zierte sein Porträt die Fassade des Hotels Kubrat in der Friedrichstraße. Das, sagte Pulev vor seinem Kampf, würde er gern pachten, renovieren und künftig als Fünf-Sterne-Hotel etablieren.