Basketball Bamberg: Bloß kein Wort zu viel

Die Meisterfeier war gelungen. Das lässt sich so einfach sagen, auch ohne dabei gewesen zu sein. Es reicht, am Montagmorgen Wolfgang Heyder zuzuhören. Seine Stimme ist noch ein wenig belegt; als habe er am Vorabend im Reizklima einer Kneipe etwas zu viel gesungen oder als sei er in der Arena seiner Bamberger Basketballer zu ausführlich in Sprechchöre eingestimmt. „Diese Deutsche Meisterschaft“, sagt Geschäftsführer Heyder und räuspert sich, „diese Meisterschaft war die schwierigste seit unserer ersten.“ Die datiert vom 23. Juni 2005. Knapp acht Jahre später sind die Bamberger zum sechsten Mal Primus der Basketball-Bundesliga (BBL), zum vierten Mal in Folge. Nach dem 91:88 n.V. gegen Oldenburg, dem dritten Sieg im dritten Finalspiel, eröffnen sich nun reizvolle Perspektiven.

Auf dem Transfermarkt vor allem. Geplant sind punktuelle Verstärkungen. „Ich werde in drei, vier Tagen noch mal mit Coach Chris Fleming darüber reden“, berichtet Heyder. Alle deutschen Spieler sind noch vertraglich an die Franken gebunden, Philipp Neumann etwa und Maik Zirbes, die sich in der zurückliegenden Saison und vor allem in den Playoffs zu Stützen der Mannschaft entwickelt haben. Auch der eingebürgerte Anton Gavel und der Amerikaner Casey Jacobsen besitzen einen gültigen Vertrag bis 2014. „Bei den Verhandlungen mit potenziellen Zugängen haben wir jetzt ein starkes Argument mehr in der Hand“, sagt Heyder. Der Deutsche Meister ist für die Euroleague gesetzt, ihm steht eine sogenannte A-Lizenz zu.

Lobbyist in vertrackter Lage

In der vergangenen Saison traten die Franken zusammen mit Alba in der höchsten kontinentalen Klasse an. Die Berliner hatten eine C-Lizenz erhalten, eine Wildcard. Beide erreichten die Runde der besten sechzehn Mannschaften. Diesmal stellt sich die Situation etwas vertrackter dar, zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls. Jan Pommer, Geschäftsführer der BBL und von amtswegen Lobbyist der deutschen Klubs, weist darauf hin, dass Gespräche laufen oder noch zu führen seien. Am 3. Juli treffen er und weitere Vertreter nationaler Ligen zu einer Vollversammlung zusammen. Am Tag darauf werden die Gruppen für die kommende Euroleague-Saison ausgelost. Spätestens dann haben die Klubs Gewissheit. Bis dahin ist jedoch viel in Bewegung.

Bleiben die Verantwortlichen der Euroleague bei ihrer Linie, wird der Meisterschaftszweite Oldenburg die Chance erhalten, über eine Qualifikation in das kontinentale Oberhaus zu gelangen. Vor der Saison jedenfalls wurde dies so festgelegt. Der zweitklassige Eurocup könnte drei BBL-Klubs aufnehmen. Zumal der Wettbewerb auf 48 Mannschaften erweitert wird. Für Alba Berlin wäre Platz vorhanden. Doch der Klub müht sich um mehr.

„Albas Anspruch ist es immer, in der höchsten europäischen Klasse vertreten zu sein“, sagt Sportdirektor Mithat Demirel, bleibt aber in seiner Wortwahl vorsichtig. Gespräche würden geführt, „im Grunde ja das ganze Jahr über“. Es scheint so, als wolle der Klub seine Verhandlungsposition durch voreilige Äußerungen in der Öffentlichkeit nicht schwächen.

Geht es nach den Kriterien der Euroleague, würde es kaum Argumente gegen eine Berliner Beteiligung geben. Es sei denn, die Ligenleitung würde Wert auf eine fünfte spanische Mannschaft oder eine Häufung russischer Teams in ihrem Wettbewerb legen. Im internen Ranking zumindest rangieren die Berliner aussichtsreich auf einem der vorderen Plätze. Andere bisher gern gesehene Gäste haben dagegen mit Problemen zu kämpfen. Wie Málaga aus Spaniens ACB oder Siena aus Italien. Doch geht es nur nach den Kriterien?

Wirschaftliche Interessen

Jordi Bertomeu, der Chef der Euroleague, macht keinen Hehl daraus, dass auch wirtschaftliche Interessen sein Handeln bestimmen. Dass es um Vermaktung geht und Marken – um Namen also. Der deutsche Meister erhalte eine Startplatzgarantie, damit sei der Pflicht genüge getan, sagt der Spanier. Äußern möchte auch er sich nicht. Reichen muss der Hinweis, dass erst die Ligen in Italien und Spanien ihren Titelträger ausgespielt haben sollten, um zu sehen, wer sich am Ende sportlich qualifiziert.

Allerdings hat Bertomeu bereits vor der Saison betont, dass der FC Bayern für ihn eine interessante Marke ist, weil ihn der Standort Deutschland interessiert: „Die Bundesliga ist die Liga in Europa, die sich wahrscheinlich am stärksten entwickelt hat in den vergangenen drei, vier Jahren. Der deutsche Markt ist sehr wichtig für uns.“

Bayerns Sportdirektor Marko Pesic setzt momentan jedoch andere Prioritäten. „Wir haben uns sportlich bereits für einen Wettbewerb qualifiziert, und das ist der Eurocup“, sagt er. „Sollte die Euroleague auf uns zukommen und uns einladen, werden wir uns zusammensetzen. Wir müssten sehen, ob ein Start in der Euroleague für uns Sinn macht.“

Wolfgang Heyder ist froh, dass er sich mit solchen Fragen seit Sonntag nicht mehr herumzuschlagen hat. Dass er nicht lavieren muss, sondern offen reden kann. „Wir werden bissig sein“, sagt er. Bissig gegen die Konkurrenz im eigenen Land, gegen Berlin oder München. Bissig aber auch international. Die Erfahrungen der abgelaufenen Euroleague-Saison mit zum Teil unglücklichen Niederlagen hätten sein Team reifen lassen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.