Das Gehupe ist auch durch das Telefon kaum zu überhören. Biep! Biep! Alle zwei, drei Sekunden ertönt ein Signal. Mal schrill, mal dumpf. „Wenn mir etwas nicht gefällt hier im Iran“, sagt Winfried Schäfer und lacht, „dann ist es ganz sicher der Verkehr.“ Grausam, dieses Adjektiv beschreibe das Chaos auf den Straßen nur zu gut. „Die Iraner fahren wirklich wie sie wollen.“ Hupen gehört in der Islamischen Republik zum guten Ton. Wer hupt, hat Vorfahrt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in der Neun-Millionen-Metropole, das wollen Verkehrsstatistiker mal gemessen haben, soll bei etwa 18 km/h liegen. An diesem Dienstag braucht Schäfer für die knapp neun Kilometer vom Trainingszentrum ins Teamhotel etwa eine Stunde. Abgesehen vom Verkehr ist der Weltenbummler, der schon im Kamerun, den Vereinigten Arabischen Emiraten, auf Jamaika und in Thailand gearbeitet hat, aber „sehr glücklich“ mit seinem Engagement im Gottesstaat.

Seit anderthalb Jahren trainiert der 69 Jahre alte Fußballlehrer nun Esteghlal FC. Es ist nicht irgendein Fußballverein, den der frühere Trainer des Karlsruher SC, VfB Stuttgart und Tennis Borussia Berlin in Teheran trainiert, sondern einer der populärsten und erfolgreichsten des Landes. Mit acht Meisterschaften, sechs Pokalsiegen und zwei Titeln in der asiatischen Champions League hat der Klub, der bis zur iranischen Revolution vor 40 Jahren Taj („Krone“) hieß und eng mit dem Regime von Schah Reza Pahlavi verflochten war, eine Strahlkraft weit über die iranischen Landesgrenzen hinaus. Es sei eine Lebensaufgabe, so Schäfer, eine große Verpflichtung, für diesen Verein zu arbeiten. „Ich will hier nicht nur Spiele gewinnen, sondern dem Klub helfen, mehr und mehr ins professionelle Arbeiten zu kommen.“

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