Asien-Winterspiele in der Wüste von Saudi-Arabien sorgen für Kritik

Die Asien-Winterspiele 2029 wurden nach Saudi-Arabien vergeben. Das sorgt für teils heftige Kritik. Aus dem Sport und der Politik.

Biathlon am Rand des Roten Meeres: Die Vergabe der Asien-Winterspiele 2029 in die Wüste von Saudi-Arabien sorgt für Kritik.
Biathlon am Rand des Roten Meeres: Die Vergabe der Asien-Winterspiele 2029 in die Wüste von Saudi-Arabien sorgt für Kritik.dpa/Hendrik Schmidt

Slalom mit Sicht auf das Rote Meer? Biathlon in der Bergwüste? Markus Wasmeier versteht die Welt nicht mehr. „Es ist wirklich erschreckend. Man hat anscheinend nichts gelernt“, sagte die deutsche Ski-Legende.

Dass die Asien-Winterspiele 2029 nach Saudi-Arabien vergeben wurden, macht nicht nur Wasmeier fassungslos. Ex-Skirennläufer Felix Neureuther nannte die Pläne auf Anfrage einen „Wahnsinn“. Auch für Wasmeier ist es „einfach der Wahnsinn, wie man es schafft, so ein Thema noch als nachhaltig zu betrachten“, der zweimalige Olympiasieger bezeichnete es als „wirklich sehr skurril, was da abläuft“.

Das asiatische Olympia-Komitee (OCA) hatte das umstrittene Milliardenprojekt am Dienstag abgesegnet, am Mittwoch hagelte es internationale Kritik. Auch aus der deutschen Politik, die den Fakt, Winterspiele an einen Wüstenort zu vergeben, wahlweise als „absurd“ (Philipp Hartewig, FDP), „falsches Signal“ (Sabine Poschmann, SPD) oder „befremdlich“ (Stephan Mayer, CDU/CSU) brandmarkte.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wurde bei der OCA-Entscheidung weder „konsultiert“ noch war es „in den Entscheidungsprozess eingebunden“, wie ein Verbandssprecher am Mittwoch mitteilte. Johan Clarey, aktueller Vize-Olympiasieger im Abfahrtslauf, nannte die Vergabe „dramatisch für unseren Sport“. Und auch der Generalsekretär des Internationalen Ski- und Snowboardverbandes, Michel Vion, zeigte sich „überrascht“ von der OCA-Entscheidung.

Skifahren ist in der arabischen Welt nichts vollkommen Neues. Schon Ende 2021 verschob das Emirat Dubai die Grenzen des alpinen Skisports, in dem es in der Kühlkuppel eines riesigen Einkaufszentrums bei 30 Grad Celsius Außentemperatur Qualifikationsslaloms für die Olympischen Winterspiele in Peking veranstaltete.

Das Berggebiet Trojena nahe der sich derzeit in der Bauphase befindlichen Planstadt „Neom“, wo das Event 2029 stattfinden soll, liegt in einer Höhe von 1500 bis 2600 Metern. Im Winter fallen die Temperaturen zwar zeitweise auf den Gefrierpunkt, die Gegend ist allerdings staubtrocken. Wenngleich alle Schnee-Wettbewerbe auf Kunstschnee ausgetragen werden müssen, soll die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen.

Unionspolitiker Mayer sieht die Organisatoren vor „großen Herausforderungen, wenn sie Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten wirklich gerecht werden wollen“. Er kann sich „aktuell nicht vorstellen, dass die Veranstaltung diese Belange angemessen berücksichtigen kann“.

Saudi-Arabien hatte 2022 in Peking erstmals an Olympischen Winterspielen teilgenommen, der alpine Skiläufer Fayik Abdi war einziger Starter und wurde 44. im Riesenslalom. „Ich hatte mir nie vorgestellt, dass ich einmal in meinem Heimatland Ski fahren könnte“, sagte er am Dienstag. Nun dürfte seine Vision Realität werden.