Berlin - Der Landessportbund Berlin (LSB) hat am Donnerstag eine Art Empörungsschrei als Pressemeldung verschickt. Darin heißt es: „Im Rahmen der Schulbauoffensive wird das Land Berlin an zahlreichen Standorten auch neue Sporthallen mit bauen. Jetzt sind Pläne bekannt geworden, wonach die Bauweise der Sporthallen Menschen mit Behinderung auszuschließen droht. An bis zu 43 Schulen sollen die kompakten Sporthallen des Typs „k“ mit doppelstöckiger Bauweise entstehen, bei der sich die Sanitärräume im Obergeschoss befinden.“ Was das für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bedeutet, ist klar: Die Toilette können sie nur mit dem Aufzug erreichen. Laut LSB seien diese Aufzüge jedoch störanfällig und bedürfen einer intensiven Wartung.

Härtel spricht von einem Armutszeugnis der Sportmetropole

Tim Tschauder, der Inklusionsbeauftragte des LSB, sagt, er könne da nur den Kopf schütteln. „Denn diese Aufzüge sind nur mit dem Schlüssel des Hausmeisters zu bedienen. Und was ist, wenn aus einer Gruppe Rollstuhlbasketballer mal vier oder fünf Sportler auf die Toilette wollen? Sie können sich nicht selbstbestimmt bewegen. Das ist ein absoluter Rückschritt.“

LSB-Präsident Thomas Härtel verdeutlicht: „Diese neuen doppelstöckigen Sporthallen bedeuten neue Barrieren. Berlin wird im Jahr 2023 Gastgeber der Special Olympic World Games sein, des größten internationalen Sportevents. Es wäre ein Armutszeugnis für uns als Sportmetropole, wenn in der Zwischenzeit im Sport der Ausschluss von Menschen mit Behinderung zementiert wird.“

Typenbauweise schafft Barrieren

Der LSB sowie das Netzwerk Sport und Inklusion weisen seit Jahren darauf hin, dass die Typenbauweise Barrieren schafft, zumal zu ähnlichen Typen bereits eine umfangreiche Mängelliste besteht, die gemeinsam mit Sportlern und Sportlerinnen mit Behinderung erarbeitet wurde. Dem Senat liegt laut LSB diese Mängelliste wie auch der Kriterienkatalog für inklusive Sportstätten vor.

Tschauder schüttelte bereits im August bei einer Begehung mit Sachverständigen aus dem inklusiven Sport den Kopf, als er die erste fertige Sporthalle im Spandauer Lily-Braun-Gymnasium sah. Dort gab es keine taktile Wegeleitung für Menschen mit Sehbehinderung und keine Brailleschrift. Die Geräteraumtore waren nur von großen, stehenden Menschen zu öffnen. Der Lift zur Galerie ließ sich nur manuell und mit einem Schlüssel öffnen und bot nur Platz für einen E-Rollstuhl. „Der Feueralarm funktioniert nur akustisch. Wenn es brennt, bekommt eine Gehörlosengruppe in der Umkleidekabine davon nichts mit“, sagt Tschauder. Hoffnung macht ihm, dass es bereits einen Austausch mit der Senatsverwaltung gibt, um den Abbau von Barrieren zu prüfen.

Zwei inklusive Sporthallen pro Bezirk

Das Land Berlin hat in der vergangenen Wahlperiode beschlossen, pro Bezirk zwei inklusive Sporthallen zu errichten. „Der neue Senat muss sich zur UN-Behindertenrechtskonvention bekennen. Die Pläne für Inklusionssporthallen liegen vor, jetzt müssen Senat und Bezirke diese auch endlich umsetzen“, fordert Härtel. Ein leuchtendes Beispiel für barrierefreies Bauen im Sport gibt es aktuell ja auch: das neu sanierte Fechtzentrum in Marzahn.