Arne Friedrich schaut als Performance Manager von Hertha BSC im Trainingslager genau hin.
Foto: City-Press/Jan-Philipp Burmann

OrlandoArne Friedrich sprüht vor Tatendrang. „Sollen wir loslegen?“, fragt Herthas neuer sogenannter Performance-Manager an Tag fünf des Trainingslagers in Florida, als er zu seinem ersten offiziellen Interview in neuer Funktion erscheint. Schließlich musste der 40-Jährige lange genug warten, um wieder im Hertha-Trainingsanzug auf dem Rasen zu stehen. Im Dunstkreis des Vereins hat er sich stets bewegt. Immer wieder wurde spekuliert, ob der ehemalige Nationalspieler und langjährige Hertha-Kapitän an seine Wirkungsstätte zurückkehrt. Dass er nun, sechs Jahre nach seinem Karriereende wieder Teil des Vereins ist, hat er dem neuen Cheftrainer Jürgen Klinsmann zu verdanken.

„Ich habe in den letzten Jahren aufgrund meines zweiten Wohnsitzes in Amerika sehr viel Kontakt mit Jürgen gehalten“, erzählt Friedrich. Oft hätten sie sich ausgetauscht, „über Fußball, aber auch über andere Dinge. Es ging dabei oft um das Thema Benchmarking. Dieser Begriff, Vergleichspunkte zu schaffen, hat uns beide sehr, sehr interessiert“, erklärt er und untermauert den fortlaufenden Eindruck, dass er dem als Visionär geltenden Klinsmann in nichts nachsteht.

Friedrich will mit Hertha hoch hinaus

„Ich bin sehr offen, was in anderen Ländern, anderen Mannschaften oder anderen Sportarten getan wird, um die maximale Leistung aus Spielern oder einer Organisation herauszuholen“, sagt Friedrich. Als „Bindeglied zwischen Management und Trainer“ beschreibt der ehemalige Rechtsverteidiger seine Aufgabe. Er stehe dem Trainerteam in allen Fragen zur Seite, habe sich auch bereits auf dem Platz eingebracht, „um das Vertikalspiel der Verteidiger zu verbessern“. Tatsächlich sieht man Friedrich seit Ende November bei fast jeder Einheit auf dem Platz, zumeist aber in beobachtender Rolle.

„Ich durchleuchte jeden, um Leistungspotenziale zu finden, die man fordern und fördern kann“, sagt er. Dafür bittet er derzeit jeden Tag ein bis zwei Spieler im Teamhotel zum Gespräch. „Wir haben alle Möglichkeiten, uns zu verbessern“, sagt Friedrich. Dabei habe er das große ganze im Blick: „Es geht darum, die gesamte Organisation zu verbessern.“

Anscheinend passt das zur aktuellen Hertha, schließlich denkt man beim derzeitigen Tabellenzwölften seit dem Einstieg von 224-Millionen-Euro-Investor Lars Windhorst in neuen Dimensionen, die Klinsmann gefühlt Woche für Woche nach oben schraubt. Friedrich hält Schritt und sagt: „Wir wollen uns größenwahnsinnige Ziele stecken.“ Dass einige das neue blau-weiße Projekt aufgrund solcher Aussagen skeptisch betrachten, störe ihn nicht. „Wir schauen nur auf uns. Wir wollen hoch hinaus“, erklärt er.

Training mit der US-Armee

Wie es sich für die vollmundig angekündigten Ziele gehört, werden seit Wochen zahlreiche Top-Spieler bei Hertha gehandelt. Bisher lockten die Blau-Weißen in der Winterpause 12-Millionen-Euro-Mann Santiago Ascacibar, 22, vom VfB Stuttgart in die Hauptstadt. Performance-Manager Friedrich war dabei auch involviert. „Ich lasse bei solchen Gesprächen Rat und Tat einfließen“, berichtet er. „Aber am Ende entscheiden in erster Linie Michael Preetz (Manager, d. Red.), Ingo Schiller (Finanz-Chef, d. Red.) und Jürgen.“

Ähnlich wie Klinsmann hat sich der 82-malige Nationalspieler seit seinem Karriereende bei MLS-Klub Chicago Fire mit vielen unterschiedlichen Leuten befasst, „Jürgen ist dabei eine sehr große Inspiration“, sagt Friedrich. Nach seinem Job als Assistenztrainer der deutschen U18-Nationalmannschaft arbeitete Friedrich mal als TV-Experte in den USA oder in China.   Zuvor hatte er auch ein Kochbuch herausgebracht, mit Rezepten wie „Chili con Kahn“ oder „Trappa-Thuni“, die nach alten Weggefährten benannt sind. Vor allem baute er sich aber ein großes Netzwerk auf. Davon soll nun Hertha   profitieren. „Ich bringe meine Erfahrungen ein, habe mir in L.A. einen großen Freundeskreis mit vielen ehemaligen und aktiven Weltklassesportlern aufgebaut.“

Jürgen Klinsmann ist eine sehr große Inspiration.

Arne Friedrich

Die Neugier und der Drang, neue Wege zu gehen, machen dabei auch nicht vor exotischeren Experimenten halt. So absolvierte Friedrich ein Unterwasser-Training bei einer Spezialeinheit der US-Army. Ein Freund habe geraten, mit einem Marine Raider zu sprechen, „weil der eine super Transition hinbekommen hat von seiner aktiven Karriere als Soldier hin zu einem neuen Business“, wie Friedrich sagt. „Ein Spiel heißt Underwater Torpedo League. Dabei geht es unter Wasser auf zwei Tore, fünf gegen fünf mit einem kleinen Torpedo“, erklärt er. „Da werden Ängste adressiert. Die Jungs sind knallhart. Davon können wir eine Menge lernen.“

Das Torpedo-Training könnte schon bald bei Hertha zum Einsatz kommen. Mit Klinsmanns neuem Fitness-Trainer Werner Leuthard hätte er darüber gesprochen. Dabei will Friedrich all seine Erfahrungen genauso wie Klinsmann   erst mal bis zum Sommer einbringen. Alles Weitere werde man sehen. „Ich stehe im Dienst von Hertha BSC und Jürgen Klinsmann und möchte in allen Bereichen helfen“, verkündet Friedrich.