Er sorgt für das perfekte Eis: Michael Grylewicz.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin - Winter, wie geht das eigentlich noch einmal? Bei eiskalter Luft den Atem vor der Nase zu spüren? Oder wenn der Frost am Hosenbein emporkriecht ... Stimmt, da war doch etwas. Und es stimmt genauso, dass einige Berliner trotzdem ihren Winter genießen, Plusgrade und Nieselregen hin oder her.

Auf dem künstlichen Eis ist es voll, in den Eislaufstadien der Stadt ziehen die Läufer in Massen ihre Kreise. Schon 95.000 Besucher zählte etwa das Erika-Heß-Stadion in Wedding seit Oktober, andere Stadien sind ebenso voll. Die Eismeister sorgen dafür, dass es doch irgendwie läuft mit dem Winter. Michael Grylewicz ist einer von ihnen.

Zwei Eisflächen auf 1 800 Quadratmetern in Wedding

Stündlich hat Grylewicz oder einer seiner Kollegen dafür seinen Einsatz. Dann klettert der 60-jährige Betriebsleiter des Weddinger Stadions auf die weiße „Zamboni“, eine nigelnagelneue Eismaschine, die es hier gibt, und steuert sie aus der Bande heraus auf die Eisfläche. Einmal säubern und polieren, das ist „die schnelle Pflege“, wie Grylewicz sagt, das Fünfzehn-Minuten-Programm. Insgesamt hat das Stadion an der Weddinger Müllerstraße zwei 1800 Quadratmeter große Eisflächen, eine drinnen, eine draußen. In der Halle fährt die neue elektrische Maschine, hier trainieren häufig Eiskunstlauf-Vereine, aber nicht nur. Gewöhnliche Läufer dürfen manchmal hinein.

Der Chef-Eismeister unterwegs mit der Zamboni-Maschine. Neupreis: rund 170 000 Euro.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Auf der Außenfläche dagegen absolvieren die Eismeister mit zwei Benziner-Zambonis die Pflegeprogramme. Nur alle paar Stunden ziehen die Maschinen draußen ihre Runden, das ist die permanent öffentliche Fläche, und sie soll nicht so oft gesperrt werden. Gleichzeitig ist gerade hier viel zu tun für die Maschinen, weil das Eis von Tausenden Kufen stark zerrieben wird. Oft brauche der Maschinist dann sogar zwei Durchgänge, erklärt der Eismeister Grylewicz: „Erst fahre ich die Fläche komplett ab und sauge den Abrieb ein.“ In der Runde zwei wird danach frisches Wasser gesprüht.

Alle haben das Spezialgebiet „Eis“ gelernt

Jeder Zamboni-Fahrer kann sich gegen Ende dieser Prozedur sicher sein, dass die Schlittschuhläufer scharrend an der Bande stehen und es kaum erwarten können, aufs perfekte Eis zu kommen. Wer gern auf Kufen unterwegs ist, weiß, wie reizvoll das ist – wenn die Fläche vor einem fast noch etwas nass glänzt. Wenn alles besonders geschmeidig und wie von allein läuft.

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Also: Danke, Herr Eismeister. Und auch: Frau Eismeisterin. Eine Kollegin hat Grylewicz in seinem insgesamt neunköpfigen Stadionteam. Alle haben die schön klingende Berufsbezeichnung, es gibt sie seit einigen Jahren. Alle haben das Spezialgebiet „Eis“ gelernt, schon von August an stellen sie es im Weddinger Stadion her, das ist notwendig, weil man Leistungssport-Stützpunkt ist.

Die simple Grundregel ist diese: Eine Vier-Zentimeter-Eisschicht ist der Kern, einmal tiefgefroren, immer tiefgefroren – also zumindest bis zum Frühjahr. Über der Grundschicht liegen weitere ein oder zwei Zentimeter Eis, die tagtäglich erneuert werden, sagt Grylewicz. Und noch eine Regel: Eismeister müssen selbst bisweilen auf ihrem eigenen Produkt Schlittschuh fahren. Dann nämlich, wenn es sehr voll ist im ewigen Kreisverkehr des Stadions, gehen sie selbst auf die Bahn und passen auf, dass alle zivilisiert ihre Runden drehen.

Deutsche Meisterschaften, u. a. im Synchron-Eiskunstlauf

Häufig erkennt Michael Grylewicz in seinem Stadion auch   Stammgäste, gerade ältere, die tagsüber kommen, wenn sie einmal für ein, zwei Stunden in die Halle auf das blitzblank polierte Eis dürfen. Die sind eine eingeschworene Gemeinde. Und einige wenige sind schon so  lange da wie ihr Eismeister: Grylewicz arbeitet seit 1983 im Stadion.

Am Wochenende finden im Erika-Heß-Eisstadion (Müllerstraße 185, Wedding) Deutsche Meisterschaften statt, u. a. im Synchron-Eiskunstlauf. Tickets 8 Euro. Informationen unter eissport-berlin.de