Berlin - Die Botschaft war eindeutig. Dass das zweite Finale um die Eishockey-Meisterschaft bei den Adlern aus Mannheim nicht einfach werden würde, dessen waren sich die Eisbären Berlin bewusst gewesen. Doch was ihnen genau blühen würde, bekamen sie am gestrigen Abend schon kurz vor dem ersten Bully über den Videowürfel der Mannheimer Multifunktionsarena vor Augen geführt: eine vor Aggressivität nur so strotzende Mannschaft der Adler.

In jenem Einspieler, der die Stimmung auf den Siedepunkt treiben soll, rammt eine Animation des Verteidigers Denis Reul ein Auto, auf dem das Logo der Eisbären prangt. In dem Video drückte Reul, den böse Zungen in der Liga gern als Mensch gewordene Abrissbirne titulieren, mit seiner Wucht den Wagen so sehr zusammen, dass es einen Totalschaden davonträgt.

Solchen Druck wollten die Adler eigentlich auch in den 60 Spielminuten aufs Eis bringen, es gelang ihnen allerdings nur im Schlussdrittel. Zuvor boten beide Teams eine taktisch geprägte Partie, in dem vor allem eine Maxime zu gelten schien: Fehler und Strafen vermeiden. Da den Mannheimern weniger Unzulänglichkeiten unterliefen, gewannen sie gestern Abend verdient 4:1 und glichen die Finalserie zum 1:1 aus. Damit vermasselten sie den Berlinern die Möglichkeit auf einen frühzeitigen Titelgewinn in der kommenden Partie am Freitag (19.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof).

Das Momentum ist weg

Harold Kreis, der Trainer der Adler, hatte schon vor Spiel zwei auf dessen enorme Bedeutung hingewiesen. Aber auch darauf, wie viel Spaß dieses bereiten sollte. „Das sind doch die Momente, für die du als Eishockey-Spieler lebst“, hatte er gesagt. Von der Intensität gesehen bot das Spiel dann auch vieles, was sich die 13 600 Zuschauer erhofft hatten. Die Berliner hatten Mühe sich die Adler vom eigenen Drittel fernzuhalten, oft genug gelang es nicht – so, wie in der 12. Minute, als Christopher Ullmann aus Nahdistanz Rob Zepp überwand.

Für die Eisbären war dies der endgültige Hallo-Wach-Effekt. Sie legten den Respekt ab, sie spürten, dass die Adler nicht unverwundbar waren und mit den Nerven zu kämpfen hatten. Als Beispiel dient hierfür Adler-Verteidiger James Sifers, der nach 14 Minuten einen Fehlpass genau auf die Kelle von Barry Tallackson spielte und dieser den Puck aus Höhe des Bullykreises zum 1:1 in die Maschen donnerte.

Die Eisbären schafften es im Laufe des zweiten Drittels die Kulisse und den Gegner mehr und mehr aus dem Spiel zu nehmen, sie stellten die dominantere Mannschaft. Einzig: Die Tore fehlten. Völlig unvermittelt gingen die Adler wieder 2:1 in Führung, als Ken Magowan aus dem Gewühl ungehindert einschießen konnte (33.). Die Zuschauer fanden ihre Stimme wieder, die Eisbären verloren das Momentum – und das Spiel, weil sie kaum noch gefährlich vor das Tor der Adler kamen und Adam Mitchell mit einem Doppelpack zum 4:1 (46., 47.) für klare Verhältnisse sorgte.

Die wichtigste Frage vor Spiel drei lautet nun: Wie gehen die Eisbären mit der ersten deutlichen Niederlage in diesen Playoffs um? Und: Können sich die angeschlagenen Spieler bis Freitag erholen?