Berlin - Noch vor dem Start mit dem ersten Nominierungsrennen an diesem Wochenende in Winterberg ist die Olympia-Saison für Bobpilot Hans Peter Hannighofer beendet. Der Zweierbob-WM-Dritte aus Oberhof erlitt beim ersten Anschubtest ein Muskelabriss. „Vom Kopf und vom Körper her ist alles in Ordnung, aber es ist ein komisches Gefühl zu wissen, dass die Sehne gerissen ist und die Muskulatur nicht mehr zusammenhält. Ich werde jetzt Ende dieser oder Anfang nächster Woche in München operiert“, sagte Hannighofer am Dienstag und fügte an: „100 Tage sagt man, bis man sich wieder ordentlich sportlich bewegen kann, das heißt, ich muss die Verletzung bis Ende des Jahres richtig ausheilen lassen und hoffe, dann wenigstens im Sitzen ein wenig Bobfahren zu können, um früher als die anderen in die Saisonvorbereitung fürs nächste Jahr zu gehen.“

Matthias Höpfner zeigt sich realistisch: „Er wird vielleicht im Frühjahr ein bisschen Bobfahren können, aber an Wettkämpfe ist nicht zu denken“, sagte der Oberhofer Bundesstützpunkttrainer dem Freien Wort. Bob-Cheftrainer René Spies muss in der Olympia-Saison somit zwei hochkarätige Ausfälle verkraften. Denn auch im Frauen-Bereich gab es eine Hiobsbotschaft. Ex-Weltmeisterin Annika Drazek aus dem Team von Olympiasiegerin Mariama Jamanka (BRC Thüringen) wurde erneut ausgebremst. „Ich bin an einer seltenen Stoffwechselkrankheit erkrankt“, postete die Weltklasse-Anschieberin per Facebook. Eine erneute Operation ist unausweichlich. „Sie fällt die erste Saison-Hälfte auf jeden Fall aus, dann werden wir weitersehen“, sagte Spies der Deutschen Presse-Agentur.

Beim Eis-Auftakt an diesem Wochenende in Winterberg wird er ein Nominierungsrennen zwischen Richard Oelsner (BSC Sachsen Oberbärenburg) und Christoph Hafer (BC Bad Feilnbach) fahren lassen. „Je nachdem wie die Ergebnisse sind, wird es vielleicht nochmal in Peking bei der Trainingswoche einen Ausscheid geben“, sagte Spies, der bereits Anfang Oktober zur Internationalen Trainingswoche nach Peking reist. Dort fahren die deutschen Piloten um Doppel-Olympiasieger und Rekordweltmeister Francesco Friedrich sowie dem WM-Zweiten Johannes Lochner erstmals auf der Olympia-Bahn.

Bei den Frauen ist die WM-Dritte Laura Nolte gesetzt, der Rest kämpft mit Olympiasiegerin Jamanka um die offenen Startplätze im Weltcup. Ein neues Gesicht in der Bob-Szene gab es beim ersten Anschubtest mit Sprinterin Alexandra Burghardt. Die 27-Jährige war vor wenigen Wochen bei den Olympischen Spielen in Tokio am Start und verpasste über die 100 Meter nur knapp den Finaleinzug. Beim Anschubtest landete sie spontan auf Rang zwei, weitere Versuche sollen im Eiskanal folgen. Verlaufen diese erfolgreich, können sich die Toppilotinnen auf eine exzellente Anschubkraft freuen.