Berlin - Natürlich   hat Bogdan Radosavljevic die Spiele verfolgt, Alba Berlin ist seine Mannschaft, daran haben ja der Muskelfaserriss im Oberschenkel und die dreiwöchige Zwangspause nichts geändert. „Ich habe mir die Spiele allerdings wie ein ganz normaler Zuschauer angesehen“, behauptet Radosavljevic. „Ich habe da nicht analysiert, wie es ohne mich läuft oder so. Das ist der Job der Trainer.“

Radosavljevic sitzt in Albas Halle an der Schützenstraße und wartet auf den Beginn der morgendlichen Übungseinheit.  Seit dem  vergangenen Freitag befindet sich der Center wieder  im Mannschaftstraining. Ob und wie lange er am heutigen Mittwoch im   Eurocup gegen Cedevita Zagreb eingesetzt werden kann (Arena am Ostbahnhof, 20 Uhr), wird sich zeigen. Albas Trainer Ahmet Caki aber ist  froh, dass er nun wieder über eine zusätzliche Option auf den langen Positionen verfügt. „Bogdan ist  im Spiel wichtig, aber vor allem auch im Training“, sagt er.

Erschwerte Entwicklung

Radosavljevic verleiht Alba mit seinen 2,13 Metern Körpergröße Präsenz unter dem Korb und im Zusammenspiel mit dem drei Zentimeter kleineren Elmedin Kikanovic  im Angriff Variationsmöglichkeiten, allerdings gibt Caki zu bedenken: „Bogdan ist ein Center, der zwei, drei Wochen braucht, um in Form zu kommen.“ Immerhin haben sie durch die verletzungsbedingten Ausfälle in der bisherigen Saison gelernt, flexibel zu reagieren. So hatte eine eigentlich negative Entwicklung auch einen positiven Effekt.

Ohne Radosavljevic und Kikanovic baute Caki auf eine kleinere, schnellere Formation mit dem 2,03 Meter großen Tony Gaffney und Malcolm Miller, 2,00 Meter. Niels Giffey rückte zwischenzeitlich zum Power Forward auf. „Von diesen Positionswechsel haben  die Spieler  profitiert“, sagt Carl English. „Wenn du erfolgreich auf einer anderen Position spielst, dann gibt dir das Selbstbewusstsein.“ Gleichzeitig  aber sei die Entwicklung des Teams erschwert worden.

Arbeit an der Rotation

In der Verteidigung vor allem erkennt English „Bereiche, in denen wir uns verbessern können“. Die erste Rotation funktioniert gut, wird ein Berliner überlaufen, steht  Hilfe bereit. „Doch die Rotationen danach müssen besser werden“, sagt English. „Das ist eine Frage des Vertrauens. Zum Beispiel: Ich helfe Peyton Siva, und weiß, dass Tony Gaffney hinter mir steht, der wiederum Niels Giffey oder Elmedin Kikanovic hinter sich weiß. Diese Abläufe stellen sich  erst mit der Zeit ein.“

Zeit  haben sie im Eurocup jedoch nicht im Übermaß. Der Ausfall von Radosavljevic und der von Kikanovic hat mit dazu geführt, dass Alba zum Auftakt der zweiten Runde gegen Málaga und Valencia verlor und  sich nach einer neuerlichen Niederlage jetzt gegen Zagreb die Perspektive nun deutlich verschlechtern würde. „Wenn man sich selbst unter Druck setzt“, sagt Caki jedoch, „ist man nicht mehr man selbst.“ Klingt, als wäre das auch eine Erfahrung aus den zurückliegenden Wochen.