Nach dem überraschenden Aus im Achtelfinale gegen Ratchanok Intanon aus Thailand ist Deutschlands beste Badmintonspielerin, die WM-Dritte Juliane Schenk, 29, wortlos davongestürmt. Gestern erklärte sie ihre Enttäuschung, ihren Streit mit ihrem Verband und ihre Sorgen – auch jene um die olympische Zukunft ihres Sports nach dem Skandal durch manipulierte Spielergebnisse im Frauendoppel.

Haben Sie die Enttäuschung überwunden?

Insgesamt bin ich durchaus zufrieden. Unter den Voraussetzungen war nicht mehr möglich.

Was heißt das?

Die Dinge müssen sich richtig anfühlen. Und wenn es in meinem Umfeld vom Verband heißt, die Arbeit mit meiner Mentaltrainerin Gabriele Frey werde argwöhnisch betrachtet und unser Sportdirektor in einer Zeitung zitiert wird, ich sei Frau Frey geradezu hörig, sie würde die Kraftfelder der Gegnerinnen stören, dann ist das alles andere als leistungsfördernd. Das ist eine größere Respektlosigkeit, die einem in so einem Artikel entgegengebracht wird. Dann ist der Leistungsabfall nur eine logische Konsequenz. Aber Intanon hat auch fantastisch, absolut beherzt gespielt und verdient gewonnen.

Schenk: "Ich wollte abreisen"

Warum sollte ausgerechnet Ihr eigener Verbandssportdirektor Martin Kranitz die Olympiachancen seiner besten Spielerin sabotieren wollen?

Eigentlich müsste man meinen, dass das nicht sein kann. Für mich hat die Zusammenarbeit mit Frau Frey oberste Priorität. Der Verband hat darüber nicht gerade in die Hände geklatscht. Aber ich weiß nicht, warum jemand eine solche Hetzkampagne gegen mich lostreten sollte. Ich war nach dem Artikel auf jeden Fall nicht in der Lage, großen Sport zu zeigen. Frau Frey hat ab Montag den Weg in die Halle nicht mehr gefunden. Ich war am Dienstag bereit zu sagen, dass ich hier abreise.

Wie hat Herr Kranitz reagiert?

Ich hatte am Montag nach meinem zweiten Gruppenmatch kurz Kontakt mit ihm. Da kam kein Widerlegen dessen, was in dem Artikel stand. Er hat es mit keinem Statement bestritten.

Der Streit ist durch den Skandal in Ihrem Sport überlagert worden. Wie finden Sie den Olympia-Ausschluss von gleich vier Frauendoppeln am Mittwoch, die ihre Spiele nicht gewinnen wollten, um leichtere Gegnerinnen zu bekommen?

Das war natürlich alles andere als glücklich. Das ist heavy stuff. Die Leute haben mich in der U-Bahn darauf angesprochen. Ich habe sowas absolut noch nie erlebt. Sicher hatten wir bei Turnieren schon mal den Eindruck, dass bei Spielen von China gegen China Spielerinnen gesagt wurde: Das macht ihr jetzt. Aber so was wie jetzt ist einmalig, das ist mir noch nie widerfahren. Badminton ist so ein attraktiver Sport, ich hoffe, dass er die Chance behält, Teil der Olympischen Spiele zu bleiben – trotz dieses Skandals.

"Der Modus ist das Problem"

Wie erklären Sie sich das Verhalten?

Die Frage ist, von wem das inspiriert worden ist. Ich glaube, von den Athletinnen ist das am wenigsten ausgegangen. Es ist ein Problem des Modus, denn es wurde ja das erste Mal bei Olympia in einer Gruppenphase gespielt.

Sie sind für die Rückkehr zum K.-o.-Modus von Beginn an?

Nein, der neue Modus hat ja einen Sinn. Man darf jetzt seine positiven Aspekte nicht einfach unterschlagen: Er macht es jeder Spielerin, auch denen aus kleinen Verbänden, möglich, sich auf der großen Bühne Olympias mehr als ein Mal zu präsentieren. Nur muss das System jetzt verbessert werden. Das Problem war ja, dass die Doppelpaare sich nach feststehender Qualifikation für die nächste Runde vermeintlich leichtere Gegnerinnen raussuchen wollten. Also muss man das verhindern, indem einfach nach der Gruppenphase alle Qualifizierten wieder in einen Lostopf kommen und neu gelost wird. Dann kann niemand mehr versuchen, sich den Gegner auszusuchen.

Ist der Wettbewerb ohne die besten Paare nun nicht eine Farce?

Jedes Doppel, das da jetzt weiterspielt, hat seine Berechtigung. Aber es ist aus sportlicher Sicht natürlich bedauerlich, dass einige der besten jetzt nicht mehr dabei sind. Gleichzeitig bietet sich jetzt die Gelegenheit für andere, vorne reinzustoßen.

Das Gespräch führte Jörg Winterfeldt.