Berlin - Wenn Alba Berlin an diesem Mittwochabend (20.00 Uhr, Arena am Ostbahnhof) gegen den spanischen Klub Fuenlabrada in den Eurocup startet, treten die Basketballer nach der Auffassung ihres Managers Marco Baldi in dem höchstklassigen europäischen Wettbewerb an, der ihnen in diesem Jahr offen stand. „Besser und stärker, mit der höheren Qualität“, sagt Baldi. Schon seit Ende September aber läuft auch die Qualifikationsphase der Champions League, die mit dem Eurocup um den Rang des zweitbesten Wettbewerbs nach der unbestritten höchstklassigen Euroleague konkurriert. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Champions League genauso qualitätsvoll wie der Eurocup ist“, sagt Kamil Novak. Er ist Regionaldirektor des Basketballverbands Fiba Europe, der die Champions League initiiert hat.

Der Streit um Eurocup und Champions League ist die Eskalation eines Machtkampfs, in dem sich Fiba und der Eurocup-Betreiber Basketball Euroleague gegenüberstehen. Es geht um Geld, Macht und die Zukunft des Sports in Europa. Beide Seiten haben sich mittlerweile mit Wettbewerbsbeschwerden an die EU-Kommission gewendet. Der Vorwurf: Die jeweils andere Seite verstoße gegen EU-Recht.

Ziel ist eine europäische NBA

Die Basketball Euroleague betreibt unter der Bezeichnung Euroleague seit dem Jahr 2000 den auch von der Fiba anerkannten höchstklassigen europäischen Wettbewerb. Deutscher Vertreter unter 16 Teilnehmern ist in dieser Saison Meister Bamberg. Elf Klubs sind stets unabhängig von ihrem sportlichen Abschneiden in ihrer Heimatliga für die Euroleague gesetzt, der amtierende Meister ZSKA Moskau zum Beispiel. Diese elf Vereine sind auch Teilhaber am Unternehmen Basketball Euroleague.

Seit 2002 existiert daneben der sportlich zweitklassige Eurocup, ein Wettbewerb mit 20 Teilnehmern, unter denen aus Deutschland neben Berlin auch Ulm und München sind. Im November nun schloss der Euroleague- und Eurocup-Veranstalter einen Vertrag über zehn Jahre mit dem US-Vermarkter IMG ab. Aussagen über das Volumen schwanken zwischen 500 und 700 Millionen Euro. Das Ziel aber wird klar benannt: eine echte europäische Liga, in der in jeder Saison alle Klubs mindestens einmal aufeinander treffen. „Es könnte sein, dass in drei bis fünf Jahren ein internationaler Wettbewerb gespielt wird, wo die Klubs abgekoppelt sind vom nationalen Wettbewerb. Diese Frage steht im Raum“, erklärt Marco Baldi. Kommt es so, wäre das eine europäische NBA.

Die Fiba argumentiert nun, dass das System aus Euroleague (mit ihren elf stets vergebenen Startplätzen von 16) und Eurocup (20 Teilnehmer) zu wenigen guten Klubs die Möglichkeit gibt, sich auf der europäischen Bühne zu präsentieren. „Die Fiba-Klubs haben auch mal eine Plattform gesucht. Das sind jetzt nicht irgendwelche Klubs, da sind viele hochkarätige dabei. Sie sagen: Es kann nicht sein, dass nur 36 Teams in Europa sich entwickeln dürfen“, erklärt Regionaldirektor Novak. Und so hat die Fiba nun tatsächlich den Eurocup-Konkurrenten Champions League mit 36 Teilnehmern initiiert. Aus Deutschland sind Frankfurt, Oldenburg und Ludwigsburg dabei.

Deutscher Kompromiss

Im Kampf der Ligen wird gelockt und gedroht. Die Champions League garantiert jedem Teilnehmer mindestens 100 000 Euro pro Saison, die Antrittsprämie für die Eurocup-Starter ist dagegen nach den Worten Baldis „sehr übersichtlich“. Fiba-Mann Novak sagt: „Die Euroleague hat sämtliche Klubs und Ligen unter Druck gesetzt, nicht in der Champions League, sondern im Eurocup zu registrieren. Dafür haben wir Beweise.“ Andererseits hätte der Gegner von Alba Berlin im Eurocup an diesem Mittwoch eigentlich Partizan Belgrad heißen sollen. Doch der Klub zog sich aus dem Wettbewerb zurück und wechselte in die Champions League. Der serbische Verband habe auf Betreiben der Fiba damit gedroht, Partizan anderenfalls zu suspendieren, was bedeutet hätte, dass der Klub keine Spieler mehr hätte registrieren können, erklärte der Vereinspräsident.

In Deutschland wird dieser Streit vergleichsweise sanft ausgetragen, Bundesliga-Mannschaften treten in allen vier in dieser Saison existierenden europäischen Wettbewerben an (neben den drei genannten gibt es noch den wohl viertklassigen Europe Cup der Fiba, wo die Baskets Bonn spielen). Es blieb den Vereinen überlassen, wo sie nach sportlicher Qualifikation antreten wollten.

So weit, so kompliziert. Gut nur, dass an diesem Mittwochabend nach dem Hochball erst einmal der Sport im Mittelpunkt steht.