Barbara Rittner freut sich, dass wieder vor Zuschauern Tennis gespielt wird.
Foto: dpa/Ina Fassbender

BerlinAm kommenden Montag startet in Berlin ein Tennis-Showturnier mit Zuschauern, das zunächst auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß im Grunewald beginnt und dann am Freitag am Tempelhofer Feld fortgesetzt wird. Turnierdirektorin Barbara Rittner, 47, spricht über ein aufwendiges Hygienekonzept, fehlende Topspieler und Berlin als Vorbild für Sportevents.

Frau Rittner, was bedeutet dieser Re-Start für die Tennisszene?

Es ist ja schon vor einigen Wochen losgegangen mit unterschiedlichen Events. Der Deutsche Tennis-Bund hat eine DTB-Serie eingeführt. Andere Länder haben Events ausgerichtet. Nach Atlanta ist es jetzt das erste größere Turnier vor ein paar Zuschauern. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir uns der Verantwortung für die ganze Tennisszene bewusst sind. Unser Hygienekonzept umfasst nicht umsonst 59 Seiten. Die Tenniswelt wird auf uns schauen, das Turnier wird auf Eurosport live übertragen. Jetzt hoffen wir, dass alles glatt geht, und versuchen, unseren Teil beizutragen – gerade im Hinblick auf Gesundheit und Organisation.

Können Sie einen kleinen Einblick geben, worauf sich die Zuschauer in Sachen Hygiene einstellen müssen?

Es darf keinerlei Berührungen geben. Für Zuschauer herrscht Maskenpflicht, bis sie an ihrem Platz sitzen. Sie bekommen am Anfang Fieber gemessen und sie müssen durch eine Hygienekabine laufen. Natürlich geht es dann nicht, dass ein Spieler in Interaktion mit Zuschauern tritt, auch wenn wir das alle vermissen werden. Aber wir werden dafür sorgen, dass Autogramme ausliegen.

Berlin könnte eine Vorreiterrolle für weitere Turniere einnehmen?

Das glaube ich schon. Am allerliebsten wäre uns natürlich, dass nach diesem Event alle fragen: Wie sieht euer Hygienekonzept aus? Und wir vielen damit weiterhelfen können, nicht nur dem Sport, sondern der ganzen Eventwelt. Wir wissen alle nicht, was die zukünftige Normalität sein wird. Deshalb müssen wir uns im Klaren sein, dass man die Situation nicht auf die leichte Schulter nimmt.

Aus sportlicher Sicht wurde das Turnier zuletzt von Absagen überlagert, insbesondere der von Alexander Zverev.

Es ist ja nach wie vor ein großartiges Männer- wie Frauenturnier. Natürlich war bei den Männern viel Unruhe wegen der Geschichten rund um die Adria-Tour, wo alles nicht so verantwortungsvoll gelaufen ist. Wir versuchen, den Ausfall von Zverev und Nick Kyrgios, die aus verschiedenen Gründen nicht teilnehmen, gut kompensiert zu bekommen. Ich kann garantieren, dass man Toptennis sehen wird.

Wie wichtig ist es für das Tennis, dass sich die Sportart in Berlin und somit der Hauptstadt präsentiert?

Das Turnier, das ja auf nächstes Jahr verschoben wurde, ist ein Zeichen, dass Berlin wieder ein absolutes Highlightevent hat. Nach zwölf Jahren Abwesenheit meldet sich das Tennis zurück, und ich glaube, dass sich jeder auf die Bett1-Open im nächsten Jahr freuen kann. Wir waren alle traurig, dass wir das Debüt verschieben mussten, und sind froh, dass wir als Ersatz nun dieses Showturnier haben.

Berlin ist trotz der langen Pause für viele immer noch ein nostalgischer Ort. Auch Sie selbst haben hier gespielt.

Bei mir ist es eine besondere Geschichte, weil ich hier 1988/1989 das Nachwuchsturnier gespielt habe. Ich habe viele Jahre das Damenturnier hier gespielt. Im Doppel sogar an der Seite von Stefanie Graf. Dann habe ich als Teamchefin erlebt, wie es das Turnier nicht mehr gab. Jetzt, in neuer Funktion als Turnierdirektorin dabei zu sein, macht mich stolz. Für das Tennis in Deutschland ist es eine Chance, sich wieder besser zu positionieren. Ich hoffe einfach, dass die Generalprobe gelingt und wir im nächsten Jahr dann mit einem Impfstoff im Steffi-Graf-Stadion und am liebsten mit Anwesenheit selbiger ein tolles Turnier spielen können.

Neben dem Rasenplatz an der Hundekehle wird auch am Flughafen Tempelhof gespielt. Was versprechen Sie sich von diesem ungewöhnlichen Ort?

Das Ambiente wird ein ganz anderes sein. Es wird auf Hartplatz gespielt vor bis zu 300 Zuschauern. Ich finde die Idee, innerhalb kurzer Zeit auf zwei verschiedenen Untergründen zu spielen, spannend. Im normalen Turnierbetrieb wäre dies kaum umsetzbar. Es erfordert Flexibilität der Profis.

Das Gespräch führte Benedikt Paetzholdt.