Die endgültige Erleichterung war knapp 40 Sekunden vor dem Ende zu sehen. Auf der Bank ballten Yovel Zoosman und Johannes Thiemann die Faust, während Luke Sikma auf dem Weg zum Einwurf ein breites Lächeln in Richtung Schiedsrichterin Anne Panther aufsetzte. Freuten sich Spieler, Verantwortliche und Fans bereits über den zweiten Sieg in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft, hatte sich der FC Bayern München gerade seinen 13. Ballverlust an diesem Abend geleistet. Das Spiel aber hatten die Münchner nicht durch diesen Fehlpass aus der Hand gegeben, sie hätten es so oder so nicht gewinnen können. „Wir waren heute einfach schlechter, viel schlechter auch als im ersten Spiel in Berlin“, sagte Bayerns Leon Radosevic nach dem 71:58-Sieg der Berliner. „Sie haben zu viele gute Spieler und zu viel Erfahrung, um uns noch mal ins Spiel zu lassen.“

Duelle mit München endeten für Alba meist frustrierend

Es ist keine drei Jahre her, da hätte ein Berliner solch einen Satz nach einem Spiel gegen die Bayern über die Lippen pressen müssen. Zu deprimierend, zu frustrierend endeten die Duelle mit den Münchnern in der Regel. Erfolgserlebnisse gab es mal in der regulären Saison, alle sechs Play-off-Serien gingen bis zum vergangenen Jahr immer an die Bayern – in den entscheidenden und wichtigen Momenten schienen sie unbezwingbar zu sein.

Um das vielleicht noch einmal zu veranschaulichen, hilft an dieser Stelle ein Zeitsprung zum 23. Juni 2019. Da lagen die Berliner zwar in der Finalserie 0:2 in Rückstand, aber schienen die Serie in der dritten Partie noch einmal spannend gestalten zu können. Mit komfortablen 15 Punkten lagen sie Mitte des dritten Viertels in München in Führung, und doch beschlich einen auf der Tribüne damals das Gefühl, dass selbst das nicht reichen würde.

Ein Gefühl, das anderthalb Viertel später durch den Ausgleich von Vladimir Lucic bestätigt wurde. In der folgenden Verlängerung nutzten die Münchner das Momentum und holten sich die zweite Meisterschaft in Folge. An dieser Stelle könnte man noch weitere Momente aufzählen und würde ein Muster erkennen, nach dem Duelle zwischen Alba Berlin und dem FC Bayern München programmiert schienen.

Die aktuelle Play-off-Serie aber lässt ein ganz anderes Bild erkennen: Ungeachtet aller personellen Probleme, die die Bayern sicherlich schwächen, ist Alba Berlin gerade in den Duellen auf nationaler Ebener mittlerweile stärker, weil tiefer besetzt als die Münchner. Seit der Spielzeit 2017/18 hat Alba in jedem nationalen Finale gestanden, seit der Saison 2019/20 vier von fünf vergebenen Titeln im Pokalwettbewerb und in der Meisterschaft gewonnen.

Dass bereits am Freitag in Berlin im dritten Spiel der aktuellen Finalserie die dritte Meisterschaft in Folge gewonnen wird, ist durchaus realistisch. Spätestens damit wären die bösen Geister aus den 2017 bis 2019 fünf verlorenen Finalspielen in Folge endgültig vertrieben. Wenn die überhaupt noch existiert haben. Lediglich Luke Sikma, Jonas Mattisseck, Tim Schneider und Johannes Thiemann sind aus dieser Zeit noch übrig, die restlichen Spieler im Kader haben diese Finalniederlagen nicht erlebt.

Berlin legt größeren Wert auf nationale Spieler als die Bayern

Bei der Zusammenstellung des Kaders wurde in den vergangenen Jahren neben dem Blick auf das Entwicklungspotenzial der Spieler sehr viel Augenmerk auf eine hohe Qualität der deutschen Spieler gelegt. Seit dem Gewinn der Meisterschaft 2019 haben die Münchner in Maodo Lo und Danilo Barthel zwei deutsche Nationalspieler abgegeben, lediglich Andreas Obst verpflichtet und ansonsten ihren Fokus auf ausländische Spieler gelegt.

Alba hat dagegen Lo, Louis Olinde und Oscar da Silva verpflichtet und dem eigenen Nachwuchs viel Vertrauen in Form von Einsatzzeit geschenkt. „Schon die ganze Saison verteilen wir die Spielzeit sehr breit. Alle 14 Spieler wurden eingebunden. Das hilft uns gerade sehr“, sagte Alba-Trainer Israel Gonzalez nach dem Sieg am Dienstag. Die Chancen stehen sehr gut, dass ihm diese Herangehensweise nach dem Pokaltriumph im Februar am Freitag den Gewinn der deutschen Meisterschaft beschert.