Bleibt zur Reha in München: Robert Lewandowski.
Foto: Hassenstein/Getty Images

MünchenWorauf sich die Spieler des FC Bayern in Katar einstellen müssen, haben sie bereits vor dem Jahreswechsel erfahren. „Ein intensives, ein hartes Trainingslager“, kündigte Hansi Flick nach seiner Bestätigung als Chefcoach bis mindestens Saisonende an, „wir werden einiges tun.“ Im Sonderflug des Sponsors Qatar Airways geht es an diesem Sonnabend um 9 Uhr los Richtung Doha, zum bereits zehnten Winterquartier im Gastgeberland der WM 2022. Allerdings ohne Stürmer Robert Lewandowski, der laut Bildzeitung nach seiner Leisten-OP anders als geplant nicht mitfliegen wird und seine Reha stattdessen von Dienstag an in München absolvieren soll. Sein Einsatz zum Rückrundenstart am 19. Januar bei Hertha BSC soll aber nicht gefährdet sein.

Begleitet werden die Bayern erneut von Kritik an ihrer einwöchigen Reise ins Emirat, in dem weiter Menschenrechte verletzt werden. Unmut über die Geschäftsbeziehungen zu Katar äußerten auch Teile der Fans vor der Winterpause. „Und wieder fliegen mit Kafala Airways die Menschenrechte davon!“, hieß es auf einem Banner beim Ligaspiel vor Weihnachten gegen Wolfsburg. Das Kafala-System, in dem vor allem Rechte der Arbeitsmigranten, wie jener auf den WM-Baustellen, arg beschnitten werden wie bei Leibeigenen, gilt laut Katar zwar als abgeschafft.

Im Laufe der vergangenen Jahre wurde viel Verbesserung versprochen – aber nicht eingehalten.

Menschenrechtlerin Regina Spöttl

Beim FC Bayern verweisen sie stets auf Hintergrundgespräche, die sie in Katar führten. „Seit Bayern München Partner von Katar ist, hat es nachweislich eine Entwicklung in Sachen Menschen- und Arbeiterrechte zum Positiven gegeben“, verteidigte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Geschäftsbeziehungen auf der Jahreshauptversammlung im November. Spöttl appelliert, weitaus mehr zu tun. „Amnesty International würde es natürlich begrüßen, wenn Spieler und Verantwortliche des FC Bayern mit offenen Augen und Ohren in Katar unterwegs wären“, sagte sie, man wünsche sich „mehr Mut und Zivilcourage vom FC Bayern, von der Führungsebene bis zu den Spielern“.

„Tatsächlich blieb es bisher unter einem neuen Namen in Kraft“, sagte allerdings Regina Spöttl, als Menschenrechtlerin und Nahost-Expertin für Amnesty International tätig, in einem Interview mit der Abendzeitung. Und auch „in Bezug auf die generelle Lage der Menschenrechte hat sich leider nicht viel geändert“. Freie Meinungsäußerung, Demokratie, Gewerkschaften, Frauenrechte, Homosexuellenrechte – von all dem sei nach wie vor wenig bis nichts erkennbar. Zudem lebten und arbeiteten viele Migranten aus den armen Ländern Südostasiens „weiterhin unter erschwerten Bedingungen“, sagte Spöttl, „im Laufe der vergangenen Jahre wurde viel Verbesserung versprochen – aber nicht eingehalten.“

Kahn reist nach

Beim FC Bayern verweisen sie stets auf Hintergrundgespräche, die sie in Katar führten. „Seit Bayern München Partner von Katar ist, hat es nachweislich eine Entwicklung in Sachen Menschen- und Arbeiterrechte zum Positiven gegeben“, verteidigte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Geschäftsbeziehungen auf der Jahreshauptversammlung im November. Spöttl appelliert, weitaus mehr zu tun. „Amnesty International würde es natürlich begrüßen, wenn Spieler und Verantwortliche des FC Bayern mit offenen Augen und Ohren in Katar unterwegs wären“, sagte sie, man wünsche sich „mehr Mut und Zivilcourage vom FC Bayern, von der Führungsebene bis zu den Spielern“.

Ein Bild vor Ort wird sich auch Oliver Kahn machen. Nachdem er am Dienstag in München als neues Vorstandsmitglied und Rummenigges designierter Nachfolger ab 2022 vorgestellt wird, soll er nach Katar reisen. Dass Kahn die von Flick gewünschte Verstärkung für die Position des Rechtsverteidigers mitbringt, ist Stand jetzt wohl eher nicht zu erwarten. Möglich aber, dass der Kader noch verändert wird. Sportdirektor Hasan Salihamidzic hält sich Transfers offen.

Boateng als Abgabekandidat

Als Abgabekandidat gilt trotz der lang-bis mittelfristigen Verletzungen von Niklas Süle und Javier Martínez Innenverteidiger Jérôme Boateng, obwohl auch Lucas Hernández zum Rückrundenstart noch nicht eingeplant werden kann, anders als Süle und Martínez aber schon mit nach Katar fliegen und dort sein Aufbautraining fortsetzen soll.

Für Flick geht es nun vor allem darum, mit dem vorhandenen Personal an der Variabilität zu feilen und neue Spielelemente einzuüben, wofür während der vielen englischen Wochen während seiner zweimonatigen Amtszeit kaum Gelegenheit bestand. „In der Rückrunde müssen wir flexibler sein. Wir hatten wenig Zeit, um Inhalte richtig trainieren zu können“, sagte er jüngst im kicker.

Änderungen im bisher stets hohen Verteidigungsverhalten strebt er an, zudem mehr Kompaktheit bei gegnerischen Kontern. Ihm schwebt auch vor, zuweilen vermehrt auf zwei Stürmer zu setzen und offensiv noch durchschlagskräftiger und effizienter zu werden. „Bisher ist es uns nicht konstant gelungen, dass wir schnell und druckvoll kombinieren, phasenweise war es zu langsam“, sagte Flick.

Wenn wir konstant alles reinwerfen, wird am Schluss ein sehr gutes Ergebnis stehen.

Trainer Hansi Flick

Aus ihm sprach auch ein Trainer, der seine Chance ergreifen will, mit einer erfolgreichen zweiten Saisonhälfte für seinen Verbleib über diese Spielzeit hinaus zu werben. Neben einem attraktiven Offensivstil wäre es dafür besonders hilfreich, trotz vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer RB Leipzig Meister zu werden, bestenfalls garniert vom Pokaltitel und einer langen Verweildauer in der Champions League, in der mindestens das Halbfinale angestrebt wird.

„Wenn wir konstant alles reinwerfen, wird am Schluss ein sehr gutes Ergebnis stehen“, versprach Flick. Dafür sollen in Katar die Grundlagen gelegt werden. Menschenrechtler würden sich vom FC Bayern eine ähnliche Zielstrebigkeit in den Gesprächen mit den Gastgebern des Wintertrainingslagers wünschen.