Nach dem Weltliga-Spiel der deutschen Wasserballer am Mittwoch in Dresden ist Hagen Stamm in der Nacht zurück nach Berlin gefahren. Deutschland hatte Rekord-Olympiasieger Ungarn ins Fünfmeterwerfen gezwungen, wo die Mannschaft des Bundestrainers 16:17 verlor, aber immerhin einen Punkt erkämpfte. Das Spiel war gut, Stamm zufrieden, und als er auf der A 13 das Schild passierte, auf dem „Sportstadt Riesa“ stand, dachte er spontan: „Eigentlich müsste auf dem Spandauer Ortsschild ,Wasserballstadt Spandau’ stehen.“

In der Wasserballwelt ist Spandau ein Begriff. Niemand spricht dort von Berlin, wenn es um den deutschen Rekordmeister geht, der seit Jahren einen Großteil der Nationalspieler stellt.

Neben dem Kombibad in Spandau-Süd

Dabei spielen und trainieren die Wasserfreunde gar nicht in Spandau, sondern in der Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg am Sachsendamm. Das könnte sich ändern, zumal die Schöneberger Schwimmhalle Ende 2020 wegen Sanierungsarbeiten mindestens für vier Jahre geschlossen werden soll. Denn mittlerweile nehmen die Pläne für den Bau einer Wasserballarena neben dem Kombibad Spandau Süd an der Gatower Straße Form an. Erst recht, nachdem kürzlich Sport-Staatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD) auf die Anfrage des Spandauer CDU-Abgeordneten Peter Trapp bestätigte: „Der Senat plant auf dem Gelände des Kombibades Spandau-Süd die Errichtung einer Wasserballarena.“ Und: „Der Senat geht zum jetzigen Zeitpunkt von einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro aus.“

Für Kitas, Schulen und Vereine

Einer, der sein halbes Leben lang für eine Rückkehr der Spandauer Wasserballer in ihren Bezirk kämpft, ist Joachim Schensick, 82. Früher war er selber Wasserballer, Vizepräsident und Abteilungsleiter bei den Wasserfreunden, jetzt ist der Maschinenbauer Präsidiumsmitglied im Bezirkssportbund Spandau und sitzt im regionalen Beirat der Bäderbetriebe. „Spandau 04 gehört nach Spandau und nicht nach Mariendorf, Neukölln oder an die Landsberger Allee“, findet er,. „Als wir 1974 das Bad an der Gatower Straße eingeweiht haben, begann der Traum, da eine Wasserball-Halle zu bauen.“

Sollte der Traum Wirklichkeit werden, könnte der Maschinenpark des bestehenden Bades auch den Betrieb im Neubau übernehmen. Schensick hat mit den Architekten vom Planteam Ruhr an Vorentwürfen für die Wasserballarena gefeilt. Die Idee: Die 33,5 x 25 Meter große Wasserfläche mit Tribünen für 1 000 Zuschauer soll nicht nur Spandaus Wasserballern, sondern auch Kitas, Schulen und dem Vereinssport neue Möglichkeiten bieten. „In einem Monat könnte man 400 Schulklassen schwimmen lassen. Die Wartezeiten für Kinder, die schwimmen lernen wollen, könnte man von 2,5 Jahren auf sechs Wochen senken“, sagt Schensick.

Saleh bringt Siwana-Topf ins Spiel

Ähnlich argumentiert Trapp, der aus seiner Zeit im Sportausschuss weiß: „In Berlin reicht die Wasserfläche nicht aus für die wachsende Stadt. Wenn in der neuen Arena Schüler und Vereine trainieren, wird in anderen Bädern Platz für die Bürger und Bürgerinnen frei. Gleichzeitig bleibt die Wasserball-Bundesliga weiter in Berlin. Und wir können den Frauen-Wasserball mit einer eigenen, ständigen Spielstätte fördern. Die Spandauer haben ja seit kurzem auch ein Frauen-Bundesligateam.“

Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, hat für die Finanzierung des Projekts das Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (Siwana) ins Spiel gebracht. Im Februar sollen offenbar die Haushaltsexperten der Fraktionen über die Vergabe entscheiden. „Saleh ist Spandauer. Wenn er die Mittel bereitstellt, kann er sich eine kleine Krone aufsetzen“, meint Trapp. Der Landessportbund setzt sich für den Bau der Wasserballarena ein, der Berliner Schwimm-Verband, Spandaus Bezirksverordneten-Versammlung votierte einstimmig dafür.

Finanzierung ist noch nicht gesichert

Sport-Staatssekretär Dzembritzki war am vorigen nasskalten Donnerstag zusammen mit Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) und weiteren Experten bei einer Begehung des Baugrundstücks, das den Bäderbetrieben gehört. Sollte sich Berlin irgendwann noch mal um Olympische Spiele bewerben, kann eine Wasserballarena nicht schaden. Dennoch formuliert Dzembritzki vorsichtig: „Die Finanzierung dieser Maßnahme ist derzeit noch nicht gesichert. Inwieweit diese im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (Siwana) Berücksichtigung findet, bedarf der parlamentarischen Beratung.“ Einen Zeitplan für das Bauvorhaben gibt es daher noch nicht.

Hagen Stamm könnte sich in der neuen Arena internationale Turniere vorstellen, bei denen die bestehende Halle als Einspielbecken genutzt werden kann, dazu Tennis-Court-Atmosphäre mit Tribünen auf vier Seiten. Für die Vermarktung der Teams ist Lokalkolorit vorteilhaft, die Identifikation mit dem Bezirk groß. Aber er will sich noch nicht freuen, um nicht wieder enttäuscht zu werden. „Die Politik hat schon zweimal an den Gräben meiner verstorbenen Trainer Balen und Gaßmann die Wasserballarena versprochen. Balen ist 1986 gestorben“, sagt der Vereinspräsident,. „Dass die Arena kommt, glaube ich erst, wenn ich durch die Türe gehe und ins Wasser springe.“

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