Ihre in der abgelaufenen Zweitliga-Saison so oft unter Beweis gestellten Nehmerqualitäten zeigten die Profis von Werder Bremen auch bei der Aufstiegsparty. Bis in die frühen Morgenstunden bejubelten die Grün-Weißen angeführt von Party-Torjäger Niclas Füllkrug in der Bremer Diskothek La Viva die direkte Rückkehr in die Erste Liga. „Ich hoffe, die Jungs bekommen das hin. Ich kann das, ich bin schon einmal aufgestiegen“, hatte Füllkrug gesagt, als er das Weserstadion mit der Mannschaft im offenen Bus verließ, um sich bei der Aufstiegsparade von Tausenden Fans am Osterdeich feiern zu lassen.

„Der SVW ist wieder da“ – in großen Buchstaben stand die Botschaft des Tages auf dem Bus. Doch damit das so bleibt, wartet auf die Verantwortlichen in den kommenden Wochen jede Menge Arbeit. Am Sonntag genossen auch die Bosse den krönenden Abschluss einer auch für sie turbulenten Saison. Geschäftsführer Klaus Filbry gönnte sich eine Dose Bier und Pommes, Lizenzspieler-Chef Clemens Fritz hatte Tränen der Rührung in den Augen. Sport-Geschäftsführer Frank Baumann war die Glückseligkeit anzusehen. „Werder hat in den letzten Wochen mal wieder bewiesen, was für ein besonderer Verein es ist.“

Trainerwechsel als wichtiger Baustein für den Aufstieg

Noch vor einem Jahr war Baumann von den Werder-Fans ausgepfiffen und zum Sündenbock des ersten Abstiegs nach 40 Jahren gemacht worden. Nun zählte der frühere Profi zu den Hauptgaranten dafür, dass das Intermezzo in der Zweiten Liga nur ein Jahr dauerte. Es war der von Baumann unter schwersten Bedingungen zusammengestellte Kader, der den Aufstieg schaffte. Und in Ole Werner holte er genau den richtigen Mann, als an der Weser wegen der Impfpass-Affäre um Markus Anfang das Chaos auszubrechen drohte.

Der plattdeutsche Slogan auf den Bremer Aufstiegs-Shirts passte perfekt zu Werner und seinem Charakter: „Löppt“. Denn auch im wilden Aufstiegstrubel auf dem grün-weißen Feiertruck blieb der Coach seinem Naturell treu – norddeutsch by nature. Genug Gründe, mehr als ein Glas seiner Lieblings-Getränkemischung Cola-Korn zu sich zu nehmen, hatte der 34 Jahre alte Fußballlehrer allemal. Werner übernahm das Team nach dem 15. Spieltag mit zwölf Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze auf Rang zehn. Anschließend sammelten die Hanseaten unter seiner Regie in 19 Partien 43 Zähler.

Für Fritz war der erzwungene Trainerwechsel ein überragend wichtiger Baustein auf dem Weg zum Aufstieg: „Ole kam zum richtigen Zeitpunkt. Er war sehr klar und hat bei uns Ruhe reingebracht.“ Dass Werner nicht nur Werder kann, hatte er vergangene Saison bewiesen. Da warf er mit Holstein Kiel nicht nur den deutschen Rekordmeister Bayern München aus dem DFB-Pokal, sondern scheiterte erst in der Bundesliga-Relegation am 1. FC Köln.

Nun ist Werner im zweiten Anlauf per sportlichem Aufstieg zum Erstliga-Trainer avanciert. Viele Werder-Fans sehen in ihm schon jetzt „Thomas Schaaf 2.0“. Der wurde als Interimscoach mit den Norddeutschen im Alter von 38 Jahren DFB-Pokalsieger – und blieb 14 Jahre ...

Doch verschnaufen kann Baumann nach dem Aufstieg nicht, vielmehr gilt es, die Weichen dafür zu stellen, was Filbry direkt nach dem 2:0 gegen Jahn Regensburg am Sonntag sagte. „Ich hoffe, dass das der letzte Aufstieg ist, den wir mit Werder Bremen feiern, weil wir in der Ersten Liga bleiben.“

Der Kader muss dafür deutlich verstärkt werden, auch wenn die finanziellen Mittel weiter begrenzt sind. Verstärkung brauchen die Norddeutschen in allen Mannschaftsteilen. Auch im Angriff, wo das Sturmduo Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch für 39 der 65 Saisontore verantwortlich war. Doch hinter dem Duo klafft eine Lücke, auch im Mittelfeld und in der Abwehr sind neue Spieler nötig. „Wir wissen, dass die nächste Saison eine sehr schwierige wird“, sagte Baumann. Dass sie am Ende sorgenfrei wird, dafür soll wieder Erfolgscoach Werner sorgen.