Berlin - Daniel Frahn erinnert sich noch genau. Es war der 29. Juli 2011, als er im Trikot des damaligen Regionalligisten RB Leipzig alle überraschte. Mit einem Dreierpack schoss der heute 34-Jährige den VfL Wolfsburg beim 3:2-Triumph in der ersten DFB-Pokalrunde sensationell raus. „Das werde ich nie vergessen“, sagt Frahn heute. Und nun soll ein ähnliches Kunststück noch einmal gelingen – nicht für, sondern gegen RB Leipzig.

Frahn spielt im Zweitrunden-Duell am Dienstag (18.30 Uhr, Sky) wieder für einen Viertligisten, diesmal für den SV Babelsberg 03. Sein Ex-Klub Leipzig ist mittlerweile zweimal Vizemeister geworden und stand im Halbfinale der Champions League. Für Frahn, der mit dem Underdog in der ersten Runde die SpVgg Greuther Fürth im Elfmeterschießen ausgeschaltet hatte, schließt sich ein Kreis. „Für mich ist dieses Duell viel besser, als beispielsweise gegen Bayern München oder den BVB zu spielen“, sagte er im Interview mit dfb.de.

Mit „vielleicht fünf bis zehn Prozent“ bemisst der Stürmer die Chancen auf die riesige Pokal-Überraschung gegen Leipzig. Im Vergleich zu Frahns Zeit bei RB ist die Mannschaft kaum wiederzuerkennen. Internationale Top-Talente wie Christopher Nkunku oder Andre Silva sind die Gegenwart, aus dem aktuellen Kader hat Frahn nur mit Emil Forsberg, Yussuf Poulsen und Lukas Klostermann zusammengespielt.

2010, ein Jahr nach der Gründung, war der gebürtige Potsdamer Frahn von Babelsberg nach Leipzig gewechselt und blieb dort fünf Jahre. Vor allem er führte den Klub aus der Viertklassigkeit in die zweite Liga, in der Aufstiegssaison 2013/2014 steuerte er 19 Tore bei, insgesamt 88 in 154 Einsätzen. In der zweiten Liga war der damalige Kapitän noch ein Jahr dabei, aber die Poulsens und Forsbergs liefen ihm bald den Rang ab.

Danach landete Frahn über den 1. FC Heidenheim beim Chemnitzer FC, wo er weiter fleißig traf – aber auch für handfeste Eklats sorgte. Im März 2019 hielt er beim Skandalspiel gegen VSG Altglienicke ein T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local Hools“ hoch. Die gleiche Partie war wegen Trauerbekundungen der Fans für einen mutmaßlich rechtsradikalen Anhänger in die Schlagzeilen geraten. Danach wurde ihm am 5. August 2019 gekündigt, weil er sich beim Auswärtsspiel in Halle im Gästeblock mit rechtsextremistischen Gruppierungen aufgehalten haben soll.

Nach einem Rechtsstreit mit dem CFC heuerte Frahn Ende Januar 2020 erneut in Babelsberg an und musste sich die Liebe der linken Anhängerschaft erst wieder verdienen. Teil der Fans lehnten ihn offen ab, der Verein vermittelte zwischen den Parteien. In der laufenden Saison erzielte er in 15 Ligaspielen bereits elf Treffer. Nebenbei trainiert Frahn, der in Leipzig noch eine Eisdiele betreibt, die D-Jugend der Filmstädter. Er ist wieder zu Hause angekommen.