BerlinHertha BSC und 1. FC Union müssen aufgrund der angespannten Corona-Situation künftig auf noch mehr Zuschauer verzichten. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Kreisen des Berliner Senats erfuhr, wird die Personenobergrenze für Freiluftveranstaltungen von 5000 auf nur noch maximal 500 Teilnehmer reduziert werden. Auch die Zahl der zugelassenen Personen bei Events in Hallen wird von 1000 auf nur noch 300 gesenkt – dies hätte Auswirkungen auf Bundesligisten wie die Füchse (Handball), die Volleys (Volleyball) oder Alba (Basketball). In Kraft tritt die neue Regelung voraussichtlich an diesem Sonnabend.

Fraglich bleibt, ob für die Fußball-Begegnungen im Olympiastadion und dem Stadion An der Alten Försterei künftig überhaupt noch Tickets verkauft werden. Bei einem derart kleinen Publikum dürfte sich der Aufwand für Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen kaum lohnen. In vielen anderen Fußballstadien waren die Zuschauerkontingente in den letzten Wochen schon drastisch reduziert worden, teilweise durften gar keine Anhänger mehr zu Begegnungen auf die Tribünen kommen.

Auch Geisterspiele sind eine Option

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) schloss ein ähnliches Vorgehen, Spiele ganz ohne Zuschauer durchzuführen, bei einer Pressekonferenz nicht aus. Der Senat habe ausgesprochen bedauert, „dass es nicht zu einer zuschauerfreien Situation gekommen ist bei dem letzten Bundesligaspiel in Berlin“. Damit spielte Kollatz auf die Situation vom vergangenen Sonnabend an, als beim Heimspiel des 1. FC Union gegen den SC Freiburg (1:1) in Berlin-Köpenick noch rund 4500 Fans dabei waren. Dies hatte in der Politik teils heftige Kritik hervorgerufen.

Geisterspiele könnten laut dem 63-Jährigen dabei helfen, dass sich das Virus in Berlin nicht noch weiter ausbreitet. Sportevents ohne Fans seien ein Mittel, „um nicht dazu beizutragen, dass an der Infektionsschraube weiter nach oben gedreht wird“.

Wie die Situation an diesem Sonntag (18.00 Uhr/Sky) für die Begegnung von Hertha gegen den VfL Wolfsburg genau aussieht, ist noch unklar. Am Montag hatte Hertha den Ticketvorverkauf vorübergehend ausgesetzt. Der Hauptstadtclub nannte bei Twitter die „aktuelle Pandemielage“ als Grund für die Maßnahme. „Wir stehen im Austausch mit dem Senat und halten euch auf dem Laufenden“, hieß es in dem Tweet.

Bei den Hallensportarten ist die Angst gewaltig: Die Geschäftsführer der Bundesligen im Handball und Basketball sowie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) haben mit eindringlichen Worten an die Politik vor weiteren coronabedingten Einschnitten für den Sport gewarnt. „Ein Zuschauerausschluss wäre das vollkommen falsche Signal“, sagte HBL-Boss Frank Bohmann und sprach von „gravierenden Auswirkungen für den gesamten Sport“.

„Man kann uns nicht mit dem Erstellen von Konzepten beauftragen, die dann greifen und einwandfrei funktionieren, um der Sache im nächsten Schritt – nur um ein politisches Zeichen zu setzen – den Riegel vorzuschieben“, führte Bohmann aus. „Das würde am Ziel, mit dem Virus in verantwortungsvoller Weise umzugehen und zu leben, komplett vorbeigehen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten beraten am Mittwoch über weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Der Sport fürchtet weitere Einschränkungen.

Für BBL-Chef Stefan Holz ist die „absolute Baseline, dass Spiele stattfinden können. Es wäre ein Desaster, wenn es wieder einen Lockdown geben würde.“ Wenn man den Spielbetrieb bis auf Weiteres einstelle, könne man den Laden zusperren.

Holz betonte, dass seine Liga zunächst mit einer Leitlinie von 20 Prozent der Zuschauerkapazität mit abgestuften Inzidenzfällen weiterarbeiten könne. Dies sei zwar „im Prinzip auf Dauer wirtschaftlich zu wenig“, man bleibe aber weiter demütig. Wichtig sei, dass es auch weiter eine „Ausnahmeformulierung“ gebe, damit mehr Zuschauer in die Arenen kommen können, sobald es die lokalen Situationen und die entsprechenden Hygienekonzepte zulassen.

Auch DEL-Boss Gernot Tripcke verwies auf die „geeigneten Hygienekonzepte“ im Profisport und warnte: „Wenn die Politik aber Zuschauer verbietet, entzieht sie dem Profisport die Basis zum Überleben.“ Nachdem der Saisonstart zweimal verschoben wurde, soll die neue Saison kurz vor Weihnachten beginnen. Als eine Art Generalprobe ist vom 11. November bis zum 12. Dezember ein Testturnier geplant, an dem auch die Eisbären Berlin teilnehmen wollen.

Handball-Fürsprecher Bohmann würde es nach „allen bisherigen Gesprächen sehr überraschen“, sollte es zu einem Sport-Lockdown kommen: „Da sollte man auch die Verhältnismäßigkeit im Auge behalten. Ich hoffe, dass sich die Politik an die Fakten hält und nicht auf Basis von Gefühlen und Symbolen entscheidet.“

Der Sport habe in den vergangenen Wochen eine „exzellente Arbeit“ gemacht. „Profisportveranstaltungen mit Fans tragen überhaupt nicht zu Corona-Neuinfektionen bei“, sagte Bohmann. Dies belegten die Zahlen. „Wir geben ein Musterbeispiel, wie man ein öffentliches Leben mit der Krankheit arrangieren kann.“ Sollte es einen kompletten Zuschauerausschluss geben, müsse der Handball „eine Diskussion darüber führen, ob wir den Spielbetrieb weiterführen können“.