Berlin - Es war eine dieser Aktionen, die die Fans von Alba Berlin von ihren Sitzen reißt: Dominique Johnson wirft ein, Aufbauspieler Peyton Siva setzt noch ein Dribbling zur Grundlinie, bevor er den Ball in Richtung Korb wirft, eigentlich deutlich zu hoch und ungenau, und trotzdem kommt Tony Gaffney irgendwie an das Spielgerät.

Der Neuzugang sorgt für Showeinlagen

Es folgt ein krachender Dunk, Alley-oop versteht sich. Die Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof springen auf, die Mitspieler jubeln, Gaffney läuft cool zurück in die Verteidigung.„Die Abstimmung zwischen Peyton und mir ist einfach gut“, erklärt Gaffney einige Tage nach dem Saisonauftakt gegen Bonn. „Er weiß, er muss den Ball einfach in Richtung Korb passen und ich mache ihn dann schon irgendwie rein“, sagt er mit einem Lächeln.

Dabei ist das gute Verständnis mit den Teamkollegen nicht selbstverständlich, ist Gaffney doch erst seit gut zwei Wochen in Berlin. Trotzdem ist bereits zu erkennen, dass seine Verpflichtung – der US-Amerikaner unterschrieb für eine Saison mit Option auf eine weitere – dem Berliner Spiel neue Möglichkeiten eröffnet.

Abgang Brandon Ashley

„Wir hatten fest mit Brandon Ashley als Power Forward geplant“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, „aber als wir gemerkt haben, dass da was im Busch ist, haben wir uns auch nach Alternativen umgeschaut.“ Und so war man vorbereitet, als nach Ashleys Abgang kurz vor dem Saisonstart wirklich ein Ersatz her musste.

Als die Anfrage aus Berlin kam, musste der 31-jährige Gaffney nicht lange überlegen. Insbesondere die erfolgreiche Vergangenheit des Klubs und die Zusammenstellung des Teams haben ihn überzeugt. „An diesem Punkt meiner Karriere sind persönlichen Statistiken und Spielzeit irrelevant für mich“, sagt er, „ich spiele, um Titel zu gewinnen und glaube, dass wir hier das Zeug dazu haben.“

Tatsächlich könnte Gaffney entscheidend zu einer erfolgreichen Alba-Saison beitragen, denn er verleiht dem Spiel der Berliner eine neue Dimension. Während Elmedin Kikanovic und Bogdan Radosavljevic klassische Center sind und vor allem mit dem Rücken zum Korb und in der Zone agieren, ist Gaffney um einiges athletischer und mobiler.

Gaffney strotzt vor Energie

Das Spiel des 2,06 Meter großen Forwards ist vor allem von seiner Beweglichkeit und Explosivität geprägt. Neben seinen Fähigkeiten im Transition-Spiel zeichnet ihn auch seine Intensität in der Verteidigung aus.

„Wir erwarten von Tony, dass er zusätzliche Energie ins Spiel bringt, extra Rebounds holt, und mit besonderem Einsatz spielt“, sagt Alba-Trainer Ahmet Caki. Aufgaben, die Gaffney die vergangenen zwei Spielzeiten bei Hapoel Jerusalem erfüllte. Vor allem der absolute Wille und die Bereitschaft sich komplett in den Dienst der Mannschaft zu stellen, machten ihn dort zum Liebling der Fans.

Er selbst sieht sich als Anführer

In Berlin will Gaffney nun außerdem als Führungsspielers agieren. „Ich sehe mich selbst als Anführer“, sagt er. Mit gutem Beispiel wolle er vorangehen, nicht nur in den Spielen, sondern in jedem Training und auch neben dem Parkett. Wie wichtig solche Spieler für eine Mannschaft sind, wissen sowohl Baldi als auch Caki.

Sie sind sich einig, dass Gaffney eine wichtige Rolle innerhalb der Mannschaft einnehmen wird. Man müsse allerdings Geduld mit dem Zugang haben und ihm Zeit geben, sich an Team und Umfeld zu gewöhnen, mahnt Caki.

Hilfreich für die Eingewöhnung in Berlin wird sein, dass Gaffney bereits zwei Jahre in Deutschlands höchster Spielklasse hinter sich hat. Sowohl in der Saison 2011/12, als auch 2013/14 war er für die Telekom Baskets Bonn aktiv. Dort gelang ihm der Durchbruch in Europa und er empfahl sich für seine Engagements bei Juventut Badalona und später bei Jerusalem.

In Jena warten Bekannte

Jetzt allerdings sei er „froh, wieder in Deutschland zu sein“, erklärt Gaffney. An seinem neuen Arbeitsplatz gefällt ihm nicht nur das Sportliche, sondern auch das Umfeld. „Die Bundesliga ist eine der stärksten Ligen außerhalb der NBA und Berlin ist eine tolle Stadt für mich und meine Familie“, sagt der Vater eines sieben Monate alten Sohnes.

Und auch seine neuen Teamkollegen haben es Gaffney offensichtlich angetan: „Ich bin zwar erst seit zwei Wochen hier, aber es fühlt sich an wie zwei Jahre. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist großartig“, sagt er. Gaffney ist sich sicher: „Wir können eine Menge Spiele gewinnen.“

Seine Beliebtheitswerte steigen

Gewinnen wollen Gaffney und seine Mannschaftskameraden auch an diesem Freitag in Jena. Hier trifft Cakis Team nicht nur auf einen ambitionierten Aufsteiger, sondern auch auf die beiden Ex-Alba-Spieler Julius Jenkins und Immanuel McElroy. Beide waren zu ihrer Zeit in der deutschen Hauptstadt nicht nur absolute Führungsspieler, sondern auch bei den Fans sehr beliebt.

Sollte Zugang Tony Gaffney weiterhin für so spektakuläre Aktionen wie gegen Bonn sorgen, hat er aber zweifellos gute Chancen, in der Beliebtheit der Alba-Anhänger die Jenkins-McElroy-Nachfolge anzutreten.