Punkte gab es für diese Aktion nicht. Mit seinem Block kurz vor der Viertelpause verhinderte Tim Schneider aber zumindest zwei Zähler. 17 Punkte Vorsprung klangen ja vor dem Schlussabschnitt auch irgendwie beruhigender als 15. Wahrscheinlich hätte es diesen Block des Flügelspielers an diesem Abend gar nicht gebraucht. Schließlich setzte sich Alba Berlin am Freitagabend mit 85:65 überraschend deutlich gegen Zenit St. Petersburg durch und feierte damit einen gelungenen Einstand in die Euroleague-Saison.

„Wir haben hart gearbeitet, sind viel gerannt und haben unsere Würfe getroffen“, sagte Schneider, „ich war sehr aufgeregt, Euroleague ist für jeden Spieler etwas besonderes. Es ist eine riesige Bühne für uns.“

Und irgendwie auch anders. Auf gewohnte Klänge von Seeed wurde es beispielsweise kurz vor Spielbeginn ein bisschen klassischer: Plötzlich lief da die Euroleague-Hymne und die Starter beider Teams reihten sich in der Mitte des Feldes auf. Für Verunsicherung sorgte die Bühne allerdings nicht.

Thomas trifft, wie er will

Vor allem Will Thomas auf Seiten der Gäste und Marcus Eriksson bei den Berlinern zeigten sich völlig unbeeindruckt. Thomas traf alle drei Dreier, Eriksson brachte es auf acht Zähler, zwei davon waren ebenfalls Dreier. Kurz darauf wurde das Spiel von einer TV-Auszeit unterbrochen, noch so eine Neuerung, die es in der Euroleague gibt. Aber auch die hatte keine Auswirkungen auf das Alba-Spiel.

Nach einem verwandelten Dreier von Kapitän Niels Giffey ging Berlin erstmals in Führung (17:15) und sollte diese bis zum Ende nicht abgeben. Sieben Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt und Alba präsentierte sich gegen die Star-Truppe aus St. Petersburg mindestens auf Augenhöhe. Landry Nnoko traf im ersten Viertel alle drei Wurfversuche und räumte unter dem eigenen Korb ordentlich auf.

Zudem führte Martin Hermannsson erneut geschickt Regie. Insgesamt neun Assists verteilte der Isländer im gesamten Spiel und trat damit auch diesmal als guter Ersatz für den weiterhin verletzten Peyton Siva auf. Jeder Alba-Spieler erfüllte an diesem Abend seine Rolle, auch die Einwechselspieler, wie Jonas Mattisseck oder Tim Schneider, spielten in ihrem ersten Euroleague-Auftritt konzentriert und abgeklärt.

Reife Spielanlage

Ging das erste Viertel mit 24:18 bereits an die Gastgeber, legten die im zweiten Abschnitt nach. Die 10117 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof erlebten eine intensive Partie, in der unter den Körben kräftig gearbeitet wurde und Alba Berlin die Gäste mit ihrer Verteidigung vor Probleme stellte. Nach einem Korberfolg von Martin Hermannsson hatten sich die Berliner erstmals einen zweistelligen Vorsprung erspielt (38:27), in die Pause ging es sogar mit einem 47:31. In der ersten Euroleague-Halbzeit nach fünfjähriger Abstinenz überzeugten die Berliner auf beiden Seiten: Neun verwandelte Dreier, lediglich vier Ballverluste und ließen nur 13 gegnerische Punkte im zweiten Viertel zu.

Viel beeindruckender war jedoch die Konstanz, mit der Alba Berlin auch nach dem Seitenwechsel auftrat. Die Spielanlage wirkte weiter sehr reif und unaufgeregt. St. Petersburg konnte zwar zwischenzeitlich etwas vom Rückstand abknabbern, allerdings nicht entscheidend. „Wir haben unser Spiel gespielt. Es ist schwer einzuschätzen, wie stark Zenit ist. Vielleicht war der Unterschied, dass wir uns schon länger kennen“, sagte Tim Schneider und ging mit einem Lächeln in die Kabine.