Ausrotiert: Nach dem Aus in Europa von Hertha BSC werden einige Spieler etwas vermissen

Valentino Lazaro hat im März Geburtstag, er wird dann 22 Jahre alt, und das muss man sich manchmal ins Gedächtnis rufen, wenn er über das Fußballgeschäft spricht, als wäre er schon viele Jahre dabei.

Wenn er zum Beispiel sagt: „Die jungen Spieler haben das gut gemacht.“ Oder auch: „Es ist eine Phase, in der wir viel investieren und eine Basis schaffen. Ich denke, dass Berlin sich auf eine gute Zukunft freuen kann.“ Dass Lazaro so klingt, als wäre er schon viele Jahre dabei, liegt daran, dass er es tatsächlich ist.

Für die meisten Spieler von Hertha BSC, die sich am Donnerstagabend mit einem 1:1 gegen den Östersunds FK und letztlich als Gruppenvierter aus der Europa League verabschiedet haben, waren diese Fußballauslandseinsätze eine neue Erfahrung. Vor dieser Saison hatten zehn von 29 Kaderspielern keine einzige Minute auf ihrer persönlichen Europa-Uhr.

Im Schnitt sind alle 25,8 Jahre alt und haben nun 16,6 Spiele in europäischen Qualifikationen, Gruppenphasen und K.o.-Runden bestritten. Lazaro, Profidebüt mit sechzehn, fünfmal Meister mit RB Salzburg und fünfmal in der Qualifikation für die Champions League gescheitert, ist im Vergleich jünger und erfahrener (23 Europapokalpartien).

In Europa lernen, daheim nichts verlernen

Und er ist auch überdurchschnittlich selbstbewusst zu sagen, was eher keiner im Verein so offen und vor allem nicht jetzt sagen würde, nämlich dass er „nächstes oder übernächstes Jahr“ zurück will auf Europas Fußballbühnen. Lazaro: „Das wird das Ziel sein.“

Am Sonntag spielt Hertha erst mal in Augsburg (18 Uhr), und selbst ein Sieg würde weder Trainer noch Manager dazu verleiten, das kollektive Saisonziel an Lazaros Selbstbewusstsein anzupassen. Dardai und Preetz haben nach zwei überraschend guten Spielzeiten eine Saison der Übergangs vorgesehen.

In Europa lernen, daheim nichts verlernen – so könnte man das nennen. „Es ist ein schwieriges Jahr“, sagt Dardai. „Die Mannschaft muss das überleben. Und wenn ich das auch selber überlebe, dann wird es mit diesen Jungs irgendwann mal Spaß machen.“ Momentan spricht nichts für einen frühen Trainertod.

Dardai versucht, an eine spaßige Zukunft zu denken, ohne dabei den Ernst der Gegenwart zu vergessen. Er ist nicht so unzufrieden mit den Auftritten in der Europa League. Und noch gilt das mit Abstrichen auch für die Bundesliga. „Es funktioniert“, sagt er ja, „weil wir eine gute Mischung haben aus Talenten und Musterprofis.“

Die großen Rotationstage sind vorbei

Die Talente wie Jonathan Klinsmann, Arne Maier, Maximilian Mittelstädt, Jordan Torunarigha oder Julius Kade („Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich diese Namen sage“), Spieler also, die sich zuletzt mal mehr, mal weniger zeigen konnten, sollen sich an den langen Karrierewegen eines Per Skjelbred, Sebastian Langkamp oder Vedad Ibisevic orientieren. Und sie sollen sich die Zwischengeneration zum Maßstab nehmen, alte Jungspieler wie Marvin Plattenhardt, Mitchell Weiser und eben Lazaro.

Der wegen einer Sprunggelenksverletzung verspätet in die Saison gestartete Österreicher hat bislang nur ein Ligaspiel komplett bestritten, als hängende Spitze in Wolfsburg, wo er mit chirurgischer Steilpasspräzision bei einer gelungenen Toroperation von Vedad Ibisevic assistierte. Solche die Abwehrketten löchernden Anspiele können nicht viele im Team. Ob Lazaros Gesamtleistung stammplatztauglich ist?

Die großen Rotationstage sind vorbei, Pal Dardai wird nicht mehr die einen belasten, um die anderen zu schonen, wenn er sie woanders dringender braucht. „Der Konkurrenzkampf wird hochgeschraubt“, sagt er, „das steigert die ganze Qualität der Mannschaft.“

Das stimmt natürlich genauso wie die Paralleleinschätzung, dass auch die Unzufriedenheit steigen wird. Europa war ja die seltene Möglichkeit, fast jedem im Kader das Gefühl zu geben, dass er gebraucht wird. Solche Gefühle werden in Zukunft ein verknapptes Gut sein.