Alba-Manager Marco Baldi sieht der Fortsetzung der Saison in der Basketball optimistisch entgegen.
Foto: Rainer Jensen

BerlinDas Zeitfenster war klein. Ganze 90 Minuten hatte sich Marco Baldi am Dienstagvormittag in seinem Terminkalender für Anfragen zur geplanten Fortsetzung der Saison frei gehalten, ehe er wieder in die nächste Planungsrunde musste. Vieles geschieht in diesen Tagen und Wochen über das Telefon und per Videoschalte. Der Geschäftsführer von Alba Berlin dürfte nach der fast fünfstündigen Videokonferenz vom Montag gut geschlafen haben, darf er doch mit seinem Verein auf eine Fortsetzung der Saison in der Basketball-Bundesliga hoffen. „Ich freue mich über die Entscheidung“, sagte der Geschäftsführer von Alba Berlin am Dienstagvormittag.

Und das, obwohl er sich darüber im Klaren ist, dass diese Entscheidung eigentlich wirtschaftlich unsinnig sei. „Das muss man so klar sagen“, so Baldi, „wir steigern damit die Kosten, aber haben eigentlich keine Einnahmen, die dagegenstehen.“ Anders als im Fußball, wo ebenfalls darüber debattiert wird, wie man die Saison zu einem der Situation angepassten und der Gesellschaft gegenüber vertretbaren Ende bringen kann, um in erster Linie die TV-Gelder und Existenzen retten zu können, schwingt in der Begründung für die Fortsetzung der Basketball-Saison ein sport-romantischer Unterton mit. „Es gibt viele Spielerinnen, Spieler, Fans und Partner, die eine große Leidenschaft für Basketball haben. Und wenn für die und quasi für unsere eigenen Belange nicht kämpfen, wer soll es dann machen“, sagte Baldi.

Die Sehnsucht nach jedem noch so kleinen Stück Normalität wird immer größer wird. „Ich weiß auch und sehe es auch so, dass Basketball im Moment nicht das Wichtigste ist, aber es geht auf der anderen Seite in allen Lebensbereichen auch darum, dass man mit einer Kreativität an die Dinge rangeht“, sagte Baldi. Alba tut das seit Beginn der Corona-Krise mit der „Täglichen Sportstunde“ im Internet, die viele Kinder und Eltern in Deutschland und Europa erreicht.

Im Zusammenspiel mit neun weiteren Bundesligavereinen möchte Alba Berlin jetzt erneut Kreativität zeigen. Von Seiten der Liga wird nicht etwa am ursprünglichen Spielplan festgehalten oder soll mit den ersten acht Teams der aktuell eingefrorenen Tabelle die Saison im Play-off beendet werden. „Es ist nicht so, dass man versucht, irgendetwas händeringend durchzudrücken und zu Ende zu bringen, sondern es ist ein Konzept, das vorgelegt wird“, sagte Baldi. Und: Es ist ein Konzept „das genehmigt werden muss. Nicht wir entscheiden, ob wir spielen oder nicht, sondern das werden Behörden und Experten tun.“

Mit ihrer Entscheidung am Montag haben die 17 Vereine einstimmig ihre Bereitschaft signalisiert, die Saison zu Ende spielen zu wollen. Nicht jeder wollte oder konnte dabei sein. „Einige Klubs haben gesagt, dass es für sie wirtschaftlich keinen Sinn macht und sie auch nicht möchten, aber dann muss auch keiner“, erzählte Marco Baldi.

Für das Konzept spricht, dass es dennoch alle mittragen. Selbst Vereine, deren Saison jetzt offiziell beendet ist, wollen sich weiter einbringen, wenn es darum geht, das Konzept mit Inhalten zu füllen. Viele Arbeitskreise erarbeiten seit Montag die Details, am Dienstag haben sich die Sportdirektoren darüber unterhalten, wie so ein Ablauf und das Format des dreiwöchigen Turniers mit den zehn Mannschaften aussehen kann, bevor man überhaupt an eine Rückholaktion der ausländischen Spieler denken sollte.

Vor allem im Bereich der Sicherheit und Hygiene lehnt sich die Basketball-Bundesliga aktuell stark an den Fußball und deren Experten an, wohlwissend, dass eine endgültige Entscheidung darüber, ob und wann gespielt wird, von den Behörden und der Politik getroffen wird. Als mögliche Austragungsorte des geplanten dreiwöchigen Turniers wurden am Montagabend noch Frankfurt und München genannt, aber auch Berlin ist noch nicht aus dem Rennen. „Wir schauen uns die Ausschreibung an und werden danach entscheiden, ob wir uns bewerben“, sagte Marco Baldi. Die Vereine könnten sich in jedem Fall über eine größere Aufmerksamkeit als sonst üblich freuen.

Werden alle Spiele der Bundesliga normalerweise von Magentasport übertragen und sind vereinzelt auch im frei empfangbaren Fernsehen beim Spartensender Sport1 zu sehen, so haben auch die Öffentlich-Rechtlichen ihr Interesse bekundet. Wie die Bundesliga mitteilte, haben ARD und ZDF bereits angefragt, wie sie, wenn gespielt werden darf, Basketball in ihren Sportsendungen und aktuellen Nachrichten integrieren können.

Wie auch im Fußball hat nicht jeder Verständnis für die Bestrebungen der Basketball-Bundesliga und Vereinen wie Alba Berlin. „Aber die Alternative wäre gewesen, dass man die Hände in den Schoß legt und wartet, bis alles vorüber ist“, sagt Marco Baldi, „ich finde aber, dass man lieber mit einer Begeisterung, Intensität und Kreativität an die Sache rangeht und für seine Belange kämpft.“ Alba Berlins Geschäftsführer weiß genau, dass das Konzept hieb- und stichfest sein muss, damit es überhaupt genehmigt wird. „Und wenn es nicht genehmigt wird, dann wird es eben nicht genehmigt“, sagte Baldi. Aber man muss sich zumindest nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben.