Die Polizei ist dagewesen. Sie hat sich beim Regionalliga-Aufsteiger Lichtenberg 47 in dessen Hans-Zoschke-Stadion einen Überblick verschafft. Die Beamten interessierte die Sicherheit in der Arena. Ergebnis: Da der vom Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) geforderte Zaun im Gäste-Fanblock noch nicht fertig ist, muss die Mannschaft beim Heimspiel am 15. September gegen Babelsberg 03 ins Poststadion ausweichen.

Das Duell gegen Babelsberg hat eine erhöhte Sicherheitsstufe. Bis zu den ebenfalls unter besonderer Beobachtung stehenden Spielen gegen Rot-Weiß Erfurt und Energie Cottbus, zu denen viele Gästefans erwartet werden, soll der Zaun aber fertig sein. Diese Begegnungen finden erst im November und Dezember statt.

Lichtenberg 47 startet in Auberbach

Den Saisonauftakt bestreiten die Lichtenberger an diesem Sonnabend in Auerbach, eine Woche drauf folgt das Heimdebüt gegen Rathenow, im Hans-Zoschke-Stadion. Die Auflagen, die der Neuling in der vierthöchsten deutschen Spielklasse vom NOFV bekommen hat, sind enorm. Sie haben den Verantwortlichen einige schlaflose Nächte bereitet, wie Henry Berthy berichtet. Der langjährige Geschäftsführer sagt: „Aber wir werden das alles stemmen.“ Die Bedingungen, die der Verband stellt, betreffen vor allem die altehrwürdige Spielstätte, in dem die Zuschauer direkt am Spielfeldrand sitzen oder auf den Traversen stehen können. Aber auch sportlich ist Lichtenberg 47 vorbereitet.

Ein ganz normaler Trainingstag: Coach Uwe Lehmann fährt vor. Er humpelt aus seinem Wagen heraus. Der 37 Jahre alte Cheftrainer schlägt sich schon länger mit Knieproblemen herum und muss sich im August operieren lassen. Nachdem Lehmann seine spielstarke Mannschaft, die er schon sechs Jahre lang trainiert, zum Meistertitel geführt hatte – und das mit sieben Punkten Vorsprung vor Tennis Borussia − wurde er zum „Amateurtrainer des Jahres“ in Berlin gekürt. Wenn Lehmann zu Beginn der Saison für kurze Zeit ausfallen wird, steht in Trainer-Neuerwerbung Sven Gruel, Inhaber der A-Lizenz, ein kompetenter Vertreter parat. Er gehört ab sofort zum Trainerstab.

Manager Plötz: "So etwas wie die Champions League"

Mit dem Handy am Ohr erscheint auch Manager Benjamin Plötz. Er gilt als Architekt der erfolgreichen Mannschaft, hat über acht Jahre – meist zusammen mit Lehmann – eine Mannschaft entwickelt, die nun endlich in der Regionalliga angekommen ist. „Diese Liga ist für unsere Jungs, die alle einem Beruf nachgehen oder studieren, so etwas wie die Champions League“, sagt Plötz stolz. Mit dem großen Nachbarn, dem BFC Dynamo, mit Rot-Weiß Erfurt, Lok und Chemie Leipzig und Drittliga-Absteiger Energie Cottbus warten allein fünf ehemalige DDR-Oberligisten auf Lichtenberg. Der Neuling muss vor allem seine Heimstärke ausspielen. In der Oberligasaison 2018/19 gab es in 15 Heimspielen 14 Siege und ein Remis, seit zwei Jahren ist die Mannschaft im „Zoschke“ ungeschlagen.

