Große Fußstapfen: Alba Berlins Frauen legen los – im Doppelpack mit den Männern

Am Sonntag treten Albas Basketballerinnen beim Bundesliga-Doppelspieltag in der Max-Schmeling-Halle an. Sonst ist ihre Spielstätte die Sömmeringhalle.

Alba-Spielerin Laina Snyder hat sich im Pokalspiel den Ball vor Laura Schinkel von den Gisa Lions MBC erkämpft. 
Alba-Spielerin Laina Snyder hat sich im Pokalspiel den Ball vor Laura Schinkel von den Gisa Lions MBC erkämpft. imago/Ballasch

Ein bisschen müssen sich Albas Basketballerinnen noch gedulden, ehe sie ihr neues Zuhause endgültig beziehen können. Es ist das Dach der Sömmeringhalle, an dem dieser Tage geschraubt wird. Rund 30 Jahre nachdem in der Charlottenburger Sporthalle die Erfolgsgeschichte von Albas Männermannschaft begann, soll unter ebendiesem Dach auch Albas Frauenmannschaft den Grundstein für eine erfolgreiche Bundesliga-Zeit legen.

Am vergangenen Freitag gewannen die Aufsteigerinnen der Vorsaison in Osnabrück ihr erstes Bundesligaspiel überhaupt. Nach einer Niederlage in Nördlingen folgt am Sonntag gegen Keltern das erste Heimspiel (17:30 Uhr). Die Tatsache, dass dies zwar noch nicht in den künftig eigenen vier Wänden der Sömmeringhalle, dafür aber im Rahmen eines Doppelspieltags mit der Männermannschaft in der Max-Schmeling-Halle ausgetragen wird, hat Symbolcharakter. Zum einen, weil sie eindeutig beweist, dass Albas Frauen ihren bisherigen Heimspielstätten – den wenig glamourösen Nebenhallen A und C der Schmeling-Halle – entwachsen sind. Zum anderen, weil sie das enge Zusammenspiel zwischen Frauen- und Männermannschaft bei Alba Berlin aufzeigt.

Albas Basketballerinnen nutzen die Strukturen der Kollegen

Eine, die dieses basketballerische Zusammenspiel selbst erlebt hat, ist Ireti Amojo. Von 2018 bis 2020 spielte die heute 32-jährige Berlinerin mit Alba in der Zweiten Liga, mittlerweile ist sie nebenberuflich als Strategische Koordinatorin für den Mädchen- und Frauenbereich im Verein tätig. Die Frage, was sich seit ihrer aktiven Zeit bei Albas Frauen geändert hat, beantwortet die ehemalige Nationalspielerin ohne großes Zögern: „Wir nutzen die Strukturen, die im Männerbereich entstanden und gewachsen sind, noch viel besser auch im Frauenbereich. Da geht Alba vorbildhaft voran.“

In anderen Worten: Während sich Albas Frauen auf dem Parkett in Eigenregie und gewünscht organisch in die Bundesliga gespielt haben, profitieren sie strukturell von Albas Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte. Gute Trainingshallen, Individualtrainer, ein riesiges medizinisches Netzwerk, einen großen Ausrüster und die enge Betreuung junger Talente – all das gibt es bei Alba seit Jahren. „Da können wir als Frauen-Bundesligamannschaft supergut reinrutschen“, so Amojo.

Gleichzeitig ist auch der Stellenwert, den die Frauenmannschaft bei Alba einnimmt, mit dem Aufstieg naturgemäß noch einmal gewachsen. Die von Amojo selbst angebotene Laufbahnberatung für Albas Spielerinnen und deren Betreuung auch abseits des Sportlichen ist hierfür genauso ein Beleg, wie noch mehr Trainingszeiten im vereinseigenen Trainingszentrum. So können Albas Frauen künftig tagsüber in eigener Halle trainieren, statt mit nur abends freien Schulsporthallen vorliebnehmen zu müssen. „Unsere Spielerinnen haben so eine Art normalen Job“, sagt Amojo und ergänzt: „Das habe ich hierzulande im Frauenbereich so noch gar nicht gesehen.“

Angesichts der beschriebenen und bereits existenten Strukturen war der Schritt von der Zweiten Liga in die Bundesliga für Albas Frauen somit zumindest strukturell kein allzu beschwerlicher. Die größten Veränderungen waren sportlicher Natur. Um den jungen Eigengewächsen Bundesliga-Erfahrung an die Seite zu stellen, verpflichtete Alba im vergangenen Sommer sieben neue Profispielerinnen. Diese galt und gilt es „in den Alba-Kosmos zu integrieren“, wie Amojo es ausdrückt – auf dem Parkett, aber auch hinsichtlich der viel zitierten Philosophie und Kultur im Klub.

Die Sömmeringhalle als bedeutender Ort für Alba Berlin

Die Sömmeringhalle könnte hierbei zu einem hilfreichen Werkzeug werden. Nicht nur Albas Sportdirektor Himar Ojeda bezeichnet sie als einen Ort mit einer „großen historischen Bedeutung für unseren Verein“. Von 1990 bis 1997 erspielten sich Albas Männer in Charlottenburg den Status einer für die Stadt bedeutsamen Basketballmannschaft, Albas Frauen wollen es ihnen nun gleichtun. „Die Vorfreude ist riesig“, sagt Ireti Amojo, „und es sind große Fußstapfen, in die war da treten dürfen.“

Einig ist man sich bei Alba auch darüber, dass die Sömmeringhalle in dem Plan, die eigene Frauenmannschaft auf lange Sicht zu einem Titelanwärter in der Bundesliga zu machen, eine Schlüsselrolle einnehmen kann. „Um ein neues Team auf die sportliche Landkarte der Stadt zu setzen, braucht es einen Ort, an dem sich eine neue Fangemeinde versammeln kann“, sagt Sportdirektor Ojeda. Die Sömmeringhalle bietet diesen Platz, der nun allerdings auch genutzt werden will. „Das ist unser großes Ziel“, sagt Ireti Amojo, „2500 Plätze haben wir dort zur Verfügung, und die wollen wir irgendwann auch vollbekommen.“