Weimar - Kaum dass Thomas Weikert für die Fotografen posiert hatte, begann der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gleich in der Weimarhalle zu arbeiten. Sofort trommelte er sein frisch gewähltes Präsidium zusammen, erste Beratungen folgten. Als Leitfigur des schwer kriselnden DOSB hat Weikert beim Neuanfang keine Zeit zu verlieren.

„Wir wissen, dass wir schnell arbeiten müssen. Der Vorstand muss besetzt werden und Peking steht vor der Tür“, sagte Weikert am Sonnabend nach seiner Wahl auf der Mitgliederversammlung in Weimar. Der 60 Jahre alte Anwalt aus Limburg ist zunächst nur auf ein Jahr gewählt, bis zu den Olympischen Winterspielen in China (4. bis 20. Februar) sind es nur noch zwei Monate.

Affäre um Vorgänger Hörmann muss aufgearbeitet werden

Zunächst muss der frühere Tischtennis-Weltverbandschef die Vergangenheit aufarbeiten. Die Affäre um Vorgänger Alfons Hörmann, der nach der Brief-Affäre nicht mehr zur Wahl angetreten und in Weimar wegen der Folgen einer Corona-Infektion nicht anwesend war, soll von einem noch zu bestimmenden Juristen extern aufgeklärt werden.

In seiner Vorstellungsrede unterstrich Weikert seinen Willen zur Einigung des Sports. „Der dunkle Anzug muss fälschlicherweise oft als Entfremdung der Sportfunktionäre von der Basis herhalten. Das will ich ändern“, sagte er. Wie ein Mannschaftskapitän, so Weikert, wolle er das neue DOSB-Team führen und bat: „Geben Sie mir und uns die Chance zu beweisen, dass wir oft Anzug tragen, aber immer Trikot denken.“

Einladung von IOC-Chef Thomas Bach

Die 361 von 417 gültigen Stimmen, mit denen sich Weikert gegen die Präsidentin des Fecht-Verbandes Claudia Bokel (56 Stimmen) durchsetzte, sind klares Zeugnis dessen. Teil des Restarts, gerade mit Blick auf eine von Weikert angepeilte Olympiabewerbung Deutschlands, wird auch die Verbesserung der belasteten Beziehung zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sein müssen. Dessen Präsident Thomas Bach lud Weikert bereits via Twitter zu einer Präsidiumssitzung nach Lausanne ein.

Bei diesen Gesprächen dürfte es auch um Olympia-Ausrichter China gehen, der wegen Menschenrechtsverletzungen und dem Verschwinden der Tennisspielerin Peng Shuai schwer in der Kritik steht. Von einem Boykott hält Weikert wenig. Der DOSB werde sich, so Weikert, in Peking „im Rahmen unserer Möglichkeiten entsprechend positionieren.“ Weikert selbst, der China wegen seiner Vergangenheit im Tischtennis gut kennt, stellte aber auch klar: „Es hat sich nichts verbessert.“

Ein Zeichen des Aufbruchs versuchte die Mitgliederversammlung zu setzen. Die alten Präsidiumsmitglieder Gudrun Doll-Tepper, Petra Tzschoppe und Uschi Schmitz wurden bei der Präsidiumswahl abgestraft. Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte, die zwölfmalige Paralympics-Siegerin Verena Bentele, Kerstin Holze (Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderturn-Stiftung), Oliver Stegemann (Präsident des Sportakrobatik-Bundes) und der CSU-Politiker Stephan Mayer sind die neuen Vize-Präsidentinnen und Vize-Präsidenten.

Offen blieb jedoch die Frage, ob Mayer sein neues Ehrenamt antreten kann, die erste ordentliche Präsidiumssitzung am 16. Dezember findet ohne ihn statt. Der scheidende Staatssekretär im Bundesinnenministerium benötigt die Zustimmung der Bundesregierung, da für ihn eventuell eine Karenzregelung für ehemalige Regierungsmitglieder greifen könnte.

Schneller könnte es bei der Neubesetzung des Vorstandes gehen, insbesondere bei der Nachfolgeregelung der zum Jahresende scheidenden Vorstandsvorsitzenden Veronika Rücker.

Am Abend wies er Hörmanns Vorwürfe, seine Absetzung sei Folge einer Intrige gegen die gesamte DOSB-Führung gewesen, zurück. „Ich kann das nicht nachvollziehen und auch nicht verstehen. Ich denke, da hat Herr Hörmann ein wenig überzogen“, sagte Weikert.