Tennis unter Anleitung: Im Hangar 1 ist ein Platz entstanden, auf dem Kinder und Jugendliche kostenlos spielen und trainieren können.
Foto: Claudio Gärtner

BerlinAuf den ersten Blick hat der Boden etwas von einer Fliegenklatsche. Das engmaschige Gittermuster könnte aber genauso gut aus einem dieser günstigen Kunststoff-Tennisschlägersets stammen, die stets mit einem gelben Schaumstoffball geliefert werden und nicht gerade für ihre lange Haltbarkeit bekannt sind. Als am Dienstagmittag aber zum ersten Mal ein paar Tennisbälle auf diesen roten Plastik-Gitterboden springen und von zwei kleinen Mädchen mit einem Schläger wieder leicht in die Luft geschlagen werden, geht es in der Tat um Tennis. Nicht um den, welchen man mit diesen Schlägersets aus dem Supermarkt am Strand spielt, sondern um genau den, der erst vor wenigen Wochen quasi nebenan auf ganz hohem Niveau gespielt wurde.

Mitte Juli war das, als zumindest ein paar wenige Berliner Zuschauer endlich mal wieder einige Stars der Szene live bewundern konnten. Tennis im urbanen Umfeld vom Tempelhofer Hangar 6. Selbst Dominic Thiem, der frischgebackene Sieger der US Open, hatte sich von der Atmosphäre in den Bann ziehen lassen und das Einladungsturnier gewonnen. Auch Maria Kipp, die mit ihrem Team von Tentaja in Hangar Nummer 1 eine ganz besondere Sportwelt geschaffen hat, schaute bei den „Nachbarn“ vorbei. „Wir haben relativ schnell festgestellt, dass das Engagement von Bett1 und dem LTTC Rot-Weiß wunderbar mit den Zielen von Hangar 1 zusammenpasst“, erzählt das Mitglied der Tentaja-Geschäftsleitung.

Mit dem Turniersponsor und dem ausrichtenden Berliner Verein war schnell die Idee geboren, in die bereits bestehende Sportwelt eine neue Attraktion einzubauen. Im Laufe der Jahre wurde dort ein Angebot für Kinder und Jugendliche geschaffen, das unabhängig von deren Ressourcen und sozialem Umfeld täglich kostenlos, niedrigschwellig und offen zur Verfügung steht. Jeder kann jederzeit mitmachen. „Alba Berlin und die Eisbären Juniors machen hier schon ein offenes Training und jetzt auch Rot-Weiß mit dem offenen Tennistraining“, sagt Maria Kipp.

Als Suche nach „Germany’s next Tennisstar“ bezeichnet Adam Szpyt das entstandene Projekt liebevoll. Dem Gründer, Inhaber und CEO von Matratzenhersteller Bett1 ist der Tennissport in kurzer Zeit sehr stark ans Herz gewachsen. Und wer weiß, wie groß seine Liebe zu diesem Sport wäre, hätte er bereits in seiner Schulzeit mal einen Tennisball in den Händen gehalten.

Zwei Tennishosen sowie einen Schläger hat sich der neue Tennisfan mittlerweile schon gekauft und ein paar Schuhe bestellt. Aber vor allem hat er das Equipment für den Platz im Hangar 1 und die Berliner Grundschulen besorgt. 400 gibt es davon. Und an allen, da denkt Szpyt gar nicht erst klein, soll bald Tennis angeboten werden. An zehn Pilotschulen soll es im Februar losgehen. „Der Plan ist natürlich, an so viele Schulen wie möglich Tennis zu bringen“, erzählt Markus Zoecke. Er bezeichnet sich selbst als „Berliner Junge und Berliner Tennisspieler“ und ist beim LTTC Rot-Weiß für Sport und Marketing zuständig. Genau in dieser Funktion hat er bereits erste Gespräche geführt und positives Feedback bekommen. Und zu den Bildern, die er mit seinen Worten in den Köpfen seiner Gesprächspartner geschaffen hat, gibt es jetzt zusätzlich etwas Hardware. Einen roten Tennisplatz in Originalgröße mit einem engmaschigen Kunststoffgitter in Hangar 1. Direkt neben dem Basketballfeld, gegenüber vom kleinen Soccercourt und den anderen Angeboten.

Tennis für jedermann, für jedes Kind und jeden Jugendlichen trifft es in diesem Fall noch besser. Aber vor allem: Tennis mit einem groß angelegten Plan. An den Schulen sollen Trainer des LTTC Rot-Weiß in naher Zukunft die Sportlehrer unterstützen, wenn Tennis im Unterricht angeboten wird. Quasi ab sofort aber sollen sie mit ihren Trainingseinheiten in Tempelhof zum festen Wochenangebot von Tentaja gehören. Und da, wo aus Sicht der Initiatoren hoffentlich bald viele Kinder Tennis spielen, „kann es nicht anders sein, dass auch ein paar von denen gut werden können“, sagt Markus Zoecke und sieht eine riesige Chance für den Tennissport in Berlin. „Ich denke, dass wir hier relativ schnell bunte Bilder haben werden.“

Für Zoecke und Adam Szpyt wäre das die kurzfristige Bestätigung für ihr Engagement, wenngleich sie einen langen Atem haben. „Wir sehen das als langfristiges Projekt und über viele Jahre“, so Szpyt, „wir wissen alle, dass das zehn, 15, 20 oder 30 Jahre dauern wird.“ Was viel länger als die Haltbarkeit eines Kunststoff-Tennisschlägersets wäre.