Potsdam-Babelsberg - Die Pokalhelden des SV Babelsberg 03 tanzten im Regen, Fans übersprangen in Ekstase die Zäune und das ganze Karl-Liebknecht-Stadion bebte. Nach dem überraschenden Erstrunden-Coup im DFB-Pokal gegen Bundesliga-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth (2:2 n.V., 5:4 i. E.) herrschte beim leidenschaftlich kämpfenden Regionalligisten aus Potsdam Ausnahmezustand. Die Party nach dem ersten Zweitrundeneinzug seit 15 Jahren war so wild wie die vorangegangenen Tage.

Alkohol ausschwitzen beim Training

Nur einer blieb komplett gelassen: Trainer Jörg Buder. „Aktuell bin ich eigentlich ruhig. Erstaunlicherweise, weil ich nicht unbedingt mit dem Sieg gerechnet habe“, sagte der Coach, der als bisheriger Co-Trainer erst unter der Woche seinen Chef Predrag Uzelac ersetzt hatte. Und dies trotz einer ordentlichen Startbilanz von zwei Siegen und einer Niederlage in der Regionalliga Nord-Ost.

Doch an den Alltag wollte nach dem Triumph gegen den Favoriten aus Fürth zunächst niemand denken. „Jetzt sollen die Jungs erst mal feiern“, sagte Buder: „Dann treffen wir uns Montag wieder zum Training. Da werden wir wohl etwas Alkohol ausschwitzen müssen.“

Zuvor hatte Babelsberg 2006 die zweite Pokalrunde erreicht, als Hansa Rostock zum Start besiegt werden konnte. Überhaupt waren die Filmstädter bis dato zuletzt 2016 im Wettbewerb dabei gewesen.

Fürths Trainer will der Niederlage die Dramatik nehmen

Gegen Fürth hätte Buders Team sogar schon in der regulären Spielzeit gewinnen können. Erst glich Marcel Rausch (37.) die Fürther Führung durch Branimir Hrgota (22., Foulelfmeter) aus, ehe Marcus Hoffmann (70.) Babelsberg jubeln ließ. Julian Green (85.) rettete das Kleeblatt in die Verlängerung. Im Elfmeterschießen hielt 03-Torwart Marco Flügel gegen Hrgota und Maximilian Raum, bevor David Danko den entscheidenden Strafstoß verwandelte.

Für Fürths Trainer Stefan Leitl war das erste Pflichtspiel ein herber Rückschlag. Immer wieder versuchte er, dem K.o. die Dramatik zu nehmen. Denn am kommenden Sonnabend feiern die Franken beim VfB Stuttgart in die erste Spielklasse. Ein Dämpfer wie am Sonnabend kommt da natürlich ungelegen.

„Mir muss keiner kommen und von Stimmungsschwankungen reden“, sagte Leitl. „In meiner Mannschaft sind wenige Spieler, die schon in der ersten Liga gespielt haben. Da ist die Freude einfach groß, sich in der Liga zu präsentieren. Und da ist eine Eigenmotivation garantiert“, versprach er. Den Pokal-Fehltritt wollte der 43-Jährige am liebsten einfach zu den Fußball-Akten legen. Blick nach vorne soll in der kommenden Woche das Motto sein.

„Ich weiß nicht, warum ich da jetzt großartig einwirken müsste“, sagte Leitl trotzig. „Wir werden diese Niederlage nicht großartig thematisieren. Wir werden regenerieren und werden uns dann auf das Spiel in Stuttgart vorbereiten“, fügte er an.