Plötz marschiert auf den gepflegten Naturrasen bis zum Mittelkreis. Er schaut sich um und sagt voller Inbrunst: „Das ist doch Amateurfußball pur.“ Die Arena ist mit einer Kapazität von knapp 10 000 Plätzen das zweitgrößte reine Fußballstadion Berlins, nach der Alten Försterei. Irgendwie besitzt dieses Stadion einen ganz besonderen Charme, hat sich seine Ursprünglichkeit bewahrt. Die Zuschauer können beinahe den Schweiß der Spieler riechen, ihre Zurufe hören. Dennoch: Es müssen dringend Veränderungen her.

Der 2,20 Meter hohe Sicherheitszaun rund um die gesamte Anlage ist fertig. Die 130 000 Euro Kosten hat der Stadtbezirk bezahlt, denn die Anlage gehört dem Bezirk, 47 ist der alleinige Hauptnutzer. Die wichtigste Neuerung ist nun also die anstehende Umzäunung des Gästeblocks. Das muss schnell passieren, denn wenn Mannschaften kommen, die einige hunderte Fans mitbringen, ist der teure Sicherheitszaun Pflicht. 

Bürgermeister Grunst verspricht Hilfe

Michael Grunst, Bezirksbürgermeister (Die Linke), bekennender Sportfan, der die Spiele um den Aufstieg live im „Zoschke“ erlebte, sagt dieser Zeitung: „Der Bezirk wird nun die Zuwendungen für die Anlage erhöhen. Der Zaun um den Gästeblock soll auch möglichst bald errichtet werden.“

Der Verein Lichtenberg 47 selbst, so sagen es Henry Berthy und Benjamin Plötz, kümmert sich bei einem Etat von rund 250 000 Euro unter anderem um neue Miettoiletten und einen neuen Fahrradhafen für die Fans. Auch das Catering wird erweitert und W-Lan zuerst im Bereich der Stadion-Gaststätte erstellt. Zahlreiche Treppen wurden in der Signalfarbe gelb gestrichen, die Duschräume für die Mannschaften werden in Eigenregie renoviert.

Als Aufsteiger hat 47 ein Jahr Zeit, um weitere geforderte Veränderungen anzugehen. 2020/21 soll Flutlicht errichtet werden und auch die Sitzplatztribüne muss überdacht werden. „Wir wollen unbedingt die Klasse halten“, sagt Plötz. „aber unsere Spieler sollen die Regionalliga auch genießen.“ Der Klub kalkuliert mit einem Zuschauerschnitt von 600 (bislang 450) und erwartet gegen einige Kontrahenten große Kulissen.

400 Spieler stellen sich vor

Rund 400 Spieler haben sich bei Plötz um einen Platz in der Mannschaft beworben − acht, neun Neue hat der Manager ausgesucht, meist junge Kicker mit Potenzial. In Mittelfeldregisseur Maik Haubitz (zu Füchse Berlin) und Gelicio Banze (zu Berlin United) hat Lichtenberg zwei wichtige Spieler verloren. Mittelfeldregisseur Haubitz ging aus beruflichen Gründen, wird in der Gerüstbaufirma seiner Familie Verantwortung übernehmen und kann die höhere Belastung der Regionalliga deshalb nicht auf sich nehmen.

Trainer Lehmann wird weiterhin nur viermal in der Woche – immer am Abend – trainieren, aber die Intensität erhöhen. Viele Spieler, die den Aufstieg schafften, werden nun auch höherklassig dabei sein. Profihafte Bedingungen, wie sie einige Vereine in der Regionalliga haben, wird es bei Lichtenberg 47 nicht geben können.

Grunst, der engagierte Bezirksbürgermeister, hatte noch eine Nachricht parat: „Ich habe erneut schon eine Dauerkarte für die Spiele von 47 erworben. Wie viele Lichtenberger freue ich mich auf altbekannte Mannschaften – auf den BFC, auf Cottbus oder die Leipziger Vereine.“ Im „Zoschke“ findet man den Bürgermeister meist auf der Stehplatztribüne hinter dem sogenannten Heimtor. Dort – in Richtung Stadionkneipe − fallen die meisten Treffer für Lichtenberg 47.