Berlin - Der Basketball-Klub Lietuvos Rytas Vilnius, am Mittwochabend Eurocup-Gast von Alba Berlin, ist ein schönes Beispiel für die Leistungsfähigkeit einer Zeitung. Denn Lietuvos Rytas ist das Ergebnis einer Zeitung; die Publikation dieses Namens (er bedeutet „Litauens Morgen“) aus der Landeshauptstadt rettete 1997 den Vorgänger-Klub mit einer Investition und gab ihm später schließlich auch noch den eigenen Namen.

Ein Herr namens Gedvydas Vainauskas ist heute deshalb nicht nur Chefredakteur, Herausgeber und Anteilseigner der Zeitung Lietuvos Rytas, sondern auch Präsident des Profi-Basketballklubs Lietuvos Rytas. Insofern ist es kein schönes Zeichen, dass der Basketballklub Lietuvos Rytas sein Eurocup-Spiel bei Alba verlor. Allerdings hatten sie sich gewehrt, die Jungs von der litauischen Zeitung. Die Berliner brauchten nämlich immerhin zwei Verlängerungen, um schließlich mit 124:115 zu gewinnen. Für die Alba-Anhänger dagegen ist dieser Sieg natürlich erfreulich, lautet die Bilanz ihres Klubs im Eurocup nun schließlich 3:1-Siege.

Die Hauptstadtbasketballer gingen an diesem Mittwochabend zunächst sichtlich engagierter als vor einer Woche bei der 72:102-Heimniederlage gegen Khimki zur Sache. Gegen die Russen hatten sich die Berliner ja schon im ersten Viertel abhängen lassen, gegen die Litauer − die allerdings auch weniger hochklassig einzustufen sind − blieben sie trotz eines 0:6-Laufs der Gäste zum Spielauftakt dran. In die Halbzeit ging es dann mit einer 45:44-Führung der Berliner.

Es war einmal mehr Center Elmedin Kikanovic, der die Berliner im Spiel hielt. Immer wieder ging der Ball an ihn und der 2,10-Meter-Mann begann mit dem beherztem Wühlen in Brettnähe. 15 Punkte erzielte er schon in der ersten Spielhälfte, 33 sollten es bis zum Ende dieses Spiel sein.

Ein wilder Freiwurf

Im dritten Viertel konnten die Berliner sich etwas absetzen, mit einem 64:59 ging es in den letzten Spielabschnitt. Der Vorsprung hielt bis gut sechs Minuten vor Schluss, mit 72:74 gingen die Litauer da wieder in Führung. In dieser so wichtigen Phase wirkten die Gäste routinierter und entschiedener als die Berliner. Diese brachten sich wieder in die ungünstige Situation, dass sie im Angriff aufholen mussten, was sie in der Verteidigung nicht verhinderten. Aber sie schafften es, ein Dreier von Dominique Johson, ein Steal von Peyton Siva, dann noch ein Dreier von Johnson brachte sie Sekunden vor Schluss mit 92:91 in Führung. Für Vilnius dribbelte David Logan, ein ehemaliger Berliner, die Uhr herunter, zog zum Korb, wurde gefoult. Noch vier Sekunden zu spielen, und zwei Freiwürfe für Logan. Den ersten verfehlte er, der zweite sprang wild, fiel dann aber doch durch das Netz. 92:92-Gleichstand, Verlängerung.

In ebendieser schaffte es Alba erneut nicht, einen Vorsprung über die Zeit zu bringen. 103:103, eine zweite Verlängerung musste her. An deren Ende stand das bessere Ende aber dann doch für die Berliner, obwohl sie auch jetzt noch zu oft ihr Glück strapazierten. Erst 42 Sekunden vor Schluss konnten sie sich nach einem Dreier von Niels Giffey zum 120:113 des Sieges einigermaßen gewiss sein.