Arne Friedrich in verantwortungsvoller Position neben Hertha-Boss Paul Keuter.
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Berlin-CharlottenburgManchmal nenne ich meine Frau unsere Familien-Managerin. Das soll ein Lob sein, denn sie kümmert sich um die großen und kleinen Dinge des täglichen Lebens. So ähnlich stelle ich mir die Aufgaben für den ehemaligen Profi Arne Friedrich vor, dem Jürgen Klinsmann, der neue Cheftrainer von Hertha BSC, einen ebenso neuen Posten verschaffte und diesen „Performance Manager“ nennt. Solch Titel gab es bislang in der Liga nicht und dieser Umstand sorgte deshalb für leichte Verwirrung. Nein, nein, sagte Klinsmann auf Nachfragen, er habe diese Bezeichnung nicht erfunden, die sei im amerikanischen Profisport, etwa beim Baseball oder Basketball, durchaus üblich. Arne Friedrich, 40, soll – so jedenfalls die ersten Überlegungen – ganz eng an der Mannschaft sein und ein Bindeglied zwischen Team, Trainer und Manager Michael Preetz bilden. Es gehe „um die Psychologie und Chemie innerhalb der Mannschaft“ (Klinsmann) und Arne soll auch „der Karriereplaner“ für die Spieler sein.

Hertha-Kenner

Michael Jahn begleitet seit mehr als zwei Jahrzehnten den Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Immer mittwochs gibt er in dieser Kolumne seine Expertise zu der Mannschaft, dem Klub und seinem Umfeld ab.

Arne Friedrich soll – so verstehe ich das jedenfalls – in die Mannschaft hineinhören, Stimmungen und Strömungen erkennen und dann an kleinen Stellschrauben drehen, die vielleicht einen Tick bessere Leistungen auf dem Rasen erbringen. Der ehemalige Abwehrspieler, sechs Jahre Kapitän von Hertha BSC, ist auch der Rekord-Nationalspieler des Klubs. 79 seiner insgesamt 82 Länderspiele, darunter 20 unter dem DFB-Teamchef Klinsmann, absolvierte er als Herthaner, drei als Vertreter des VfL Wolfsburg. Nach seiner Profikarriere suchte er vielfältige Herausforderungen, etwa als Nachwuchstrainer (deutsche U18), als TV-Experte in den USA und China oder als Head of Soccer bei der Agentur Jung von Matt.

Dass Klinsmann noch einen Fußball-Fachmann zwischen sich und dem Geschäftsführer Sport, Michael Preetz, einbaut, kommt nicht unbedingt überraschend. Preetz, 52, hat seit zehn Jahren das sportliche Sagen – ohne ein ernsthaftes Korrektiv. In den Gremien der Hertha, ob im Präsidium oder den beiden Aufsichtsräten der KGaA oder des Vereins (e.V.) sitzt mit dem ehemaligen Profi Andreas Schmidt nur ein Mann aus dem Fußball. Doch als Aufsichtsrat des Vereins ist Schmidt in einem Kontrollorgan ohne Einfluss auf das Tagesgeschäft. Andere ehemalige Profis hat Hertha nie ins Management eingebunden, dafür reichlich als Trainer im Nachwuchsbereich, was durchaus viele große Erfolge einbrachte.

Arne Friedrich aber reiht sich jetzt in die Riege noch recht junger ehemaliger Profis ein, die Management-Aufgaben übernehmen und in einem Alter sind, in dem sie die ganz junge Generation der Kicker vielleicht besser verstehen, als 50-oder 60-Jährige Verantwortungsträger. Hasan Salihamidzic (42/Sportdirektor FC Bayern), Sebastian Kehl (39/Leiter der Lizenzspieler-Abteilung bei Borussia Dortmund), Simon Rolfes (37/Sportdirektor Bayer Leverkusen), Sascha Riether (36/Koordinator Lizenzspieler-Abteilung Schalke 04) oder Marcel Schäfer (35/Sportdirektor VfL Wolfsburg) gehören zu den aufstrebenden Machern in der Liga. Ich kann mir gut vorstellen, dass Arne Friedrich irgendwann in eine Rolle schlüpfen kann, die Preetz einst als „Assistent der Geschäftsführung“ unter Dieter Hoeneß innehatte.

Aber auch mich hat der Klinsmann-Effekt erreicht. Meine Frau möchte nun lieber „Performance-Family-Managerin“ genannt werden. Wo soll das noch hinführen?