Berlin - Manchester United begrüßte seine Fans mit einem Bild des jubelnden Cristiano Ronaldo im Trikot der Red Devils. Atlético Madrid führte die Erfolge seines Last-minute-Rückkehrers Antoine Griezmann auf. Der FC Barcelona zeigte ein Bild der Niederländer Memphis Depay und Luuk de Jong. Und Real Madrid? Verwies auf die, die nicht da sind. Die Collage auf der Homepage zeigte eine Reihe von Real-Profis, die aktuell bei ihren Nationalteams weilen. Kylian Mbappé zeigte sie nicht.

Vermutlich nur allzu gerne hätten die Königlichen ihren Anhängern auch das Foto eines neuen Superstars präsentiert. Doch der kam nicht. Stattdessen blieb der 22-Jährige in Frankreich. Wo künftig auch der deutsche Ex-Weltmeister Jérôme Boateng, der bei Olympique Lyon unterschrieben hat, auflaufen wird.

Griezmann auf Leihbasis vom FC Barcelona zu Atlético

Die Twitter-Kanäle der europäischen Topvereine lieferten am Mittwoch ein Stück weit ein Abbild dessen, wer sich am Ende dieses wilden Fußball-Transfersommers als Gewinner und Verlierer fühlen dürfte. Der Wechsel von Griezmann, der zunächst für ein Jahr auf Leihbasis vom FC Barcelona zum spanischen Meister Atlético zurückgeht, war der spektakuläre Schlusspunkt dieser Wechselperiode, die am Dienstagabend endete. Zumindest in den großen Ligen. Und für die Spieler, die zuletzt nicht vereinslos waren. Ex-Bayern-Star Franck Ribery oder der 34-malige englische Nationalspieler Jack Wilshere etwa gehören zu den Profis, die noch neue Klubs suchen.

Mbappé bleibt erst mal bei seinem alten Verein. Vom „Nicht-Transfer des Jahrhunderts“ schrieb die französische Sportzeitung L’Équipe am Mittwoch, „Der Verrat an Mbappé“ kommentierte die spanische Marca. Von rund 200 Millionen Euro ist die Rede, die Real bereit gewesen sein soll, als Ablöse für Frankreichs Topstar an Paris Saint-Germain zu zahlen. Doch PSG ließ das Offensiv-Ass ein Jahr vor Vertragsende nicht ziehen. Mbappé, der selbst wiederum das Angebot seines Klubs über eine Vertragsverlängerung abgelehnt haben soll, ist schon lange Wunschspieler der Madrilenen – und Real dem Vernehmen nach auch sein großes Ziel. Noch steht PSG der vermeintlichen Traumehe aber im Weg.

Neben Real und Mbappé gab’s diesen Sommer auch für Barça wenig zu jubeln. Nach dem sechsmaligen Weltfußballer Lionel Messi, der den hoch verschuldeten Klub nach 21 Jahren Richtung Paris verließ, ist nun also auch Griezmann weg. Er sei „traurig darüber, dass ich euch nicht länger genießen konnte, aber stolz, einer von euch gewesen zu sein“, schrieb der französische Weltmeister den Fans zum Abschied.

Der aus Lyon gekommene Depay, der kurz vor Schluss aus Sevilla ausgeliehene Ex-Gladbacher de Jong und der von Manchester City geholte Sergio Agüero sind nun die neuen offensiven Hoffnungsträger der Katalanen. Klingt nach weniger Spektakel als in den vergangenen Jahren. Ob das Trio die prominenten Abgänge des Champions-League-Vorrundengegners der Bayern kompensieren kann? Fraglich. Und eher unwahrscheinlich.

Auch die italienische Serie A verlor große Attraktionen – zwei davon an die englische Premier League. Der belgische Stürmerstar Romelu Lukaku wechselte für satte 115 Millionen Euro von Inter Mailand zum FC Chelsea. Ronaldo kehrte für vergleichsweise schmale 15 Millionen von Juventus Turin nach Manchester zurück. Der Portugiese betonte seine „niemals endende Liebe“ für United, wo er einst durchstartete. Er dürfte dort aber auch ein üppiges Gehalt beziehen.

Englische Klubs investieren erneut viel Geld in Transfers

Auf der Insel wird trotz Corona-Krise also weiter geklotzt. Ein weiteres Beispiel dafür ist der 118 Millionen Euro schwere Wechsel des englischen Nationalspielers Jack Grealish von Aston Villa zu Uniteds Stadtrivale Manchester City. Zumindest die großen englischen Klubs scheint die Pandemie mit Blick auf ihre Transferpolitik kaum zu kratzen. Die dicken TV-Verträge machen es möglich.

In Deutschland, wo deutlich weniger Fernsehgelder fließen, waren die Einkäufe von Dayot Upamecano (für 42,5 Millionen von Leipzig zu Bayern) und Donyell Malen (für 30 Millionen von Eindhoven nach Dortmund) die teuersten des Sommers. Erling Haaland war wochenlang Objekt wildester Spekulationen, blieb aber beim BVB. Mindestens mal bis Januar darf sich die Bundesliga also weiter am norwegischen Sturm-Ass erfreuen – und somit auch ein bisschen als Gewinner fühlen.