München/Bad Wiessee - Im UNVEU-Magazin des Berliner KURIER hat Uli Hoeneß besondere Grüße zum Aufstieg der Eisernen geschrieben:

Liebe Fans von Union Berlin,

in all den Jahren, die ich nun schon im deutschen Fußball tätig bin, hat der FC Bayern Aufsteiger kommen und gehen sehen. Viele haben sich schnell wieder verabschiedet, manche konnten sich etablieren, nur ein paar wenige schrieben Geschichte. Auf Union Berlin können wir uns freuen. Weil das ein Klub ist, der eine ganz besondere Ausstrahlung hat. Herzlich willkommen!

Union im Schatten des Mielke-Klubs Dynamo

Leider weiß ich seinen Namen nicht mehr, aber ich kann mich noch gut erinnern: Union hatte mal einen blonden Angreifer, recht groß. Er stand oft einfach nur mit verschränkten Armen im Mittelfeld herum – aber wenn er den Ball hatte, stürmte er los, mit einem Wahnsinnstempo. Vor dem Tor hat er dann meistens für einen Kollegen abgelegt. Das war ein Typ, so passend zu Union Berlin: Erfrischend anders und originell – einfach eine Schau, wie wir in Bayern sagen.

Union stand zu DDR-Zeiten im Schatten des Mielke-Klubs BFC Dynamo, und es war immer toll, wie der Klub der Parteiführung getrotzt hat. Wenn Menschen für ihre Überzeugungen auch gegen Widerstände eintreten und sich nicht unterbuttern lassen, muss das imponieren. Eisern Union verbiegen? Geht nicht. Der Klub war ein Auffangbecken für die, die anders dachten. Ein Tummelplatz für die, die mit dem System nicht konform gegangen sind, das Menschen unterdrückt hat. So eine Haltung verdient höchsten Respekt – und zwar bis in die heutige Zeit.

Ich habe den Eindruck, bei Union Berlin ist der Kampfgeist noch immer verwurzelt. Wir haben bereits in der „Alten Försterei“ gespielt, und mir gefällt, wie treu die Fans zu diesem Klub stehen. Die Anhänger würden Union wohl selbst in die tiefsten Niederungen des Fußballs folgen. Unvergesslich ist, wie sie vor einigen Jahren mitgeholfen haben, das Stadion zu modernisieren; freiwillig und unentgeltlich – da kamen Reporter aus allen Ecken der Welt, um darüber zu berichten.

Das ist eine wunderbare Geschichte

Das ist eine wunderbare Geschichte, genauso wie, dass in Unions Räumlichkeiten eine Stiftung untergebracht ist, die sich um Flüchtlinge kümmert. Es ist wichtig, dass sich Vereine ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind, gerade, wo sich heutzutage so viele Klubs zunehmend nur noch auf das Geschäft konzentrieren.

Dass in Berlin nun zum 30-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung erstmals seit 1976/77 wieder zwei Vereine aus der Hauptstadt erstklassig spielen, ist eine feine Pointe der Fußballgeschichte. Erst fünf ehemalige DDR-Oberligisten haben es überhaupt in die Bundesliga geschafft, daran sieht man, was für eine reife Leistung der Aufstieg von Union Berlin ist.

Ich bin sicher, dass die „Eisernen“ mit ihrer Art, ihrer Stadionkultur, ihrer Geschichte eine Bereicherung zwischen den vielen Etablierten sein werden. Als Aufsteiger hat man es leider immer schwer, aber damit uns dieser bunte Farbklecks in der Bundesliga länger erhalten bleibt, drücken sicher einige Menschen die Daumen. Darum auch von Seiten des FC Bayern: Viel Glück!

Uli Hoeneß

*Der Autor ist seit 2016 wieder Präsident des FC Bayern München (zuvor 2009 bis 2014). Als Manager formte Hoeneß die Rot-Weißen zu einem europäischen Spitzenklub, feierte 2001 und 2013 den Champions-League-Sieg. Als Spieler, Manager und Präsident wurde er mit dem FCB 23 Mal Deutscher Meister. Hoeneß, der als Spieler Welt- und Europameister wurde, arbeitet seit fast 50 Jahren in der Bundesliga.