Verzweifelt und mutlos: Antoine Griezmann verschießt am Sonnabend gegen Schweden einen Elfmeter.
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BerlinLionel Messi ist auch dabei an diesem Dienstag beim Spiel der Franzosen gegen Kroatien in der Nations League. Der 33-Jährige steht nicht auf dem Platz, er ist schließlich Argentinier, eine große Rolle aber könnte er trotzdem spielen. Für Antoine Griezmann, in dessen Gedanken. Beim 1:0-Sieg am Sonnabend gegen Schweden war der 29-Jährige jedenfalls ein Schatten seiner selbst.

Die Partie an diesem Dienstagabend ist eine Neuauflage des WM-Finales von 2018, das ohne Kylian Mbappé stattfinden wird, der positiv auf Covid-19 getestet wurde. Damals in Moskau erzielte Griezmann per Elfmeter das 2:1, das den Weg bereitete zum 4:2-Sieg und zum Titel. Es war einer von drei Strafstößen, die der Stürmer bei dem Turnier verwandelte; mit vier Treffern insgesamt belegte er am Ende Platz vier der Torjägerliste. Griezmann liebt Strafstöße, normalerweise.

Der Antoine Griezmann dieser Tage wirkt gehemmt, mutlos. Gegen Schweden verschoss er einen Elfmeter, donnerte den Ball in der Nachspielzeit über das Tor. Seine Misere könnte mit Messi zu tun haben. Beide stehen beim FC Barcelona unter Vertrag. Messi bleibt nach einigem Hin und Her um einen vorzeitigen Wechsel nun doch bis zum Ablauf des Vertrags im Sommer. Griezmann droht deshalb der vorzeitige Verkauf. Denn offenbar muss der neue Trainer Ronald Koeman den Kader ausdünnen, damit die Katalanen die finanziellen Forderungen ihres argentinischen Stars erfüllen können. So mutmaßen vor allem englische Zeitungen. Den Berichten zufolge will Koeman außerdem den vom FC Bayern zurückkehrenden Philippe Coutinho behalten. Da bleibt kaum Platz für Griezmann.

Die Daily Mail berichtet dann auch, Topklubs der englischen Premier League seien bereit, dem Franzosen eine Perspektive zu bieten. Trainer Jürgen Klopp und dessen FC Liverpool sind demnach interessiert, aber auch Manchester United und der FC Arsenal. Ein anderes Gerücht besagt, dass Griezmann seinen bis 2024 laufenden Vertrag zunächst erfüllt, allerdings auf einer anderen Position eingesetzt wird.

Die französische Presse sorgt sich angesichts der Unruhe um Griezmann und dessen Auftreten in der Auswahl. Der ehemalige Nationalspieler und Nationaltrainer Alain Giresse etwa wird nach dem Auftakt gegen Schweden mit den Worten zitiert: „In diesem Spiel war er nicht der Griezmann, den wir kennen.“ Er habe „einen Jungen“ beobachtet, „der ein bisschen traumatisiert ist durch die Situation in Barcelona“.

Torwart Hugo Lloris äußerte sich ebenfalls öffentlich über den angeschlagenen Kollegen. „Ich möchte nicht sagen, dass er in Schwierigkeiten steckt“, sagte 33-Jährige. „Er hat gearbeitet, sich in den Dienst der Mannschaft gestellt.“ Das Problem sei, dass Griezmann im Verein nicht die Gelegenheit habe, Tore zu schießen.

Im vergangenen Jahr wurde der Stürmer von Atletico Madrid für 120 Millionen Euro zum FC Barcelona transferiert. 15 Tore erzielte er hier in 48 Pflichtspielen. Erwartet haben die Katalanen eine deutlich bessere Trefferquote.

Olivier Giroud ist ein höflicher Mensch und deshalb sehr zuversichtlich, dass es aufwärts geht mit dem Mann aus Macon. Der Offensivspieler vom FC Chelsea sagte im französischen Fernsehen: „Es gibt derartige etwas schwierigere Phasen bei Stürmern. Ich mache mir keine Sorgen um ihn. Er ist charakterstark genug, um wieder Elfmeter zu verwandeln.“  Und auch Nationaltrainer Didier Deschamps meint, es sei nicht nötig, den Schwächelnden aufzufangen. Der finde schon allein zurück zu alter Stärke.

Vielleicht schon jetzt im Duell mit Kroatien, in dem es umso mehr auf ihn ankommt, da Kylian Mbappé wegen eines positiven Corona-Befundes fehlt. In eben jener Neuauflage des WM-Finales 2018. Eines Spiels, in dem Antoine Griezmann einen wichtigen Elfmeter verwandelte.