Auf einmal wurde es laut. Richtig laut. Mit einem Countdown zählten die Fans im Stadion An der Alten Försterei das Ende des 45 Minuten währenden Schweigens herunter, dann donnerte es so vehement von den Rängen, dass ein Gewitter sich schon recht hübsch ins Zeug hätte legen müssen, um mit diesen Lärm mitzuhalten. Die Lust auf das gemeinsame Supporten war so groß, dass trotz des Halbzeitpfiffes von Schiedsrichter Marco Fritz es auch zu Beginn der Spielunterbrechung beim 3:1 des 1. FC Union gegen den SV Darmstadt 98 weiter munter von den Rängen schallte.

Verschwiegen werden darf an dieser Stelle aber nicht, dass der bundesweite stumme Spieltagsprotest gegen Montagsspiele und fanunfreundliche Anstoßzeiten schon zuvor von den Eisernen zwei Mal hart auf die Probe gestellt worden war. Jeweils durch Sebastian Andersson, der bei seinem Startelfcomeback seine Saisontreffer fünf (28.) und sechs (42.) markierte und die Anhängerschaft damit in ein Dilemma versetzte. Jubeln ja, aber wie, ohne dass man von den Anhängern anderer Klubs als Streikbrecher wahrgenommen wird.

Die Serie hält

Die eiserne Serie hält jedenfalls: Auch im fünfzehnten Spiel in dieser Saison waren die Mannen von Urs Fischer nicht zu bezwingen. Und da der Torjubel ja spontan, also nicht organisiert war, widersprach er auch nicht der zuvor verabredeten Stille, konnte man ihn also gerade so noch einmal durchgehen lassen.

Zwei Mal noch brandete in der Folge der Jubel durch die rot-weiße Spielstätte. Zunächst als Lilien-Kapitän Aytac Sulu einen Kopfball des aufgerückten Marvin Friedrich in die eigenen Maschen verlängerte (65.), dann nach dem Schlusspfiff, als jedem der 21 474 Besucher klar wurde, dass der Gegentreffer von Serdar Dursun (73.) lediglich eine für Union-Keeper Rafal Gikiewicz ärgerliche Randnotiz geblieben war.

Ein weiter Weg

Ein „Unbesiegbar, unbesiegbar, unbesiegbar, Eff-Zeh-Uuuh“ tönte von den Rängen und korrelierte inhaltlich hübsch mit dem zwischenzeitlich auf der Waldseite von den eisernen Ultras angestimmten „Die erste Bundesliga ist zum Greifen nah, die Zeit ist nun gekommen, ihr werdet’s schon sehen“.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das weiß auch Trainer Urs Fischer, der sich sichtlich schwer damit tat, dass zuvor Erlebte und den gefestigten dritten Rang hinter dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln einordnen zu müssen. Denn seine Lieblingsvokabel „Momentaufnahme“ war ihm vonseiten des Fragestellers untersagt worden. Nun hatte der Schweizer mehr Mühe, als seine Truppe zuvor in 70 Minuten mit dem Gegner. Am Ende gelang es ihm aber leidlich souverän den Ball flachzuhalten, ohne auf seine Standardreplik zurückzugreifen, in dem er meinte, dass man als Schweizer Trainer in deutschen Ligen derzeit froh sein könne, aber nicht abheben dürfe.

Ständige Rotation

Die Gefahr scheint gering zu sein. Erstens hält Fischer durch seine ständigen Rotationen – diesmal bekam Andersson den Vorzug vor Sebastian Polter und Felix Kroos vor Marcel Hartel – den Konkurrenzkampf hoch. Zweitens scheint seine Truppe verinnerlicht zu haben, dass sie sich alles jede Woche aufs Neue erarbeiten muss. „Wenn man glaubt, man ist locker oben mit dran, dann verliert man“, merkte Christopher Trimmel an.